Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 23.10.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.05.2016

VG Wort-Urteil"Die Autoren sind das schwächste Glied der Kette"

Tanja Dückers im Gespräch mit Joachim Scholl

Podcast abonnieren
Tanja Dückers, Schriftstellerin (picture-alliance/ dpa-ZB / Karlheinz Schindler)
Die Schriftstellerin Tanja Dückers freut sich auf die nächste Ausschüttung der Verwertrungsgesellschaft WG Wort (picture-alliance/ dpa-ZB / Karlheinz Schindler)

Nach der Kritik der Verlage am jüngsten Urteil des Bundesgerichtshofs zur VG Wort nehmen nun auch Autoren Stellung. Die Schriftstellerin Tanja Dückers begrüßt das Urteil und erhofft sich mehr Geld für die Autoren.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem jüngsten Urteil die bisherige Praxis der Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) für rechtswidrig erklärt. Die Karlsruher Richter hatten entschieden, dass die WG Wort nicht berechtigt sei, einen pauschalen Betrag in Höhe von grundsätzlich der Hälfte ihrer Einnahmen an Verlage auszuzahlen. Die Vergütung stehe allein den Autoren als originäre Urheber zu. Seither hagelt es Kritik von Verlagen. In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" trat jetzt die Schriftstellerin Julia Franck für die Rechte der Autoren ein.

Wenig Geld für Autoren

"Ich habe mich sehr gefreut über den Beitrag meiner geschätzten Kollegin Julia Franck. Es ist doch recht seltsam, dass bisher das schwächste Glied der Kette, die Autoren, auf Geld zugunsten der Verlage  verzichten mussten", sagte die Autorin Tanja Dückers. Das jährliche Durchschnittseinkommen von Autoren liege etwa bei der Hälfte dessen, was Buchhändler oder Verleger verdienten. Schriftsteller verdienten an ihren Büchern ohnehin nur zehn Prozent aus den Verkäufen. Die meisten Einnahmen landeten bei Buchhandel und Verlag.

Schriftsteller ohne Lobby

Sie finde es seltsam, wenn der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, nur darüber spreche, dass es eine einzigartige Verlagslandschaft in Deutschland gebe, die jetzt gefährdet sei. "Es gibt eine ebenso schützenswerte, einzigartige Autorenlandschaft", sagte Dückers. In der Öffentlichkeit gebe es über das Einkommen von Schriftstellern falsche Vorstellungen. Selbst Bestseller-Autoren verdienten oft nicht viel und Schriftsteller hätten keine Lobby, sagte sie: "Für Autoren sind VG-Wort-Tantiemen schon eine Einkommensquelle." Wenn die VG Wort demnächst ihre Einnahmen an die Autoren ausschütte, könne vielleicht auch das eine oder andere Buch mehr geschrieben werden.       

Mehr zum Thema

BGH-Urteil zu VG Wort - Ein Schlag ins Kontor der Verlage
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 21.04.2016)

Verleger über BGH-Urteil zu VG Wort - Rentabilität kleiner Verlage gefährdet
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 21.04.2016)

Urteil zur VG Wort - Werden Bücher jetzt teurer?
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 13.11.2015)

Lesart

Hörspiel "Brüder"Idealisten sind die besten Tyrannen
Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung zeigt eine aufgebrachte Menschenmenge, die die abgeschlagenen Köpfe des ermordeten Gouverneurs der Bastille Delaumay und des Bürgermeisters Flesselles am 14.7.1789 durch die Straßen von Paris trägt. Dieser Tag markiert den Beginn der Französischen Revolution. (dpa / picture alliance )

Mit einem Cast von 200 Schauspielern hat der Regisseur Walter Adler den historischen Roman „Brüder“ von Hilary Mantel als Hörspiel adaptiert. Es erzählt die Geschichte dreier Brüder und zeigt die korrupte und blutige Seite der Revolution.Mehr

Jenny Erpenbeck: "Kein Roman"Das eigene Leben enträtseln
Cover von Jenny Erpenbecks Autobiographie "Kein Roman". Im Hintergrund ist ein Foto der Berliner Mauer zu sehen (vor 1989/Wilhelmstrasse). (Penguin Verlag / dpa picture-alliance )

Es braucht, schreibt Jenny Erpenbeck, "das ganze eigene Leben, um das eigene Leben zu enträtseln". In "Kein Roman" reflektiert sie ihre Ost-Berliner Kindheit, die Wende und verbindet Privates mit Öffentlichem. Unbedingt lesenswert, findet unsere Kritikerin.Mehr

China "Die Kommunistische Partei liebt das Internet"
Überwachungskamera auf dem Tiananmen Platz in der chinesichen Hauptstadt Peking (picture-alliance/ dpa)

China bezeichne sich selbst als "Diktatur des Volkes", sagt der langjährige Peking-Korrespondent Kai Strittmacher. In seinem neuen Buch analysiert er, wie die Kommunistische Partei die Digitalisierung nutzt, um den totalen Überwachungsstaat auszubauen.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur