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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.05.2016

Vortragsreihe in Aachen Geduldig argumentieren gegen Populisten

Der Essener Politikwissenschaftler Claus Leggewie am 25. Februar 2015 (dpa / picture alliance / Marcel Kusch)
Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie fordert eine aktive Auseinandersetzung mit dem wachsenden Populismus (dpa / picture alliance / Marcel Kusch)

Der Politologe Claus Leggewie will die AfD mit guten Argumenten ins Reich der Fabel zurückweisen. Er plädierte dafür, die Beweggründe der Populisten zwar besser zu verstehen, aber keineswegs Verständnis zu zeigen.

Der Politologe Claus Leggewie ist optimistisch, dass es gelingen wird, die Populisten wieder zurückzudrängen. "Es ist auch in den 1990er-Jahren gelungen, einen Franz Schönhuber in die Schranken zu weisen", sagte Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, im Deutschlandradio Kultur.

"Ich bin ganz sicher, dass es auch jetzt wieder gelingen wird, die seltsamen Idiotien der AfD nochmal ins Reich der Fabel zurückzuweisen und diesen Schwung, den sie im Moment haben, ihnen zu nehmen."  

Es bleibe der politischen Kultur in der Bundesrepublik nichts anderes übrig, als geduldig und beharrlich zu argumentieren. Dabei sei es wichtig, die Widersprüche des populistischen Lagers dauernd vorzuführen. Man müsse die Ursachen und Beweggründe der Populisten verstehen, dürfe aber keineswegs Verständnis zeigen.

Gefahr des autoritären Nationalismus

"Ich glaube, dass wir im politischen System erklären müssen, wenn wir über politischen Wandel sprechen, dass wir eine Veränderung der repräsentativen Demokratie haben, das Vertrauen in die gewählten Eliten, in die Berufspolitiker ist über Jahrzehnte hinweg gesunken", sagte Leggewie. Hinzu komme ein Souveränitäts- und Steuerungsverlust der Nationalstaaten unter dem Druck der wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung.

"Dann kommt noch ein Aufregerthema hinzu, die Flüchtlinge", sagte er. Diese drei Phänomene  hätten die politischen Eliten niemals vernünftig erklärt, sondern der Bevölkerung immer nur als angebliche Sachzwänge vorgestellt. Das beunruhige nun einen großen Teil der Wahlbevölkerung. "Sie teilen zunächst einmal Denkzettel aus", sagte der Politologe.

Allerdings werde aus dem Populismus inzwischen ein völkischer, autoritärer Nationalismus.

"Das ist noch viel gefährlicher als die Wut auf die da Oben, denn hier kommt tatsächlich eine harte, rechte  Weltanschauung aus der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts zurück, die damals in den Faschismus mündete."   

Vorlesungsreihe

An der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen hielt Leggewie den Eröffnungsvortrag "Populisten verstehen?!" in einer Vorlesungsreihe, die von der Initiative "Europäische Horizonte" organisiert wird und bis zum 9. Juni weiter geht.

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