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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.11.2017

"Women in Trouble" an der Volksbühne"Mehr Hülle als Inhalt"

Barbara Behrendt im Gespräch mit Vladimir Balzer

(Julian Röder)
Marie Groothof und Bianca van der Schroot in "Women in Trouble". (Julian Röder)

Die erste Schauspiel-Premiere an der Volksbühne: Susanne Kennedys "Women in Trouble". Ein Kunsttheater - kein Menschtheater, wie üblich bei Kennedy. Doch abgesehen davon erschließt sich unserer Kritikerin nicht, was Kennedy dem Zuschauer sagen will. Das Stück sei vor allem eine Überwältigungsattacke.

Gemischte Gefühle hinterlässt diese weitere Premiere an der Chris-Dercon-Volksbühne bei unserer Kritikerin Barbara Behrendt. Susanne Kennedy inszenierte dort "Women in Trouble". Worum geht es? Die Bühne dreht sich. Angelina Dreem Eins trägt eine Latex-Maske mit langen schwarzen Haaren. Sie sitzt auf einem Sofa in hoch-glänzender Reality-TV-Ästhetik und rekelt sich in Pose. Das Bühnendisplay dreht sich weiter. Set zwei zeigt Fitnessgeräte und Wellnessbereich, Angelina Dreem Zwei fährt in einen Tomografiescanner.

An der aufwendigen Drehbühnenkonstruktion lasse sich ablesen: "Susanne Kennedy will da wahnsinnig viel aufmachen" – und bediene sich dafür einer "Überwältigungsästhetik".

Kunstwesen statt lebensechte Menschen

Angelina Dreems Leben ist eine Soap. Aber ihr Leben ist auch real: Sie ist krank, hat Krebs. Im Laufe des Stückes existieren immer neue Doppelgänger von ihr, allesamt Kunstwesen, keine lebensechten Menschen.

"Bei Susanne Kennedy geht es immer um eine Kunstwelt. Da treten keine Menschen auf – das ist kein Menschtheater, das ist ein Kunsttheater", sagt Barbara Behrendt.

Doch unabhängig von diesem typischem Inszenierungsstil Kennedys stelle sich die Frage, ob dies nicht mehr Hülle als Inhalt sei, sagt Barbara Behrendt: "Was wird da eigentlich verhandelt? Das ist gar nicht so klar. Man wird wirklich narkotisiert – von diesem Sound auch, der einen nicht wirklich begeistern kann."

Äußerlich merke man diesem Volksbühnen-Stück an, dass es "für die globalisierte Welt" gedacht sei: Die Bühnensprache sei Englisch, mit deutschen Übertiteln. Dadurch werde betont, dass Intendant Chris Dercon mit den Volksbühnen-Inszenierungen auch bei Gastspielen im Ausland erfolgreich sein wolle.

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