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Tonart | Beitrag vom 22.06.2020

Wincent Weiss-Konzert in KölnFans in Plexiglasboxen und "Mitsingen verboten"

Philipp Kressmann im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Blick in die Lanxess-Arena in Köln am 20.06.2020: Sänger Wincent Weiss steht mit seiner Band in der Mitte auf einem Podest. Zuschauer sitzen oder stehen in zur Bühne hin geöffneten Plexiglasboxen. (picture alliance / dpa / Thomas Banneyer)
Konzertbesucher in Glasboxen rund um die Bühne: Das erste Konzert unter Coronabedingungen in einer großen Veranstaltungshalle fand am Wochenende in Köln statt. (picture alliance / dpa / Thomas Banneyer)

Das erste Konzert in einer großen Halle seit den Coronabeschränkungen fand am Wochenende in Köln statt. Doch Wincent Weiss spielte nur vor kleinem Publikum und mit einem speziellen Hygienekonzept. Es soll trotz seiner Schwächen ausgeweitet werden.

Große Konzerte sind aufgrund der Coronapandemie weiterhin verboten. Aber seit dem Wochenende ist die Kölner Lanxess-Arena, die nach einem Chemiekonzern benannt ist, die erste große Halle in Deutschland, in der seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen Mitte März wieder Veranstaltungen stattfinden. Denn dort wurde ein neues Hygienekonzept angewandt.

Den Auftakt machte mit zwei Konzerten der Sänger Wincent Weiss. Jeweils vor 900 Besuchern – so viele sind erlaubt. Eigentlich passen 18.000 Menschen in die Halle. Der 27-Jährige war früher bei "Deutschland sucht den Superstar" dabei und erhielt inzwischen drei Goldene Schallplatten.

Tanzen und mitsingen

"Das war am Anfang ein absurder Anblick: Diese riesige Halle, in der nur etwas weniger als 900 Menschen Platz nehmen", berichtet unser Kritiker Philipp Kressmann, der am Sonntagabend dabei war. "Die Bühne war in der Mitte des Innenraums aufgebaut. Das Besondere: Drumherum standen circa 60 rechteckige Plexiglas-Boxen, in denen jeweils vier Leute saßen." Der Mindestabstand von eineinhalb Metern wurde gewahrt. Auch auf den Unterrängen konnte man Platz nehmen, natürlich mit Abstandsregel, so Kressmann.

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"Das schien insgesamt gut zu funktionieren." Auch beim Einlass und nach dem Konzert: Es seien keine großen Menschenmengen entstanden, hat Kressmann beobachtet. Das Konzept mit Namen "Arena Now" habe eine behördliche Genehmigung. Es stamme von zwei Kölner Veranstaltern.

Während des Konzerts sei es auch erlaubt gewesen zu tanzen. "Mitsingen" ist laut "Arena Now"-Regelliste strikt verboten. Doch zumindest beim Konzert am gestrigen Sonntag habe der Großteil der Fans mitgesungen, berichtet Kressmann. Allerdings kein Vergleich zur Geräuschkulisse unter normalen Umständen. Die Besucherinnen, die er befragt habe, hätten das Konzert gelungen gefunden und sich an das spezielle Setting recht schnell gewöhnt.

Für kleine Clubs eher nicht geeignet

Ende Juni soll es mit weiteren Konzerten in der Lanxess-Arena weitergehen. Die bisherigen Kosten liegen allerdings über 200.000 Euro. Und wirklich rechnen soll sich das für alle Beteiligten nicht.

"Es funktioniert im Prinzip nur, wenn wirklich jeder auf einen großen Teil verzichtet", bestätigt Tim Voigt von der Agentur "achtung! Alive", die das Eventkonzept mit unterstützt hat. Bei der Lanxess-Arena gehe es jetzt erst einmal primär darum, wieder Veranstaltungen reinzubringen. Es sei so, "dass keine der Parteien einen wirklichen Gewinn erwirtschaften kann im Moment". Trotzdem plant die Lanxess-Arena, die Kapazität zu erhöhen – im nächsten Schritt auf rund 2700 Personen.

Es hätten auch schon andere Veranstaltungshallen Interesse angemeldet an dem Konzept, hieß es vom Veranstalter. Prinzipiell sei es auch auf andere Orte übertragbar.

Für kleine Clubs sei das Konzept allerdings eher nicht geeignet, hat Philipp Kressmann erfahren. Auch dort rechne es sich nicht, zumindest laut dreier Kölner Clubs – dem Luxor, der Kantine und dem Club Bahnhof Ehrenfeld.

(abr)

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