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Kompressor | Beitrag vom 13.11.2020

Verleger Jo LendleWarum Dieter Nuhr Alice Hasters lesen sollte

Moderation: Gesa Ufer

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Dieter Nuhr spricht in ein Mikrofon, live im Kulturgarten mit seinem Programm 'Kein Scherz!' in der Bonner Rheinaue, am 4. August 2020. (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)
Dieter Nuhrs Äußerungen über die Autorin Alice Hasters brachten im in Social Media-Kanälen viel Ärger ein. (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)

Wenn man über ein Buch und dessen Autorin herzieht, sollte man es zumindest quergelesen haben. Kabarettist Dieter Nuhr hatte das offenbar nicht, bevor er sich in seiner Show über Alice Hasters und ihr Buch über Alltagsrassismus lustig machte.

Die Kölner Autorin Alice Hasters hat 2019 ein Buch über den alltäglichen Rassismus und ihre eigenen Erfahrungen damit geschrieben: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten", erschienen im Carl Hanser Verlag in München. In dem viel beachteten Werk beschreibt die Tochter einer US-Afroamerikanerin und eines Deutschen fein, wie der Rassismus in jedem von uns steckt, auch wenn wir es vielleicht nicht für möglich halten.

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Der TV-Kabarettist Dieter Nuhr hatte das Buch offenbar nicht gelesen und wusste auch nicht viel darüber, als er in seiner Sendung "Nuhr im Ersten" darüber herzog und gar behauptete, das Buch sei auch in der USA erschienen, dort ein Renner und habe mit seiner "Scheinintellektualität" mit dazu beitragen, dass es "jemanden wie Donald Trump überhaupt geben konnte".

Das brachte ihm spöttische Kommentare in Social Media-Kanälen ein. 

Nuhr bekommt ein Leseexemplar

Das ist sehr peinlich für Nuhr, wie Jo Lendle, Chef des Hanser Verlags bestätigt, denn: Das Buch sei überhaupt nicht in den USA erschienen. "Der Begriff der Scheinintellektualität fällt hier ein bisschen auf den Hervorbringer zurück", sagt der Verleger. Nuhrs Worte seien im Grunde ein Beleg für die Vorurteile, die Hasters in ihrem Buch beschreibt: Wegen des Buchtitels und wegen ihres Vornamens – der sich englisch, "Älice", ausspricht  - habe der Kabarettist sofort vermutet, die Autorin sei US-Amerikanerin.

Im Übrigen behaupte das Buch an keiner Stelle, alle Weißen seien Rassisten, wie Nuhr es suggeriere. Lendle hat Nuhr bereits via Facebook einen offenen Brief geschrieben. Ein "geschlossener Brief" werde folgen – und ein Exemplar des Hasters-Buches.

Alice Haasters: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten"
hanserblau, 2019, 208 Seiten, 17 Euro

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