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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 23.04.2018

Wirtschaft denken (3): Wie macht man Geld?Von festen Werten und liquiden Mitteln

Von Christian Blees

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Die Hochhäuser von Frankfurt am Main (Hessen) sind im Licht der aufgehenden Sonnen im morgendlichen Dunst beim Blick von Kronberg im Taunus zu sehen. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Frankfurt im Morgendunst (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Wie wird Geld in Umlauf gebracht? Wird das Geld in Zukunft durch sogenannte Kryptowährungen ersetzt oder ist vielleicht sogar eine völlig neue Geldordnung vonnöten? Ein Besuch am Finanzplatz Frankfurt am Main.

Geld regiert die Welt, heißt es. Dabei erfüllt das Geld in einer Volkswirtschaft gleich drei Funktionen: Es ist Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel. Und obwohl jeder von uns tagtäglich damit umgeht, bleibt Geld den meisten Menschen doch ein Rätsel. Dies gilt sogar für selbst ernannte Experten, von denen viele die letzte Finanzkrise nicht rechtzeitig haben kommen sehen.

Die fünf größten Kryptowährungen: Bitcoin (45,5%), Ethereum (14,6%), Ripple (7,4%), Bitcoin Cash (4,4%) und Litecoin (2,5%) (Deutschlandradio)Die fünf größten Kryptowährungen: Bitcoin (45,5%), Ethereum (14,6%), Ripple (7,4%), Bitcoin Cash (4,4%) und Litecoin (2,5%) (Deutschlandradio)
Anlässlich eines Besuchs am Finanzplatz Frankfurt/Main hinterfragt die Sendung im Gespräch mit Ökonomen, Bankern und Blockchain-Experten unter anderem, wie Geld überhaupt in Umlauf gebracht wird, ob dieses in absehbarer Zukunft eventuell durch sogenannte Kryptowährungen ersetzt werden könnte — und ob angesichts der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich vielleicht sogar eine völlig neue Geldordnung vonnöten ist.

Das Verhältnis von Bargeld (in der EU), Giralgeld (in der EU) und Kryptowährung (weltweit). Angaben in Milliarden Euro (Deutschlandradio)Das Verhältnis von Bargeld (in der EU), Giralgeld (in der EU) und Kryptowährung (weltweit). (Deutschlandradio)

 

Die größten Banken der Welt (Katapult / Deutschlandradio)Die größten Banken der Welt (Katapult / Deutschlandradio)

 


Manuskript zur Sendung:

Stefan Hardt: "Die Frage, wie viele Banknoten in Umlauf sind, das ist Nachfrage-getrieben. Das heißt: Wir produzieren so viel, dass wir die Nachfrage jederzeit decken können, mit guter Qualität natürlich. Aber wie viel tatsächlich nachgefragt wird, darüber entscheiden unsere Kunden, nämlich die Kreditinstitute."

Geld erfüllt im heutigen Wirtschaftsleben drei wesentliche Funktionen. Erstens ist es ein Tausch- und Zahlungsmittel: Geld soll den Austausch von Gütern vereinfachen. Auch soll es Finanz-Transaktionen ermöglichen − beispielsweise die Vergabe von Krediten oder das Begleichen von Schulden.

Thorsten Polleit: "Geld ist ein Gut, das über den freien Markt genauso bereitgestellt werden kann wie jedes andere Gut auch − und letztlich ein Geld wäre, das weitaus besser ist als das Geld, das heutige, ungedeckte Papiergeld, was heute umläuft."

Zweitens dient Geld als Recheneinheit: Es erlaubt, den Wert von Gütern, Dienstleistungen und Vermögen in einer allgemeinen Bezugsgröße auszudrücken − dem Preis. Damit Geld diese Funktion erfüllen kann, muss es ausreichend teilbar sein.
 
Philipp Sandner: "Bitcoin ist, das merkt man zunehmend, keine Währung − sondern eigentlich eher zu vergleichen mit so einer Art digitalem Edelmetall, also Gold in Digitalform. Und damit eignet es sich nicht als Währung, weil Sie die Geldmenge nicht anpassen können. Damit haben Sie keine Geldstabilität."

Drittens hat das Geld eine so genannte Wertaufbewahrungsfunktion: Mit ihm lässt sich ein gewisser Wert "speichern", der einen Einkauf zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht.
 
Helge Peukert: "Bargeld ist ein wesentlicher Freiheitsaspekt. Es ist ja eine der wenigen Möglichkeiten, um keine Datenspur zu hinterlassen, wenn man irgend etwas einkauft. Man kann sich auch fragen: Was passiert denn, wenn mal die gesamte Infrastruktur, elektronischerseits, zusammenbricht? Ja, wie soll das denn dann gehen? Das kann ja auch mal passieren."
 
Was ist Geld?
What is money?
Qu’est-ce que l’argent?

Im Geldmuseum in Frankfurt am Main, der deutschen Finanzmetropole. Der von außen ziemlich klobig und eher kühl wirkende Bau aus grauem Beton befindet sich etwa drei Kilometer nordwestlich des so genannten Bankenviertels. Ein guter Ort, um über Geld nachzudenken, denn im Bankenviertel ist eine Vielzahl von Geldinstituten und Finanzeinrichtungen ansässig. Darunter fast alle deutschen Großbanken, die Europäische Zentralbank, EZB, und die Repräsentanzen zahlreicher Auslandsinstitute — von der Bank of America über die Royal Bank of Scotland bis hin zur Bank of China.

"Es geht ganz schlicht darum, über Geld zu informieren."

Ulrich Rosseaux, der Leiter des Geldmuseums. Es existiert seit 1999 und gehört zum Zentralbereich "Ökonomische Bildung" der Deutschen Bundesbank.

"Wir als Notenbank sind für Geld, in all seinen Facetten sozusagen, zuständig. Und wir wollen im Rahmen unserer ökonomischen Bildungsaktivitäten möglichst viele darüber informieren, was Geld ist, wie Geld funktioniert — und dazu ist unter anderem das Geldmuseum da."

Erste Lektion: Wo das Geld herkommt.

Die Ausstellung des Geldmuseums ist in vier Blöcke unterteilt: "Bargeld", "Buchgeld", "Geldpolitik" und "Geld global". Rein optisch kommt die didaktische Aufbereitung des komplexen Themas insgesamt geradezu klinisch daher. An den Wänden hängen hell ausgeleuchtete Schautafeln. In Vitrinen werden alle möglichen werthaltigen Objekte zur Schau gestellt, von historischen Dokumenten über antike Rechenapparate bis hin zu einem echten Goldbarren – natürlich zum Anfassen. Es drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass es in der Welt des Geldes offenbar sehr strukturiert und auch streng reguliert zugeht. In einem der Räume ist das so genannte Geldkabinett untergebracht. Hier wird die Geschichte des Geldes erzählt.

Die ältesten Münzen stammen aus der Mitte des 7. Jahrhunderts vor Christi Geburt, und zwar aus dem damaligen Königreich Lydien, gelegen im Westen der heutigen Türkei. Ursprünglich handelte es sich dabei um kleine, mit einer Prägung versehene Metallklumpen. Das weltweit älteste Papiergeld dagegen wurde erst vor gut eintausend Jahren von den chinesischen Staatsbehörden ausgegeben. In Europa wiederum waren es zunächst Kaufleute, die im Mittelalter eigene Zahlungspapiere entwickelten, die so genannten Wechselbriefe. Weil diese Kreditpapiere aber jeweils an Personen oder Orte gebunden waren, ließen sie sich nicht so einfach weitergeben wie Münzen. Im 19. Jahrhundert schließlich begannen sich in ganz Europa Notenbanken durchzusetzen. Diese kauften von Kaufleuten Gold, Silber und Wechselbriefe an. Im Gegenzug gaben sie dafür Banknoten aus. Wer bei der Bank einen solchen Geldschein einlösen wollte, erhielt den darauf vermerkten Betrag in Edelmetall ausgezahlt.

Die Ausstellung verrät: Ende 2017 lag der Wert aller im Euro-Raum ausgegebenen Banknoten bei rund eintausendeinhundertundsiebzig Milliarden — beziehungsweise 1,1 Billionen − Euro. An der gesamten Geldmenge des Euroraums hat das Bargeld trotz dieser schwindelerregenden Zahl einen vergleichsweise geringen Anteil. Um ein Vielfaches höher fällt nämlich jene Geldmenge aus, die ausschließlich in den Kontobüchern der Banken auftaucht, das so genannte Buchgeld. Was Buchgeld ist, erläutert ein virtueller Bankberater in einem Erklärvideo − akustisch untermalt durch die Hintergrundgeräusche einer realen Bankfiliale. Also Geräuschen, die man heutzutage tatsächlich fast nur noch im Museum hören kann.
 
"Der Umgang mit Buchgeld ist uns ganz selbstverständlich. Und tatsächlich gibt es in der modernen Wirtschaft auch sehr viel mehr Buchgeld als Bargeld. Aber wie entsteht dieses Buchgeld eigentlich? Wer schafft es? Viele denken, das Buchgeld entstehe nur dadurch, dass jemand Bargeld auf ein Konto einzahlt und die Bank es dann als Guthaben ausweist. Dabei wird aber übersehen, dass das Bargeld von einem Konto abgehoben wurde. Das Buchgeld ist also schon vorher dagewesen. Wer schafft dann das Buchgeld? Die Banken − wenn sie Kredite vergeben."

Ein Teil des Buchgeldes − das auch Giralgeld genannt wird − besteht aus so genannten Sichteinlagen. Im Gegensatz zu längerfristig angelegten Termingeldern können die Sichteinlagen durch die Kunden jederzeit vom Bankkonto abgehoben werden. 2017 lag das Gesamtvolumen der Sichteinlagen im Euroraum bei knapp sechstausenddreihundertundvierundachtzig Milliarden beziehungsweise knapp 6,4 Billionen Euro. Ihr Volumen war damit fast sechsmal so groß wie das der europaweit umlaufenden Menge an Bargeld.

"Wenn Sie von Ihrer Bank die Mitteilung erhalten, dass sich auf Ihrem Konto ein Guthaben von 1500 Euro befindet, dann gibt es im Tresor der Bank keine Kiste, in der das Geld aufbewahrt wird. Das Bankensystem basiert auf unserem Vertrauen, dass die Bank über genügend Mittel verfügt, so dass wir jederzeit unsere gesamten Einlagen sofort in bar abheben könnten, wenn wir es denn wollten."

Gregory Mankiw, "Grundzüge der Volkswirtschaftslehre".

Die Zentrale der Deutschen Bundesbank liegt in Sichtweite des Geldmuseums, nur etwa 350 Meter entfernt. Im Jahre 1970 fertig gestellt, arbeiten in dem 13-stöckigen, eher schmucklosen Bau heute rund 3.000 Mitarbeiter. Ein deutlich niedrigerer, seitlich versetzter Vorbau beherbergt das so genannte Hauptkassen-Gebäude. Hier residiert der Zentralbereich Bargeld der Bundesbank. Dessen Bereichsleiter heißt Stefan Hardt.
 
"Als der Euro als Währung geschaffen wurde, da haben damals die Staaten sich darauf verständigt, dass die Ausgabe der Banknoten auf das Euro-System übergeht und die Ausgabe der Münzen in den nationalen Mitgliedsstaaten verbleibt."

Für die Herstellung der Euro-Münzen sind die jeweiligen Regierungen der Euro-Länder zuständig − in Deutschland ist es das Bundesfinanzministerium. Dabei handelt es sich um ein Relikt aus jener Zeit, in der es ausschließlich Münzen als Zahlungsmittel gab. Damals lag das Recht zur Regelung des Münzwesens beim Landesherrn beziehungsweise beim Staat. Weil die Rückseiten der Euro-Münzen individuell vom jeweiligen Ausgabeland gestaltet werden, sehen diese von Staat zu Staat unterschiedlich aus. So befindet sich beispielsweise auf der Rückseite der deutschen Ein- und zwei-Euro-Münze der Bundesadler. Zur Ausgabe der Banknoten im Euro-Raum sind dagegen ausschließlich die Europäische Zentralbank, EZB, und die nationalen Zentralbanken berechtigt − in Deutschland also die Deutsche Bundesbank. Im Gegensatz zu den Münzen sehen die Banknoten im gesamten Euroraum gleich aus. Wie viele davon gedruckt werden, wird einmal pro Jahr vom Rat der Europäischen Zentralbank festgelegt.
 
Stefan Hardt: "Dieses Volumen wird dann auf die nationalen Zentralbanken aufgeteilt. Und der Schlüssel, der dem zugrunde liegt, ist der Kapitalanteil der nationalen Zentralbanken an der Europäischen Zentralbank. Das heißt: Wir wissen dann, wie viele Banknoten Deutschland herzustellen hat. Und wir haben aber ein System geschaffen, das dezentrale Pooling, wo dann eben im Ergebnis Deutschland nicht alle Banknoten, die in Deutschland benötigt werden, hergestellt werden. Sondern wir spezialisieren uns auf einzelne Stückelungen − so, wie auch andere nationale Zentralbanken sich auf bestimmte Stückelungen konzentrieren. Und dann wird untereinander ausgetauscht − so, dass am Ende natürlich jeder alle Stückelungen in seinen Tresoren hat."
 
Im Klartext: Die EZB weist verschiedenen Notenbanken der einzelnen Länder im Euroraum alljährlich aufs Neue ein bestimmtes Produktionsvolumen zu. In Deutschland sind die Bundesdruckerei in Berlin und die private Druckerei Giesecke & Devrient in Leipzig dazu befugt. In ganz Europa gibt es derzeit insgesamt 16 Hochsicherheits-Banknotendruckereien, die die Produktion von Euro-Banknoten übernehmen.
 
Auch bei den Euro-Münzen muss das jährlich zu produzierende Gesamtvolumen zunächst vom EZB-Rat genehmigt werden. Erst dann können die Finanzministerien der einzelnen Euro-Staaten konkrete Prägeaufträge vergeben. In Deutschland werden die Euro-Münzen von fünf verschiedenen Prägeanstalten hergestellt. Anschließend werden sie von der Deutschen Bundesbank zwischengelagert und dann − wie die Banknoten − an die Geschäftsbanken abgegeben. Als Geschäftsbanken werden Banken bezeichnet, bei denen Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen ihre Konten unterhalten.

Stefan Hardt: "Eine Geschäftsbank, die bei uns Bargeld bekommen möchte, die muss über ein Kontoguthaben verfügen − so, wie Sie es ja als Privatmann bei Ihrer Bank auch haben müssen. Guthaben, das Sie dann eben im Wege der Barauszahlung mitnehmen können. Und genau so machen das die Geschäftsbanken bei der Deutschen Bundesbank: Sie unterhalten Guthaben, das sie möglicherweise durch Kreditaufnahme zuvor überhaupt erst geschaffen haben bei uns, und über dieses Guthaben können sie verfügen."

Das Problem: Aufgrund des zweistufigen Systems mit Zentralbank und Geschäftsbanken hat in unserem Fall die Bundesbank keinerlei Kontrolle darüber, wieviel Geld private Haushalte als Einlagen bei den Geschäftsbanken halten. Je höher die Einlagen ausfallen, desto mehr Geld können die Geschäftsbanken schöpfen.

Der Begriff "Geldschöpfung" bezeichnet den Prozess, mit dem neues Geld geschaffen wird. Typischerweise wird Bargeld von einer Zentralbank geschaffen, Buchgeld dagegen von einer Geschäftsbank.

Das bedeutet: Verlieren immer mehr Menschen das Vertrauen in die Geschäftsbanken und heben ihr Geld vom Konto ab, können die Geschäftsbanken entsprechend weniger neues Geld schöpfen. Das Geldangebot ginge in diesem Fall zurück, ohne dass die Bundesbank als deutsche Zentralbank eingegriffen hätte.

Zweite Lektion: Geld ist eine Glaubenssache.

"Geld kommt ja über einen Verschuldungsprozess heutzutage überhaupt in die Welt − indem nämlich jemand zu einer Bank geht und einen Kredit aufnimmt."

Helge Peukert, Professor für "Plurale Ökonomik" an der Universität Siegen.

"Und wenn man kritisiert, dass wir so hohe Schuldenstände in der Ökonomie haben, der übersieht, dass ohne Schuldenmachen praktisch überhaupt kein Geld in der Ökonomie wäre."

Vom Ambiente her könnte der Kontrast kaum größer ausfallen. Das Interview mit dem Bargeld-Experten der Deutschen Bundesbank ging noch im großzügigen, lichtdurchfluteten Großraum-Büro über die Bühne. Das Treffen mit Helge Peukert dagegen findet statt in einem engen Besprechungsraum, mit abgewetztem Fußboden und kahlen Wänden. Zudem verbreiten Neonlampen ein wenig einladendes Licht. Hier, im Frankfurter "Club Voltaire", treffen sich regelmäßig die Aktiven der "Initiative Neue Geldordnung", zu deren Wortführern Helge Peukert gehört. Das lockere Bündnis besteht aus finanzpolitisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Ihren Ursprung hat die Initiative in der "Occupy"-Bewegung, die sich seit Herbst 2011 weltweit unter anderem einsetzt für die Beseitigung sozialer Ungleichheiten und gegen die Spekulationsgeschäfte von Banken.

Helge Peukert: "Die Initiative Neue Geldordnung träumt davon, dass die Menschen, die jeden Tag mit Geld umgehen und die ständig über Geld nachdenken, dass die auch verstehen, wie der Geldprozess wirklich abläuft. Und dann auch als Wahlbürger zur Wahlurne gehen und dort ihre Meinung über diese Handlung kund tun."

"Jedes Mal, wenn Geld bei einer Bank eingelegt wird und daraufhin Kredite vergeben werden, wird Geld geschöpft. Man nennt dies den "multiplen Geldschöpfungsprozess". Der Geldbetrag, den das Bankensystem aus jedem Euro ursprünglicher Einlagen beziehungsweise Reserven schafft, wird Geldschöpfungsmultiplikator genannt. In einer fiktiven Volkswirtschaft, in der aus 100 Euro ursprünglichen Einlagen 1000 Euro geschöpft werden können, beträgt der Geldschöpfungsmultiplikator zehn."

Gregory Mankiw: "Grundzüge der Volkswirtschaftslehre"

Helge Peukert: "Also, Mankiw beschreibt im Grunde den Geldschöpfungsprozess von der Kausalität her falsch. Weil er sagt: Zuerst muss die Zentralbank eine bestimmte Menge Zentralbank-Geld den Banken zur Verfügung stellen − also zum Beispiel: die Zentralbank gibt den Banken 100 Euro und dann können sie daraus 1000 Euro Giralgeld schöpfen, beispielsweise. Und das ist die falsche Kausalität. Am Anfang des Prozesses stehen die Banken. Die Banken vergeben Kredite. Und dann sorgt die Zentralbank schon dafür, dass dieses Zentralbank-Geld geschaffen wird. Das ist ihre Aufgabe. Die Zentralbank hält den Bankensektor liquide. Und insofern kontrolliert sie diesen Prozess der Geldschöpfung nicht, sondern sie alimentiert ihn, kann man sagen, ja?"
 
Fakt ist: Um − wie in unserem Beispiel − eintausend Euro Giral- oder Buchgeld zu schöpfen, benötigt eine Bank im Euroraum heutzutage eine Geldreserve von nur rund 30 Euro. In ihrer Broschüre zum Thema "Geld und Geldpolitik" schreibt die Bundesbank dazu lapidar:

Die Barreserve − das heißt, der Bestand der Banken an Bargeld und Guthaben bei der Zentralbank − ist relativ gering. Dies überrascht zunächst, weil doch die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit für die Banken oberstes Gebot sein muss. Erfahrungsgemäß ist es aber ziemlich unwahrscheinlich, dass alle Kunden ihr Geld auf einmal abheben. Die Banken kommen deshalb mit relativ geringen Barreserven aus, zumal sie sich in extremen Situationen über ihren direkten Zugang zur Zentralbank kurzfristig zusätzliches Bargeld beschaffen können.

Finanzmarkt-Kritiker wie Helge Peukert halten diese Sicherung für viel zu lax.

"Wir brauchen deutlich mehr Eigenkapital, müssen wir den Banken vorschreiben. Im Moment sind das drei bis fünf Prozent. Wir bräuchten meiner Meinung nach aber ungefähr 30 Prozent. Das wäre ein Puffer, ein Schutz wäre das. Weil: Wenn die Vermögenswerte der Banken um drei bis fünf Prozent sinken − das kann ja schnell passieren −, dann sind sie im Grunde pleite."

Wenn es nach Peukert und seinen Mitstreitern ginge, dann dürften die Banken überhaupt kein Giralgeld mehr schöpfen. Dies sollte alleine den Zentralbanken vorbehalten bleiben. Dadurch, so hofft die "Initiative neue Geldordnung", würden die Geschäftsbanken in ihrem bisweilen grenzenlosen Bestreben nach Gewinn-Maximierung spürbar eingeschränkt werden. Doch das ist noch nicht alles. Peukert & Co. plädieren außerdem für die Einführung eines so genannten Trennbanken-Systems.

"Das bedeutet, dass Investmentbanken-Tätigkeiten − also Übernahmen, Eigenhandel und so weiter, all diese Dinge, die mit einem gewissen Risiko verbunden sind −, die sollten nicht unter einem Dach mit den üblichen Transaktionen, die Menschen auf ihrem Girokonto vor sich gehen haben, in eins geworfen werden. Denn wenn die Investmentbanken-Geschichten schief gehen, dann drohen die Banken, dass dann ja der gesamte Zahlungsverkehr zusammenbricht."

"Geld ist an sich nichts, kein Gut, kein Wert, sondern bloß eine Recheneinheit für jene, die an das Geld glauben. Zum Kaufen, Verkaufen, Mieten und Vermieten. Geld entsteht nur durch den Glauben an Geld. Solange alle die Regeln des Systems "Geld" befolgen, gibt es wenig Grund zur Panik. Das Problem ist, dass es nicht Sparer mit Girokonten sind, die über die Regeln der Finanzwelt entscheiden."

Bernhard Praschl: "Das kleine ABC des Geldes"

Dritte Lektion: Vom guten und vom schlechtem Geld.

Am Frankfurter Flughafen steht Thorsten Polleit kurz vor dem Abflug zu einer internationalen Finanzinvestoren-Konferenz in Madrid. Polleit ist Chef-Volkswirt der Degussa Goldhandel GmbH, dem nach eigenen Angaben größten Edelmetall-Handelshaus Europas. Vor seinem Aufbruch gibt er noch schnell − Zeit ist ja auch Geld − Auskunft über eine Geldreform, die er und sein Co-Autor, Michael von Prollius, in ihrem Buch "Geldreform − vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld" fordern. Darin fällen die beiden ein rundum vernichtendes Urteil über jenes Geld, das unseren Wirtschaftskreislauf bestimmt.

Thorsten Polleit: "Was wir heute vorfinden, sind staatlich monopolisierte Geldarten − also, ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi oder japanischer Yen angesprochen sind. Es gibt eine Institution − und nur eine −, die diese Währung produzieren darf, und das ist die staatliche Zentralbank. Alle großen Währungen der Welt sind ungedecktes Papiergeld. Sie werden gewissermaßen aus dem Nichts geschaffen, in die Wirtschaft eingespeist. Und das führt zu Wirtschaftsstörungen, zu Finanz- und Wirtschaftskrisen. Das lässt sich beobachten in der Historie. Die letzte große Krise ist eben durch dieses ungedeckte Papiergeld verursacht worden − nämlich die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009."

Für Thorsten Polleit ist das per Kreditvergabe geschöpfte Buch- oder Giralgeld nichts anderes als "schlechtes" − weil ungedecktes und der Inflation ausgesetztes − Papiergeld. Was ihm stattdessen vorschwebt, ist ein "gutes", stabiles Geld. Dieses, so Polleit, würde nicht durch staatliche Banken zur Verfügung gestellt werden, sondern über den freien Markt. Angelehnt ist diese Forderung des Degussa-Volkswirts an die libertären Thesen des österreichischen Ökonomen Friedrich August von Hayek.

"Die Geschichte staatlichen Umgangs mit Geld ist, mit Ausnahme einiger kurzer glücklicher Perioden, eine Geschichte von unablässigem Lug und Trug. In dieser Hinsicht haben sich Regierungen als weit unmoralischer erwiesen, als es je eine privatrechtliche Körperschaft hätte sein können, die im Wettbewerb mit anderen eigene Arten von Geld auf den Markt bringt."

Friedrich August von Hayek: "Die Entnationalisierung des Geldes"

Hayek forderte Mitte der 1970er-Jahre das Ende des staatlichen Geldangebotsmonopols. Stattdessen sprach er sich für einen Wettbewerb der Währungen aus. Wie beim Wettbewerb auf jedem anderen Gütermarkt, so Hayeks Theorie, würde dies für "gutes" Geld sorgen. Denn es würde nur jener Geldanbieter dauerhaft auf dem Markt verbleiben, der die Kundenwünsche dauerhaft befriedigen könne. Dieser Disziplinierungszwang des Wettbewerbs wiederum würde Geld in einer besseren Qualität bereitstellen, als es die Regierungen jemals anbieten könnten.

Thorsten Polleit: "Also, wenn Thorsten Polleit beispielsweise Scheine ausgeben würde, wo aufgedruckt wäre "100 Polleits", dann würde sich das niemals als Geld durchsetzen. Warum nicht? Weil dieser Schein, den ich emittiere − den ich also ausgebe und als Geld anbiete − niemals als Geld akzeptiert wird. Damit ein Gut zu Geld wird, muss es bestimmte Eigenschaften erfüllen. Und diese Eigenschaften werden par excellence erfüllt von Edelmetallen."

Dass der Vertreter des größten europäischen Edelmetall-Händlers eine solche These vertritt, erscheint nicht wirklich überraschend. Auch zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass es das von Thorsten Polleit favorisierte "gute" Geld durchaus schon einmal gegeben hat.

"In der Geschichte des Geldes hatten jahrhundertelang die Edelmetalle — hauptsächlich Silber und Gold — dominiert. Das Papiergeld war dem Golde untergeordnet. Die Dinge schienen gefestigt und versprachen langen Bestand. Doch dann kam es plötzlich zu einem historischen Ereignis, das die Herrschaft des Goldes jäh beendete: der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Mit dem Kriegsausbruch sah das Papiergeld seine große Stunde gekommen, das Gold zu schlagen. Den Kriegskosten der Staaten war das Gold nicht gewachsen. Die Staaten mussten durch Kriegsanleihen ihre Kriegskosten finanzieren, was nur durch Papiergeld möglich war. Die Papierflut ertränkte schließlich die Edelmetalle. Der Knecht, das Papier, erhob sich über den Herrn, das Gold."

Hans Harlandt: "Die Evolution des Geldes".

Thorsten Polleit: "Damit ein Gut zu Geld werden kann, muss es bestimmte physische Eigenschaften haben. Also, beispielsweise muss es knapp sein. Es muss homogen sein, das heißt: Es muss von gleicher Art und Güte sein. Es muss transportabel sein, es muss lagerbar sein, es muss haltbar sein. Und es wäre in einem freien Marktgeldsystem zu erwarten, dass es eben Menschen gibt, die beispielweise in Gold oder Silber das beste Geld erblicken − und dann einen Teil ihrer Kassenhaltung nicht in Euro oder Schweizer Franken halten, sondern beispielsweise zusehends in Gold. Und dieses Gold kann man lagern, an Lagerstätten, und man kann es heute mit modernen Technologien digitalisieren, so dass man es auf dem iPhone im Bezahl-Service einsetzen kann − genau so, wie das heute mit Euro und anderen Währungen der Fall ist."
 
Bei aller Euphorie für das von ihm propagierte "gute" Geld muss Thorsten Polleit zumindest eines einräumen: Ein Übergang vom Staatsgeldsystem zum freien Marktgeld würde eine drastische Umverteilung nach sich ziehen.

Sollte das Staatsgeld, wie wir es kennen, irgendwann einmal tatsächlich durch privates Geld ersetzt werden, würden diejenigen, die ihr Vermögen in Staatsgeld angelegt haben − beispielsweise in Spareinlagen oder Lebensversicherungen — spürbare Verluste erleiden. Besitzer von Edelmetallen dagegen würden in solch einem Fall zu den Gewinnern zählen. Außerdem wären solche Industrien und Arbeitsplätze von der Vernichtung bedroht, die im Grunde genommen nur mithilfe der unablässigen Kredit- und Geldmengenausweitung der Banken entstanden sind. Der Wechsel vom staatlichen Geldangebotsmonopol zum privaten Geld käme de facto einer Währungsreform gleich.

Laut Polleit wäre eine solch drastische Währungsreform aber letztlich ehrlicher, als Geschäftsbanken durch staatliche Zuschüsse immer wieder aufs Neue vor der Pleite zu bewahren.

Thorsten Polleit: "Die neuen Technologien − Stichwort: Krypto-Währungen −, die ermöglichen das jetzt, mit relativ geringen Kosten diesen Wettbewerb der Währungen in Gang zu setzen. Und der Wettbewerb der Währungen findet auch statt in einem Bereich, nämlich dem Internet, wo der Staat nicht mehr verbieten kann. Der kann diesen Prozess nicht mehr unterdrücken. Der Wettbewerb greift jetzt − und ich glaube, er wird sich auch verschärfen, in den nächsten Jahren −, und es wird zu einer natürlichen Geldordnung kommen, nämlich einer wettbewerblichen Geldordnung. Nicht nur hier in Europa, sondern weltweit."

Vierte Lektion: Die Zukunft des Geldes.

Die Cafeteria der privaten Frankfurt School of Finance and Management, im Frankfurter Nordend.

"Das Thema Blockchain-Technologie ist eine Schlüsseltechnologie. Die sollte man nicht unterschätzen, die wird sehr viel verändern."

Philipp Sandner, Leiter des 2017 gegründeten Frankfurt School Blockchain Centers.

Der Begriff Blockchain beschreibt das Konzept einer dezentralen Buchführung, an der viele, weltweit verstreute Computer beteiligt sind. Dabei werden sämtliche Transaktionen auf allen Rechnern parallel archiviert. Dadurch ist es ausgeschlossen, einzelne Transaktionen zu manipulieren oder zu löschen. Dieses Verfahren der so genannten kryptografischen Verkettung ist die technische Basis für Krypto-Währungen.

"Es ist alles Open Source. Sie brauchen ein bisschen Hardware, Sie brauchen ein paar Computer. Sie müssen den Programm-Code verstehen. Und wir haben das einmal zu Testzwecken gemacht − also, das dauert zwei Wochen, dann haben Sie quasi das technische Gerüst für eine eigene Währung dieser Art. Die hat aber zu dem Zeitpunkt eben dann noch einen Wert Null. Es interessiert sich ja niemand dafür. Aber wenn Sie es eben jetzt schaffen, dieses Konstrukt mit Wert aufzuladen − weil Sie eine tolle Marke sind oder ein Staat oder vielleicht auch ein tolles Individuum oder eine Firma −, dann können Sie anderen Leuten diese Währung oder diesen Ansatz quasi verkaufen. Ähnlich wie jede Firma, die an die Börse geht, ihre Aktien dem Markt verkauft. Das ist genau die gleiche Analogie. Und dann gibt es Leute, die sehen da das Potenzial, die haben das Gefühl, dass da eine Dividende zu erwirtschaften ist oder auch eine Kurssteigerung − und dann kaufen die entweder Aktien ab oder eben, in der Krypto-Welt heißt es "Tokens", also quasi Anteile an dieser Technologie."

Die wohl bekannteste Krypto-Währung heißt Bitcoin. Entstanden ist der Bitcoin im Zuge der weltweiten Finanzkrise 2008, als die klassischen Währungen stark unter Druck gerieten. Weil die Anzahl der Bitcoins technisch auf 21 Millionen Stück begrenzt ist, sahen im Laufe der Jahre immer mehr Anleger im Bitcoin eine wertstabile Alternative zu herkömmlichen Währungen. Dies hatte zur Folge, dass der Wert des Bitcoin zunächst extrem anstieg. In letzter Zeit war er jedoch starken Schwankungen unterworfen. Denn niemand kann seriös vorhersagen, welche Bedeutung dem Bitcoin als Währung in Zukunft tatsächlich zukommen wird.

Philipp Sandner: "Es gibt momentan noch 1400 weitere Ansätze dieser Art. Aber es gibt nur wenige große, und das sind die ganzen Krypto-Assets. So würde ich es bezeichnen. Andere Leute sagen "Krypto-Währungen". Aufgrund der Historie hat eben Bitcoin nun mal die komplette mediale Awareness abbekommen. Das ist so eine Art Artefakt. Aber eigentlich gibt es andere Ansätze, die technisch schon weitaus besser sind, die aber eben nicht dieses Alter erreicht haben."

Kritiker bemängeln am Bitcoin vor allem die rechen- und zeitintensive Verarbeitung der einzelnen Transaktionen. Manche Bitcoin-Konkurrenten punkten dagegen nicht nur mit höherer Geschwindigkeit, sondern zusätzlich dadurch, dass ihre Software gleichzeitig auch als Technologie-Plattform dient. Dies ist beispielsweise beim so genannten Ethereum-System der Fall. Als Zahlungsmittel für die Transaktionsverarbeitungen der beteiligten Computer dient hier die Krypto-Währung Ether.

Laut Philipp Sandner eignet sich Ether heutzutage vor allem als Alternativ-Währung für Transaktionen in Entwicklungsländer beziehungsweise in Staaten, die unter Korruption oder unsicheren politischen Regimen leiden: 
 
"Was Sie mit dem Etherium-Netzwerk machen können, ist: Sie können von jetzt nach Kongo innerhalb von zehn Sekunden 10.000 Euro überweisen. Ich schicke 10.000 Euro weg und es kommen auch 10.000 Euro an. Das ist mit dem herkömmlichen Zahlungssystem so nicht möglich, weil: Sie haben Intermediäre, Sie haben Leute, die Sie bestechen müssen, es gibt Leute, wo auf dem Weg dorthin das Geld verloren geht. Das dauert dann drei Wochen. Sie schicken 10.000 Euro los und es kommen vielleicht nur 9.500 Euro an, aufgrund der Gebühren. Und mit diesen digitalen Blockchain-Netzwerken können Sie in zehn Sekunden das Geld von jetzt nach dort verschicken, und das Geld geht von hier direkt nach Kongo vor Ort, in ein lokales Dorf oder wo auch immer. Das ist wirklich absolut faszinierend."

Inzwischen existieren weltweit über 1500 verschiedene Krypto-Währungen. Sie alle werden auf speziellen Börsen im Internet gehandelt. Nicht wenige davon tragen seltsam anmutende Bezeichnungen, wie etwa Tattoocoin, Cannabiscoin oder − kein Witz − President Trump. Nicht nur für Laien ist das Angebot an Krypto-Währungen kaum noch zu überblicken. Darum plädieren unter anderem die Finanzminister und Zentralbank-Chefs von Deutschland und Frankreich dafür, strenge Auskunftspflichten für die digitalen Währungen einzuführen. Diese sollen ähnlich wie jene Regeln funktionieren, die bereits für Aktien und andere Wertpapiere gelten. Auf diese Weise sollen Verbraucher besser über die Risiken aufgeklärt werden, die sie beim Kauf von Krypto-Währungen eingehen.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ − eine Art Zentralbank für alle Zentralbanken − ging im Herbst 2017 sogar noch einen Schritt weiter: Sie regte die Einführung einer eigenen staatlichen Digitalwährung an − also eine neue Form des Zentralbankgeldes, das die herkömmlichen Banknoten und Münzen ergänzen könnte. Auf der einen Seite mag dies geradezu absurd anmuten. Denn immerhin wurden die Krypto-Währungen ursprünglich ja gerade deshalb entwickelt, um sich vom herkömmlichen Zentralbanksystem unabhängig zu machen. Andererseits greifen die BIZ-Experten mit ihrem Vorschlag lediglich eine Entwicklung auf, die ohnehin kaum noch aufzuhalten scheint.

Philipp Sandner: "Weil eben jetzt zum Beispiel Leute in verschiedenen Ländern auch beginnen, normale Währungen auf einer Blockchain notieren zu lassen. Also, da gibt es jetzt erste Experimente. In Japan zum Beispiel, Russland plant so etwas, Schweden hat so etwas vor. In Venezuela ist Derartiges geplant, so dass man quasi eine Blockchain-basierte, lokale Währung hat. Das heißt quasi, dass jeder Euro, den Sie hätten, ist digital in einem technischen System abgebildet. Damit gibt es so etwas wie zum Beispiel zwielichtige Barzahlungen gar nicht mehr, weil auch der Staat theoretisch in alle Transkationen reinschauen kann, aufgrund der Technik. Es gibt kein physisches Papiergeld mehr in dieser Welt, sondern potenziell nur noch digital notiertes Geld."

Sind die digitalen Währungen also ein weiterer Schritt in eine Zukunft ganz ohne Bargeld? Immerhin nimmt der Anteil von Kartenzahlungen in Deutschland laut einer aktuellen Bundesbank-Studie immer mehr zu. In Schweden zum Beispiel verweigern schon viele Geschäfte und Restaurants die Annahme von Scheinen und Münzen. Verbraucher zahlen dort fast nur noch per Kreditkarte, Online-Überweisung oder Mobiltelefon. So ist es dort sogar möglich, auf der Straße oder in der U-Bahn eine Obdachenlosenzeitung bargeldlos zu kaufen. 2017 war die Bargeld-Menge im schwedischen Königreich bereits 40 Prozent niedriger als zehn Jahre zuvor. In China wiederum generieren der stationäre und der Online-Handel alleine über Smartphones einen Jahresumsatz von umgerechnet 5,5 Billionen Dollar. Stefan Hardt von der Deutschen Bundesbank hält Ängste oder auch Hoffnungen auf ein mögliches Ende des Bargeldes im Euroraum trotz solcher Zahlen für unbegründet. 

Stefan Hardt: "Denn wenn wir uns den Bargeld-Umlauf anschauen, dann stellen wir ja fest, dass er jedes Jahr etwa um sechs bis sieben Prozent steigt. Das heißt: 2002 hatten wir einen Bargeld-Umlauf von etwa 220 Milliarden Euro, heute haben wir einen Bargeld-Umlauf von 1,1 Billionen − also 1170 Milliarden Euro. Wenn wir diese Steigerungszahlen sehen, dann macht es eigentlich relativ wenig Sinn, über das Ende des Bargelds nachzudenken."

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