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Kompressor | Beitrag vom 24.07.2020

Videoplattform TikTokSpielwiese für junge Filmkünstler

Marcus Bösch im Gespräch mit Jana Münkel

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Die Tänzer von Drip Crib bereiten ihre Handykamera für den Videodreh bei TikTok vor. (laif/ Redux/ Michelle Groskopf)
Mit Tanzvideos hat die Plattform TikTok angefangen. Inzwischen probieren sich hier auch Kunst- und Filmstudierende aus. (laif/ Redux/ Michelle Groskopf)

Für die US-Regierung ist TikTok einfach ein aus China gesteuerter Videokanal, den man am besten kaltstellen sollte. Für die anderen, meist junge User, eine Plattform, auf der sie sich ausprobieren können - und das oft künstlerisch sehr ambitioniert.

TikTok ist die unangefochtene Nummer eins. Keine App wird häufiger in den AppStores heruntergeladen als die chinesische Videoapp. Trotz möglichem Verbot in den USA und derzeitigem Bann in Indien erfreut sich TikTok globaler Beliebtheit. Vor allem bei der Zielgruppe unter 24.

Neben zahlreichen Influencern, die mit Tanz- und Gesangsvideos Millionen von Followern versammeln, entwickelt sich derzeit aber auch eine andere Usergruppe: Jenseits von Lipsync, Tanzvideos und Mainstream probieren sich Kunststudierende und Filmemacherinnen und Filmemacher bei TikTok mit teils einfallsreichen und originellen Ideen aus.

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Für den Journalisten und Dozenten Marcus Bösch hat sich die Plattform zu einer niedrigschwelligen Learning-by-doing-Filmhochschule gemausert: Junge Filmschaffende würden hier Storytelling und audiovisuelles Erzählen neu definieren und so auch neue Genres und Subgenres schaffen.

Dabei werde beispielsweise mit konsumkritischen Filmen durchaus ein intellektuelles Publikum angesprochen – was Userkommentare wie "Okay – Schopenhauer" vermuten ließen. Eine andere junge Künstlerin habe sich bei ihrem kleinen filmischen Essay vom Stil des Regisseurs Wes Anderson inspirieren lassen.

Junge Filmschaffende lernen von Film zu Film

Ein User namens Drive45Music wiederum habe innerhalb eines halben Jahres "rund 157 Videos angefertigt. Da ist eine riesige Lernkurve dabei: Die letzten davon sind künstlerisch sehr wertvoll", findet Bösch.

Ist denkbar, dass die Ästhetik der TikTok-Produktionen auch das Kino beeinflusst? "Ich fand dazu die Meldung schön, dass jetzt aktuelle Regisseurinnen und Regisseure ihre Kinder auffordern: 'Oh, mein Gott, zeig mir mal, was da auf TikTok passiert!' Denn daraus entwickeln sich sehr schnell neue Sehgewohnheiten und neue filmische Mittel."

Dies werde sicherlich auch bald bei Streamingdiensten ankommen. Auch Netflix nehme TikTok inzwischen als heranwachsende Konkurrenz wahr, sagt Marcus Bösch.

(mkn)

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