"Wunderschön" von Karoline Herfurth

Vom liebevollen Blick auf das eigene Ich

11:05 Minuten
Szene aus dem Film "Wunderschön". Rechts im Bild Karoline Herfurth als Mutter Sonja, links ihre Filmtochter. Beide essen Spaghetti.
Alles gar nicht so einfach: Mutter Sonja kämpft um ihr Selbstbild und um die Familie. © Warner
Moderation: Susanne Burg · 29.01.2022
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Fünf Frauen, unterschiedlich alt, in unterschiedlichen Lebenssituationen. Ob Model, Mutter, Ehefrau: Alle kämpfen mit ihrem Körper und mit der Selbstwahrnehmung. Die Regisseurin Karoline Herfurth erzählt, was ihr neuer Film mit ihr selbst zu tun hat.
"Optimierungsdruck hat viele Gesichter", sagt die Regisseurin Karoline Herfurth, und "Schönheitsdruck" sei eines davon. Viele Menschen litten darunter, "und ich selbst habe das auch so erlebt, dass es viel Raum in meinem Leben eingenommen hat und ich sehr viel Zeit, Kraft und Energie darauf verwendet habe“. Ihr Selbstwertgefühl habe stark davon abgehangen, einer Schablone, einem äußeren Ideal zu entsprechen.

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In ihrem neuen Film "Wunderschön" spielt Herfurth zugleich Sonja, eine Frau, die wie selbstverständlich zurücksteckt. Sie sei sehr froh und erleichtert, dass Geschlechter- und Rollenbilder mittlerweile ein offen besprochenes Thema seien, betont die Regisseurin:

Ich glaube, dass Rollenbilder sehr verinnerlichte Bilder sind, sich dadurch strukturell ausgeprägt haben und es so Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten gibt, die es zu bearbeiten gilt.

Als Regisseurin sei es ihr wichtig, einen liebevollen Blick auf die Figuren zu haben. Als Zuschauer identifiziere man sich mit ihnen, fühle und erlebe die Konflikte mit. Es sei ihr wichtig, "dass das liebevoll menschlich passiert".

Die Dialoge sollen den Ton treffen

Bei den Dialogen achte sie sehr darauf, dass es keine "geschriebenen Sätze" gebe, berichtet Herfurth. Ihr sei wichtig, "dass echte Töne getroffen werden". Sie höre bei den Dialogen deswegen "nicht auf zu graben, bis es wirklich stimmt“. Das gelinge nur im Zusammenspiel mit den Schauspielern.
Sie liebe Komik und komische Figuren, so Herfurth. Die Kunst sei aber, "dass die Komik selbst aus den Charakteren heraus entsteht". Etwas sollte komisch sein, "weil ausgerechnet diese Figur diesen Moment erlebt".
Die Herausforderung bei ihrem dritten Langfilm sei gewesen, die fünf Episoden miteinander zu verknüpfen, berichtet sie: "Fünf verschiedene Welten, die alle ihre verschiedenen Ansprüche hatten."
Jede Episode biete eine neue Welt, in die man eintauchen könne. Schwierig seien die Übergänge: "In welchem Rhythmus bewegt man sich von Geschichte zu Geschichte? Das ist die große Herausforderung. Wann geht man in ein trauriges Feld? Wann ist man leichter? Welche Wechsel vertragen sich gut?"

"Moment des Verschnaufens und der Ablenkung"

Eigentlich hätte der Film schon Ende 2020 in die Kinos kommen sollen. Corona habe der Planung aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es sei natürlich schade, dass der Film nun unter schwierigen Bedingungen ins Kino komme, so Herfurth.
Sie sei aber trotzdem "froh und dankbar". Vielleicht biete er ja das, was im Augenblick auch dringend nötig sei: Einen "Moment des Verschnaufens und der Ablenkung".
(ros)
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