Von Andy Warhol bis Rainald Goetz

Im Netz: Tagebücher des öffentlichen Lebens

"Selbstporträt (1986)" von Andy Warhol. © picture alliance / dpa / Sven Hoppe
Von Ursula März · 25.10.2015
Künstlertagebücher kreisen vor allem um innere Vorgänge. Diese sind Begleiterscheinungen der Kreativität, meist ihre Schattenseite, all das, was nicht ins Werk gelangt, aber seine Entstehung begleitet: körperliche und seelische Zustände, Träume, Eitelkeiten usw.
Die äußere Welt kommt seltener in Betracht. Das ist in den Aufzeichnungen der Brüder Goncourt anders, auch in denen von Andy Warhol und Rainald Goetz, der am nächsten Wochenende den Büchner-Preis erhält. Sie alle liefern sich an das öffentliche Leben aus und verheimlichen nicht, dass sie beobachten und das Wahrgenommene festhalten: Die Goncourts schreiben in den Pariser Salons auf ihre Manschetten, Warhol plaudert am Telefon mit Pat Hackett, Goetz macht sich ständig Notizen und fotografiert Leute. Die Mitschriften des (halb-) öffentlichen Lebens streben Vollständigkeit an, sie entstehen öffentlich und für die Öffentlichkeit. In den Aufzeichnungen tritt die Öffentlichkeit als eine Dimension künstlerischer Produktion hervor.