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Interview | Beitrag vom 23.10.2019

Wissenschaft und Klimaproteste"Nicht mit purem Aktivismus solidarisieren"

Senja Post im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Demonstrantin hält ein Schild hoch, auf dem steht: "26800 Scientists for Future: Hört endlich auf uns! Es ist höchste Zeit" (imago/IPON)
Die Bewegung Fridays for Future beruft sich öfter auf Scientists for Future: Diese sehen die Anliegen der Klimaproteste als berechtigt an.  (imago/IPON)

Sollten sich Wissenschaftler mit Klimaaktivisten gemein machen? Nein, sagt die Kommunikationsforscherin Senja Post. Denn dabei würden sie politische Ziele unterstützen - und so ihre Kompetenzen überschreiten. Also gar nicht einmischen?

Für Klimaforscher sei es "problematisch, sich mit dem puren Aktivismus zu solidarisieren", findet Senja Post, Professorin für Wissenschaftskommunikation an der Universität Göttingen. Denn es gebe verschiedene gesellschaftliche Probleme auch im Hinblick auf die Generationengerechtigkeit. Neben dem Klimawandel sei dies beispielsweise die EZB-Geldpolitik. Aktivismus aber erkläre ein politisches Ziel als vordringlich: "Diese Priorisierung gesellschaftlicher Probleme ist letztlich immer etwas Politisches. Wenn Wissenschaftler das im Namen der Wissenschaft machen, dann überschreiten sie einen Kompetenzbereich."

Was Wissenschaft nicht beantworten kann

Aus Posts Sicht sollte sich Wissenschaft darauf beschränken, den Sachstand etwa in Berichten an politische Entscheidungsträger zu reichen. So handhabe es der Weltklimarat IPCC. Wissenschaftler könnten sagen: "Es gibt hier Grund zur Sorge" oder "Gesellschaftlich ist es ratsam, sich um den Klimawandel zu kümmern", ohne ihren Kompetenzbereich zu überschreiten. "Aber was das vordringlichste Problem ist? - Das ist viel schwieriger. Das kann man einfach wissenschaftlich nicht beantworten", so Post.

Zu viel Protest, zu wenig Sachpolitik

Post kritisiert auch die Berichterstattung zum Klimawandel. Es gebe eine zu starke Konzentration auf die Protest, auf Personen wie Greta Thunberg und Aktionen von Extinction Rebellion. "Harte sachpolitische Vorschläge" seien demgegenüber zu kurz gekommen, ebenso wie Passagen aus Berichten des Weltklimarats: "Da ist nicht alles ganz so gewiss. Und diese Unsicherheiten gehen in der Berichterstattung zum Teil ziemlich frappant unter."

Wie Wissenschaft mit Blick auf den Klimawandel vertrauenswürdig vermittelt werden kann, ist eine der Fragen, mit denen sich heute auch der Deutsche Ethikrat bei seiner Herbsttagung befasst.

(bth)

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