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Tonart | Beitrag vom 02.05.2017

Von Pop bis PhilharmonikerErsetzt Video-Streaming den Konzertbesuch?

Von Martin Risel

Die britische Band Depeche Mode um Sänger Dave Gahan (l) tritt am 17.03.2017 im Funkhaus Nalepastraße in Berlin im Rahmen der "Telekom Street Gigs" auf. Anlass war die taggleiche Veröffentlichung ihres neuen Albums "Spirit". (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Die britische Band Depeche Mode um Sänger Dave Gahan (l) im Funkhaus Nalepastraße: Das Berliner Konzert wurde live im Netz übertragen. (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Für alle, die keine Tickets hatten: Gorillaz, Depeche Mode und die Beginner boten bei ihren jüngsten Touren Live-Streams auf Facebook. Aber auch in der Klassik macht der Video-Stream Schule – wie das Beispiel der Berliner Philharmoniker zeigt.

Die Gorillaz haben gerade ihr neues Album mit großem Multimedia-Spektakel vorgestellt. Übers Netz weltweit gestreamt – genau wie vor kurzem Depeche Mode: Ein exklusives Berlin-Konzert konnten die Fans per Stream rund um den Globus mitverfolgen. Solche viralen Kampagnen liegen im Trend, wenn es um Aufmerksamkeits-Ökonomie und Fanbindung geht.

Klar, das Live-Geschäft boomt seit Jahren. Eigentlich aber, weil die Leute wieder Sehnsucht nach dem echten Erlebnis hatten statt der anonymen massenhaften Musikdateien auf digitalen Devices.

YouTube und Facebook als weltweite Kanäle

Fernsehübertragungen wie Rockpalast und das Silvesterkonzert der Philharmoniker sind sowas wie die Mutter aller Konzert-Streams. Arte und viele ARD-Rundfunkorchester halten Angebote bereit. YouTube und Facebook sind die weltweiten Kanäle. Kommerziell betreiben Seiten wie Maxdome und Concert Vault das Geschäft mit Livestreams oder Videos-on-Demand. Passend zur Musik ist die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker das High-End-Produkt.

Seit 2008 vermarktet die Berlin Phil Media GmbH erfolgreich Live-Übertragungen von Konzerten der Berliner Philharmoniker. Fast wichtiger noch als die Einnahmen durch Abos scheint der Marketing-Effekt.

Wichtig für die weltweiten Musik-Marken

Sind also feine Philharmonie-Besuche und verschwitzte Club-Konzerte für die Fans sowie das Leben "on the road" für die Musiker aussterbende Angelegenheiten? Soweit sind wir wohl noch nicht. Aber die Stars der Musikszene – Philharmoniker oder Gorillaz – können sich als weltweite Marke weiter etablieren und in exklusiven Events Ruhm und Reichtum mehren. So wie das Berliner Spitzenorchester: per Stream am Samstag aus der Berliner Philharmonie, und am Montag erst live aus Zypern.

"Streaming kannibalisiert die Konzertkultur nicht" - Robert Zimmermann ist einer der beiden Geschäftsführer der Berlin Phil Media GmbH und mitverantwortlich für die Verbreitung der Berliner Philharmoniker im Internet. Dorthin wandern nicht nur die Pop-Konzerte ab - auch für die Klassik wurde das Potenzial des Streamings erkannt. Wird es irgendwann das traditionelle Musikkonzert ablösen? Unter anderem darüber hat Carsten Rochow mit Robert Zimmermann in der "Tonart" gesprochen.


Robert Zimmermann von der Berlin Phil Media GmbH im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)Robert Zimmermann von der Berlin Phil Media GmbH im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

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