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Lesart / Archiv | Beitrag vom 12.11.2014

Von der Enzyklopädie bis Wikipedia"Wissen wird zwangsläufig trivial"

Peter Burke über die moderne Informationszufuhr

Moderation: Joachim Scholl

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Im polnischen Slubice wurde das Online-Lexikon Wikipedia sogar mit einem Denkmal geehrt.
Moderner Hort des Wissens: Im polnischen Slubice wurde das Online-Lexikon Wikipedia sogar mit einem Denkmal geehrt.

Der britische Medienhistoriker Peter Burke zählt zu den bedeutendsten Gelehrten unserer Zeit. Seit Jahrzehnten brilliert er mit seinen Büchern. Jetzt ist "Die Explosion des Wissens. Von der Encyclopédie bis Wikipedia" erschienen. Die Geschichte des Wissens sei noch lange nicht zuende erzählt, sagt Burke.

Der Medienhistoriker und Cambridge-Professor Peter Burke versteht es, den grundlegenden Umbruch unserer Wissens- und Informationsgesellschaft im Ganzen zu überblicken und im Detail zu erklären. Sein neues Buch "Die Explosion des Wissens. Von der Encyclopédie bis Wikipedia"  erzählt die Geschichte des Wissen vom 18. Jahrhundert bis heute.

Der deutsche Titel seines Buches (das englische Original klingt wesentlich nüchterner: "A Social History of Knowledge") gefalle ihm gut, sagte Burke, "weil das eine doppelte Bedeutung hat: Einerseits die rasante Ausbreitung, andererseits auch die Fragmentierung von Wissen. Und unsere Informationsgesellschaft ist letztlich eine, die immer fragmentierter wird."

Der kleinste gemeinsame Nenner

Immer mehr Menschen wünschten die schnelle Zufuhr von Wissen. Dadurch werde Wissen zwangsläufig "trivial" - gesucht werde bei der Wissensvermittlung "nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner". Burke glaubt jedoch nicht, dass die Menschheit, auch technisch gesehen, bereits am Ende der Geschichte des Wissens angelangt ist.

"Das wäre so, als würde jemand sagen, wir seien am Ende der Geschichte angelangt", sagte Burke. Was nachweislich ja nicht der Fall sei. Es werde immer neue Probleme geben, deren Lösung wiederum zu neuen Fragen führen werde, die beantwortet werden müssten. Die Vergangenheit habe zudem gezeigt, dass es ein ständiges Auf und Ab des Wissens gebe: "Die Menschen im frühen Mittelalter wussten zum Beispiel viel weniger als die Menschen in der späten Antike." Jede Epoche habe ihre eigene Form des Wissens und der Wissensvermittlung.

Glänzender Autor

Peter Burke gilt nicht nur als einer der hochrangigsten Denker, sondern ist auch ein glänzender Autor - was sein aktuelles Buch unter Beweis stellt. Buchkritiker urteilen: Seine Geschichte des Wissens ist ein fundamentaler und hervorragend lesbarer Beitrag zu den entscheidenden Fragen der Gegenwart und Zukunft.

 

Peter Burke:
Die Explosion des Wissens
Von der Encyclopédie bis Wikipedia
Aus dem Englischen von Matthias Wolf unter Mitarbeit von Sebastian Wohlfeil
392 Seiten, 29,90 Euro

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Peter Burke über: Augenzeugenschaft. Bilder als historische Quellen
(Deutschlandfunk, Politische Literatur (Archiv), 18.08.2003)

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