Verkehrswende

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Lastenrad

    06:00 Minuten
    Eine Frau fährt mit einem Lastenrad durch Berlin.
    Für das Rad müsse insgesamt mehr Platz zulasten des Autoverkehrs geschaffen werden, fordert Arne Behrensen. © picture alliance / Annette Riedl
    Arne Behrensen im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 01.09.2021
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    Im Mittelpunkt der Messe Eurobike stehen die Lastenräder. Der Velo-Lobbyist Arne Behrensen bewirbt diese vehement, verschweigt dabei aber nicht ihre Nachteile. Grundsätzlich müsse es in den Städten mehr Platz für Fahrräder geben, fordert er.
    Nach einer coronabedingten Pause im vergangenen Jahr zeigt die Messe Eurobike in Friedrichshafen nun wieder die Neuheiten der Fahrradbranche. Angemeldet sind 630 Aussteller aus 42 Ländern.
    Eine besondere Rolle werden den Veranstaltern zufolge Lastenräder spielen. Der Markt boomt in Deutschland: Rund 103.000 Cargobikes wurden 2020 verkauft, gut drei Viertel davon mit Elektroantrieb, schätzt der Zweirad-Industrie-Verband. Das entspricht einem Wachstum von rund 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
    Durch den Vorschlag der Grünen, den Kauf von Lastenrädern mit jeweils rund tausend Euro zu bezuschussen, ist das Fortbewegungsmittel auch im Wahlkampf angekommen.
    Dass die Mehrheit der Deutschen diese Idee einer Umfrage zufolge ablehnt, kann Arne Behrensen, Geschäftsführer von "Cargobike.jetzt", nicht erschüttern. Wenn sich nur 15 Prozent ein Lastenrad kaufen würden, bringe das die Verkehrswende schon ein gutes Stück weiter, meint er.
    Auch dass die Lastenräder den Ruf haben, für Städte wie Berlin zu groß, zu umständlich und zu schwerfällig zu sein, lässt den Velo-Lobbyisten kalt. Die Radwege seien generell zu schmal für alle Radfahrer, stellt er fest. Für das Rad müsse insgesamt mehr Platz zulasten des Autoverkehrs geschaffen werden.
    Lastenrad des Paketdienstes Hermes mit drei Achsen und sechs Rädern.
    Zu groß für Berlin? Lastenrad des Paketdienstes Hermes mit drei Achsen und sechs Rädern.© picture alliance / sulupress / Marc Vorwerk
    Eine Herausforderung sei es allerdings, in Berlin ein teures E-Lastenrad sicher unterzustellen. Doch wo ein Wille sei, sei auch ein Weg, meint Behrensen.

    Der E-Antrieb ist zentral für den Boom

    Die größten Vorteile des Lastenrads sieht er im Transport von Kindern und Wochenendeinkäufen, außerdem fahre man am Stau vorbei und spare im Vergleich mit der Finanzierung eines Autos jede Menge Geld.
    Und natürlich sind Lastenräder ein ökologisches Fortbewegungsmittel. Rund die Hälfte der Nutzer von Mietlastenrädern würde den Transportweg sonst mit dem Auto zurücklegen, sagt der Fahrradclub ADFC.
    Doch dass die Recycling-Frage für die Akkus der E-Lastenräder noch nicht zufriedenstelltend gelöst ist, muss auch Behrensen einräumen: "Die Kreisläufe müssen besser werden."
    Gerade der E-Antrieb sei zentral für den derzeitigen Boom. Er selbst hat zwar schon zwei verschiedene Lastenräder ohne E-Antrieb über einen längeren Zeitraum gefahren. "In Berlin geht das", meint Behrensen. Allerdings nur, wenn man "sportlich ambitioniert ist".
    (ahe/dpa)
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