Wehrdienstverweigerer

Wenn Soldaten nicht in den Krieg ziehen wollen

09:31 Minuten
Ein Reservist in Ausbildung tritt während eines Ausbildungsmoduls des Projektes "Ungediente für die Reserve" des Landeskommandos Hessen auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg vor. In dem Projekt werden Bürger und Bürgerinnen ohne Truppenerfahrung in mehreren Modulen für die Reserve der Bundeswehr ausgebildet.
In dem Projekt "Ungediente für die Reserve" des Landeskommandos Hessen werden Bürger und Bürgerinnen ohne Truppenerfahrung in mehreren Modulen für die Reserve der Bundeswehr ausgebildet. © picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow
Eva Högl im Gespräch mit Stephan Karkowsky  · 20.09.2022
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Seit Kriegsbeginn in der Ukraine sinken die Bewerberzahlen bei der Bundeswehr. Zugleich stellen immer mehr Soldaten einen Antrag auf Wehrdienstverweigerung. Eva Högl, Wehrbeauftragte des Bundestages, sieht ein Teil der Verantwortung bei der Bundeswehr.
657 Anträge auf Wehrdienstverweigerung hat die Bundeswehr in diesem Jahr verzeichnet. Das sind schon jetzt, im September, drei Mal so viele wie 2021.
Die Ursache für den Anstieg ist für Eva Högl (SPD) klar: "Das hat natürlich mit dem Krieg, mit dem 24. Februar zu tun", sagt die Wehrbeauftragte des Bundestages. Sie höre "in die Truppe herein", so Högl. Ihre Beobachtung: Die Soldaten wissen ganz genau, „dass es jetzt unter Umständen ernst werden kann, dass es unter Umständen schnell gehen muss und dass sie immer einsatzbereit sein müssen.“ Die gestiegene Zahl der Anträge verwundere sie nicht.

Karrierecenter sollen besser beraten

Laut Högl werden die Anträge geprüft, "und dann haben die Menschen auch die Chance, die Bundeswehr wieder zu verlassen". Wehrdienst zu verweigern und in der Bundeswehr zu bleiben, sei aber nicht möglich.
Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), in der Bundespressekonferenz.
Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD). © Christophe Gateau/dpa
Eine Mitverantwortung für die vergleichsweise vielen Anträge sieht die Wehrbeauftragte bei der Bundeswehr selbst. Diese habe in den letzten Jahren nicht ausreichend deutlich gemacht, dass der Soldatenberuf "kein normaler Job ist".
So würden die Werbekampagnen der Bundeswehr häufig suggerieren, "dass es Spaß macht, dass man dort Ausbildungen machen kann". Dass es wirklich ernst werden kann, sei manchen Soldaten – aber auch der Gesellschaft insgesamt – erst am 24. Februar deutlich geworden.
Högl sagt, sie erwarte nun von der Personalberatung und den Karrierecentern, dass sie den Fokus stärker auf dieses Thema legen und die jungen Leute gut zu beraten.

"Die alte Wehrpflicht bekommen wir nicht zurück"

Das Personal ist laut der Wehrbeauftragte "das zentrale Thema der Bundeswehr", zumal die Truppe deutlich wachsen soll – von derzeit 183.000 auf 203.000 Soldaten im Jahr 2031.
Eine Wiedereinführung der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht komme für Högl dennoch nicht infrage. "Die alte Wehrpflicht will, glaube ich, niemand zurück, und die bekommen wir auch nicht zurück."
Die SPD-Politikerin kann sich allerdings eine stärkere Verpflichtung der Bürger vorstellen, wie sie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Sommer ins Gespräch gebracht hatte. Steinmeier hatte eine soziale Pflichtzeit für junge Menschen angeregt, die bei der Bundeswehr oder sozialen Einrichtungen absolviert werden könnte.
(tmk)

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