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Fazit | Beitrag vom 21.10.2019

Vincent van Gogh Ausstellung in FrankfurtBerauscht von leuchtenden Farben

Felix Krämer im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Das Bild "Bauernhaus in der Provence" von can Gogh: Grüne Wiesen, im Hintergrund sieht man ein Bauernhaus, Ölgemälde. (Städel Museum/National Gallery of Art, Washington, Ailsa Mellon Bruce Collection)
"Bauernhaus in der Provence", 1888: van Goghs Bilder waren so bunt, dass damalige Kritker sie als "zu grell" empfanden. (Städel Museum/National Gallery of Art, Washington, Ailsa Mellon Bruce Collection)

"Making van Gogh" ist eine der größten Ausstellungen über den Maler seit langem. Im Frankfurter Städel Museum werden Bild- und Farbwelten gefeiert und gezeigt, wie er zur Inspiration einer Künstlergeneration und zu einem Mythos wurde.

"Die Grundthese der Ausstellung ist, deutlich zu machen, dass die Kunstgeschichte, so wie wir sie in Deutschland kennen, ohne van Gogh nicht wirklich zu verstehen ist", sagt Kurator Felix Krämer über die Ausstellung "Making van Gogh". Rund 50 Bilder werden gezeigt und damit gibt die Ausstellung einen umfassenden Blick auf den Ausnahmekünstler, der zu Lebzeiten erfolglos blieb. 1890 gestorben, dauerte es bis 1901, als die erste van Gogh Ausstellung in Deutschland stattfand und den Maler bekannt machte, erklärt Krämer:

"Es ist faszinierend zu sehen, wie es nach dieser ersten Ausstellung in einer ganz hohen Taktung bis zum Ersten Weltkrieg zahlreiche van Gogh Ausstellungen gibt."

Eine Besucherin steht vor einem Selbstporträt von Vincent van Gogh in der Frankfurter Ausstellung. (Städel Museum/Norbert Miguletz)Zu Lebzeiten nicht erfolgreich, heute ein Mythos: Ein Selbstporträt des Künstlers van Gogh in der Frankfurter Ausstellung. (Städel Museum/Norbert Miguletz)
Vincent van Gogh ist bekannt für seine bunt-leuchtenden Bilder, die vor allem die Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beeindruckten. Man müsse sich den historischen Kontext des Kaiserreichs vor Augen führen, sagt der Kurator:

"Kunsthistorisch herrschen in der Zeit in Deutschland vor allem Braun- und Grüntöne, das ist alles ein bisschen gedämpft. Und dann kommen plötzlich, wie aus dem Nichts, diese strahlenden Bilder auf den Markt. Diese wahnsinnige, kraftvolle Farbigkeit. Von vielen Kritikern damals wird diese Farbigkeit als so intensiv wahrgenommen, dass sie sagen, sie müssten die Augen schließen, die Bilder seien so grell."

Einfluss von van Gogh auf andere Künstler

Von diesen farbprächtigen Bildern ließen sich auch die Brücke-Künstler mitreißen und so zeigt die Ausstellung auch Bilder von Dix, Beckmann, Pechstein oder Nolde. Der Besucher bekommt so eine Ahnung davon, wie eindrücklich van Goghs Werk auf sie alle gewirkt haben muss: "Es ist faszinierend zu sehen, dass eigentlich kaum ein Künstler sich dem van Gogh-Hype entziehen konnte", sagt Krämer.

So ist die Ausstellung in drei Bereiche unterteilt: Mythos, Wirkung und Malweise. Sie stellt van Gogh vor, widmet sich der Rezeption und zeigt dann, wie er eine ganze Künstlergeneration inspirierte.

Das Gemälde "Widen bei Sonnenuntergang" von Vincent van Gogh. (Städel Museum/Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande)"Weiden bei Sonnenuntergang", 1888: Die Bilder von van Gogh haben nach seinem Tod eine ganze Künstlergeneration geprägt. (Städel Museum/Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande)

Doch nicht nur die Malerei von Vincent van Gogh sei faszinierend, sondern auch sein Mythos, den vor allem der Kunsthistoriker Julius Meier-Gräfe geprägt habe, sagt Krämer.

Mythos des verrückten Genies

Die Vorstellung des manischen, stets traurigen Künstlers, der sich sein Ohr abschnitt, kaum ein Bild verkaufte, schon mit 37 Jahren starb und seiner Zeit als Genie künstlerisch voraus war, hält sich bis heute.

Mittlerweile fast ein Klischee, sei Vincent van Gogh - kunsthistorisch betrachtet - die erste Person, die als "negativer Held" wahrgenommen wurde, erklärt Krämer. Und so kann man sich bis heute nicht nur von van Goghs Malerei, sondern auch von dessen Mythos mitreißen lassen.

(nho)

Making van Gogh – Geschichte einer deutschen Liebe
23. Oktober 2019 – 16. Februar 2020
Städel Museum, Frankfurt am Main

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