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Studio 9 | Beitrag vom 13.10.2020

Videoserie "Ehrenpflegas"Cool oder voll daneben?

Von Carolin Born

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In einem Klassenzimmer stehen die drei Hauptdarsteller der Miniserie "Ehrenpflegas" und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. (Bundesfamilienministerium / eventfotografen / Nils Hasenau)
Lisa, Lena und der dicke Boris: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey mit den Hauptdarstellern der Serie "Ehrenpflegas". (Bundesfamilienministerium / eventfotografen / Nils Hasenau)

"Krass". "Hallo Alter." "Wie bei Game of Thrones": Mit einer Videoserie im Stil von "Fack Ju Göthe" will Familienministerin Franziska Giffey junge Menschen für Pflegeberufe begeistern. Doch die Social-Media-Kampagne kommt nicht bei allen gut an.

"Wie war der erste Praxiseinsatz bei euch?"
"Ein Herr hat mir erzählt, wie er den Hungerwinter überlebt hat… Steckrüben… ich hab ihm von Game of Thrones erzählt."

Miray, "Potter" und Boris sitzen auf einer Tischtennisplatte, im Hof der Pflegeschule. Während Boris kräftig in sein Pausenbrot beißt, erzählt Miray von ihrem ersten Tag im Krankenhaus:

"Bei mir ist jemand gestorben."
"Krass."
"Ja. Auch ein bisschen wie bei 'Game of Thrones'."

"Ehrenpflegas" heißt die Miniserie. Sie erzählt aus dem Alltag der Auszubildenden: das erste eigene Auto oder die Gründung einer WG. Doch daneben informiert die Serie über die Ausbildungsvergütung, also über 1000 Euro ab dem ersten Monat, oder über die neue Pflegeausbildung, in der erstmals alle Bereiche von der Kinderkrankenpflege über die Krankenpflege bis hin zur Altenpflege vermittelt werden.

Dass sich durch die Serie das Bild von Pflege ändert, hofft Familienministerin Franziska Giffey:

"Ich habe mal, als ich ganz am Anfang meiner Amtszeit war, hier in Berlin eine Pflegeschule besucht. Und da haben mir junge Leute gesagt: Sie würden sich wünschen, dass der Beruf einfach auch besser angesehen wird, dass damit nicht nur verbunden wird: Man muss alten Leute irgendwie bei der Toilette helfen. Ich sag das jetzt mal ganz diplomatisch: Es gibt noch andere Formulierungen dafür."

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"Tach, Herr Meschner."
"Hallo, Ulrike!"
"Ich bin Boris, Alter!"
"Hallo, Alter!"
"Boris, Alter, nicht Alter!"
"Ach ja, das Alter, das stimmt…".

Mit der Miniserie "Ehrenpflegas" will Giffey die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt abholen, sagt die Ministerin, und dort erreichen, wo sie sich Informationen holen: in den sozialen Netzwerken.

"Warum zieht man eine anspruchsvolle Profession so durch die Gosse", lautet ein Kommentar auf Instagram. Auf Facebook schreiben einige User, sie seien "schockiert" oder "enttäuscht". Andere wiederum meinen: "Das zeigt genau die Realität in den Schulen."

Keine klassische Ministeriumskommunikation

Gemeinsam mit dem Gesundheits- und dem Arbeitsministerium hat das Familienministerium die Ausbildungsoffensive Pflege gestartet. Das gemeinsame Ziel: Die Zahl der Pflege-Azubis in den nächsten fünf Jahren um zehn Prozent steigern. Die Kosten für die Produktion von "Ehrenpflegas" liegen bei etwa 700.000 Euro.

"Ehrenpflegas" ist keine klassische Ministeriumskommunikation, sondern bunt und recht witzig. Jede Folge ist ungefähr sechs Minuten lang. Produziert wurde die fünfteilige Serie von Constantin Entertainment.*

Die Serie gebe einen durchaus realistischen Einblick, findet ein junger Pfleger. David Feldmann-Lazic, der bei der Premiere dabei ist, erinnert sich noch an "seinen ersten Toten": Er weiß noch, in welchem Zimmer er lag. Damals in seinem freiwilligen sozialen Jahr:

"Das heißt, ich hatte keinen wirklichen Ansprechpartner in solchen Sachen. Ich bin Zusatz auf Station gewesen. habe dabei viel gesehen und gelernt. Deswegen kann ich mich daran noch gut erinnern. In der Ausbildung war es dann tatsächlich so, dass man durch die Lehrkräfte oder die Praxisanleiter auf den Stationen viel Unterstützung bekommen hat im Rahmen der psychologischen Betreuung."

Durch Zufall in der Pflege gelandet

Er selbst ist durch Zufall in der Pflege gelandet. Nach seinem Realschulabschluss wollte er eigentlich im OP arbeiten und Anästhesietechnischer Assistent werden. Weil er keinen Ausbildungsplatz bekam, hat er ein FSJ gemacht und sich dabei in die Krankenpflege verliebt, erzählt er. Mittlerweile arbeitet er als Pflegefachkraft an der Charité Berlin.

Auch Matthias Venz findet: Pflege kann der schönste Beruf der Welt sein. Venz hat früher als Krankenpfleger gearbeitet und koordiniert nun in der Verdi-Bundesverwaltung die Jugendarbeit im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen. Das Interesse bei den jungen Menschen für die Pflege sei da, sagt er: "Die Problematiken entstehen dann, wenn diese jungen Menschen auf die Realität treffen, die in den Betrieben auf sie wartet. Und dort die Ausbildung nicht so läuft, wie man sich das vorstellt."

Am Berliner "Delphi"-Kino hängt ein Werbeplakat der Videoserie "Ehrenpflegas." (Deutschlandradio / Carolin Born)700.000 Euro hat die Videoserie "Ehrenpflegas" gekostet. (Deutschlandradio / Carolin Born)
Zum Beispiel, wenn die Praxisanleitung durch qualifizierte Fachkräfte nicht gewährleistet werde, weil es zu wenig Personal gibt, kritisiert Venz. Dann würden die Auszubildenden als Ersatz für ausfallende Kollegen eingesetzt und könnten nichts lernen. Die Serie könne zwar für ein positives Bild der Pflege sorgen, so Venz weiter:

"Allerdings hilft uns dieses Bild ja nicht weiter, wenn am Ende die Realität eine andere ist. Wir brauchen eine Behebung der großen Probleme in der Pflege, bevor wir darüber reden, ob wir dieses oder jenes Video produzieren, um das Image zu verbessern. Ich glaube nicht, dass Auszubildende über drei Jahre und dann auch noch in ihrem gesamten Berufsleben mit einer Serie darüber hinweggetäuscht werden können, dass wir drängendere Probleme haben." 

Auch Krankenpfleger David Feldmann-Lazic kritisiert den Personalmangel in der Pflege. Er hofft, dass die Pflege durch die Serie mehr Aufmerksamkeit bekommt – denn, so sagt er: Sie hat es verdient.

*Wir haben an dieser Stelle und im Audio einen inhaltlichen Fehler korrigiert.

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