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Lesart / Archiv | Beitrag vom 10.08.2017

Vor der Frankfurter BuchmesseUnsere Hitliste der französischen Romane 2017

Von Barbara Wahlster und Dirk Fuhrig

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Teil unserer Hitliste französischer Bücher 2017: "Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour, "Die Chefin" von Marie NDiaye, "Das Leben des Vernon Subutex" von Virginie Despentes (Aufbau Verlag, Suhrkamp, Kiepenheuter und Witsch)
Teil unserer Hitliste französischer Bücher 2017: "Die Großmächtigen" von Hédi Kaddour, "Die Chefin" von Marie NDiaye, "Das Leben des Vernon Subutex" von Virginie Despentes (Aufbau Verlag, Suhrkamp, Kiepenheuter und Witsch)

Im Herbst geht es richtig los mit der französischen Literatur in Deutschland, denn dann ist das Land "Ehrengast" der Frankfurter Buchmesse. Vorher aber ist Sommer und damit Zeit, schon mal nachzusehen, was da kommt.

Frankreichs Literatur steht in diesem Jahr beosnders im Fokus. Unter dem Motto "Francfort en français" kommt Frankreich im Oktober als "Ehrengast" auf die Buchmesse. Viele Verlage in Deutschland nutzen diese Gelegenheit und bringen besonders viele Übersetzungen heraus. Neben Büchern von Star-Autoren wie Yasmina Reza oder Michel Houellebecq kommen auch Werke von bei uns bislang weniger bekannten Schriftstellerinnen und Schriftstellern in die Buchläden.

Beziehungs-Romane, Geschichten aus der Kolonialzeit, Romane, in denen die Rassimus-Frage gestellt wird - nicht nur aus Frankreich, sondern auch aus dem französischsprachigen Nordafrika. aus Kanada, Belgien, der Schweiz und anderen Weltregionen, in denen auf Französisch geschrieben wird.

Bücher-Liste:

Virginie Despentes, Das Leben des Vernon Subutex, aus dem Französischen von Claudia Steinitz, KIWI, Köln 2017,  399 Seiten, 22 Euro
"Schneller, pointierter Großstadtroman. Der Schallplatten-Verkäufer Vernon Subutex verliert wegen Digitalisierung,  wirtschaftlichen Niedergangs und steigender Mieten seine Existenz. Der Abstieg in die Gosse und zum wenig romantischen Leben eines Clochards  ist rasant. Virginie Despentes, die mit "Baise-moi! Fick mich!" Anfang der 90er-Jahre ein radikales, neo-feministisches Schreiben in die französische Literatur gebracht hatte, zeigt anhand der Figur Vernon Subtutex die Verwüstungen, die die ökonomische Krise in Teilen von Frankreichs Gesellschaft angerichtet hat. Ein packendes Buch am Puls der Zeit. In Frankreich ist soeben der dritte Teil des Fortsetzungsromans erschienen - und gleich ein Besteller geworden" (DF)

Gaël Faye, Kleines Land , aus dem Französischen von Andrea Alvermann und Brigitte Große, Piper, München 2017, 224 Seiten, 20 Euro (Erscheinungsdatum: 02.10.)
"Der Sohn eines französischen Vaters und einer Mutter aus Ruanda beleuchtet den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi im Heimatland seiner Mutter. Der Völkermord an den Tutsi Mitte der 90er Jahre - inzwischen fast vergessen - wird von ihm in diesem teils autobiografischen Buch in sehr eindringlicher Weise wieder ins Bewusstsein gerufen. Der 1982 in Burundi geborene Musiker und Schriftsteller hatte es mit seinem ersten Roman gleich in die Endauswahl des letztjährigen Goncourt-Presies geschafft. Ein überragendes Debüt, voll sprachlicher Kraft!" (DF)

Michel Houellebecq, In Schopenhauers Gegenwart, Dumont, Köln 2017, 80 Seiten, 18 Euro
"Ein kurzer Text Michel Houellbecqs über den deutschen Philsophen, der ihn seit seiner Jugend beeinflusst hat. Houellebecq und Schopenhauer haben nicht nur den Hang zu schlechter Laune gemeinsam, sondern auch eine leidenschaftliche Liebe zum Hund. Ein Muss für jeden, der die philosophische Grundierung des Ausnahme-Schriftstellers kennenlernen will."

Dany Laferrière, Die Kunst einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden, aus dem Französischen von Beate Thill, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2017, 136 Seiten, 19,80 Euro.
"Der aus Haiti stammende und in Kanada lebende Autor zieht in diesem bis zur Schmerzgrenze politisch unkorrekten Buch alle Register: Blonde, weiße Studentin aus gutbürgerlichem Haus verliebt sich in die pralle Körperlichkeit und raue Coolness des schwarzen Underdogs. Kaum ein Klischee im Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen ist ihm zu naheliegend oder abgedroschen, als dass er es in diesem in Montréal spielenden Roman nicht lustvoll ausbreiten würde. Rassismus wird hier nicht sanktioniert, sondern ironisiert und vom Protagonisten instrumentalisiert. Schnell und pointiert geschrieben, erfrischend unkorrrekt, teilweise aber etwas vordergründig." 

Marie NDiaye, Die Chefin. Roman einer Köchin, aus dem Französischen von Claudia Kallscheuer, Suhrkamp, Berlin 2017, 333 Seiten, 22 Euro
"Eindringliches Porträt einer Frau aus einfachsten Verhältnissen, die es in den Sterne-Himmel der Kochkunst schafft. Aufsteiger-Geschichte und Gesellschaftsanalyse. Kunstvoll komponiert, brillant geschrieben - einer der stärksten und mitreißendsten Romane aus Frankreich in dieser Saison!"  

Hédi Kaddour, Die Großmächtigen, aus dem Französischen von Grete Osterwald, Aufbau Verlag, Berlin 2017, 477 Seiten, 24 Euro
"Die französische Kolonialgesellschaft der 20er Jahre. Kaddour legt die Überlegenheitsgefühle und den Rassismus der "Großmächtigen" offen, die von einem Groß-Frankreich träumen, das sich auf beiden Seiten des Mittelmeers erstreckt, sich also halb Nordafrika einverleibt. Aber er zeigt auch die Zerrissentheit der arabischen Bevölkerung zwischen Tradition und den Freiheitsversprechen durch Bildung im europäischen Geist. Überraschend, gerade für deutsche Leser: Kaddour führt seine Protagonisten aus dem Maghreb ins Rheinland, das zur Sicherung der Kriegsreparationen von Frankreich besetzt ist. Bei den französischen Besatzern entlarvt er eine ähnliche Attitrüde der Überlegenheit wie bei den Kolonisatoren. Wichtiges Werk zum Verhältnis zwischen Europa und Nordafrika. "

Yasmina Reza, Babylon, aus dem Französischen von Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel, Hanser,  München 2017, 224 Seiten, 22 Euro
"Die Spezialistin für Paarbeziehungen hat ein neues Werk über die Hölle des Ehelebens geschrieben. Die Versuchsanordung ist ähnlich wie in vielen ihrer vorangegangene Romane und Theaterstücke. Das ist wenig überraschend und nur in Maßen originell.  Reza, die zu den erfolgreichsten französischen Autorinnen zählt, setzt ganz auf ihre eingängige, elegante Sprache und auf ihr erprobtes Erfolgsrezept: Eheprobleme gehen immer." 

Außerdem: 

Leïla Slimani, Dann schlaf auch Du, Luchterhand, München 2017, 29 Euro (Erscheinungsdatum: 21.08.)

Alain Mabanckou, Die Lichter von Pointe-Noire, aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller, Liebeskind, München 2017, 272 Seiten, 22 Euro.

Sophie Divry, Als der Teufel aus dem Badezimmer kam, aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky, Ullstein, Berlin, 272 Seiten, 21 Euro (Erscheinungsdatum: 21.09.)

Christophe Boltanski, Das Versteck, aus dem Französischen von Tobias Scheffel, Hanser, München 2017, 320 Seiten, 23 Euro

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