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Fazit | Beitrag vom 15.07.2020

"Waves" von Trey Edward ShultsTiefer Einblick in die Gefühlswelten einer schwarzen Familie

Von Anke Leweke

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Zu sehen ist ein Szenenbild des Films "Waves": Ein Schwarzer Jugendlicher mit blondierten Haaren wird von seinem Vater angesprochen. (imago images / Prod.DB)
Verinnerlichter Druck: Tyler (Kelvin Harrison, l.) kann die Erwartungen seines Vaters (Sterling K. Brown, r.) nur schwer erfüllen. (imago images / Prod.DB)

Trey Edward Shults erzählt mit seinem Film "Waves" die Geschichte einer schwarzen Mittelstandsfamilie. Der Alltag von Sohn und Tochter ist geprägt von Diskriminierung, Rassismus und Druck: Jede Störung stellt die Zukunft infrage.

Worum geht es?

Als "Waves" von Trey Edward Shults vergangenen Herbst in den USA im Kino lief, kam es immer wieder zu Vergleichen mit "Moonlight". Und tatsächlich: wie der mit dem Oscar ausgezeichnete Film von Barry Jenkins spielt auch "Waves" in Südflorida und erzählt die Geschichte einer schwarzen Familie. Allerdings kommt Shults’ Protagonist aus der wohlhabenden Mittelschicht. Der Vater ist Bauingenieur, die Mutter Therapeutin - man wohnt in einem großen Haus mit Klavier und Kunst an den Wänden.

Optimistisch blickt Tyler in die Zukunft, als Wrestlingstar seiner Highschool scheint ihm ein Stipendium an der Universität sicher. Doch eine Schulterverletzung hält ihn vom Training ab. Zudem verkündet seine Freundin, dass sie schwanger ist. Die scheinbar gesicherte Existenz von Tyler fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Nach einem Bruch in der Erzählung gehört die zweite Hälfte des Films Tylers Schwester Emily.

Was ist das Besondere?

Trey Edward Shults erzählt nicht die Geschichte seiner Figuren. Vielmehr versucht er, in ihre Stimmungen und Emotionen einzutauchen. Dafür bedient sich der Regisseur, der zuvor Musikvideos drehte, unterschiedlichster Musikrichtungen. Zu Beginn, wenn Tyler mit seiner Freundin zu einer Party fährt, hört man aus dem Wageninneren laute Hip-Hop-Musik. Beim Wrestling ertönt wiederum ein aggressiver Sound, der den Drill des Trainings verstärkt.

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Auch wenn der Film später die Perspektive von Emily, Tylers jüngerer Schwester, einnehmen wird, gehen Bild, Sound und die Innenwelten der Figuren eine Symbiose ein. Immer wieder werden die Handlungsstränge von Schwarzblenden unterbrochen, so dass Situationen mit voller Wucht nachhallen können.

Fazit:

"Waves" porträtiert eine schwarze Familie, die nach einem erschütternden Ereignis auseinander zu brechen droht. Der Film nimmt dabei konsequent die Innenperspektive der beiden Geschwister ein. Durch alltägliche Situationen wird von Diskriminierung und Rassismus erzählt, die verdrängt werden, aber permanent präsent sind. Der Druck, den sein Vater auf ihn ausübt, hat Tyler verinnerlicht: "Als Schwarzer darf man nicht durchschnittlich sein, das ist Luxus."

"Waves" von Trey Edward Shults
USA 2019, 135 Minuten
Regie: Trey Edward Shults
Mit : Kelvin Harrison, Taylor Russell, Sterling K. Brown, Lucas Hedges

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