Bad Bunny

Super Bowl auf Spanisch

Der Musiker Bad Bunny formt singend auf der Bühne mit seinen Händen ein Herz.
Bad Bunny gilt in Puerto Rico als Hoffnungsträger einer jungen Generation. Beim Super Bowl hat er erneut ein Millionenpublikum erreicht © imago/ UPI Photo / David Tulis
Bad Bunny zählt zu den erfolgreichsten Latin-Rap-Stars weltweit. Er hat nun seinen bislang größten Auftritt absolviert: die Halbzeitshow des Super Bowl. Die Musik des Puerto Ricaners ist längst zum Soundtrack eines Kulturkampfes geworden.
Erst bei den Grammys abgeräumt, dann die Bühne der größten Halbzeitshow der Welt genutzt: Weltstar Bad Bunny aus Puerto Rico ist beim Super Bowl, dem Finale der US-Football-Liga NFL, aufgetreten. Es ist die wichtigste Einzelsportveranstaltung der USA mit mehr als 100 Millionen Zuschauen allein in den USA.
Die Entscheidung der NFL für Bad Bunny hatte zuvor in den USA eine Kontroverse ausgelöst. Der Musiker ist ein Kritiker von US-Präsident Donald Trump, singt ausschließlich auf Spanisch und versteht sich ausdrücklich als lateinamerikanischer – nicht als US-amerikanischer – Künstler. In seiner Heimat Puerto Rico gilt Bad Bunny als Hoffnungsträger einer jungen Generation, die sich auf ihre kulturellen Wurzeln besinnt und die Abhängigkeit von den USA zunehmend hinterfragt. 

Wer ist Bad Bunny?

Bad Bunny ist ein Megastar, der drei Jahre in Folge – von 2020 bis 2022 – der weltweit meistgehörte Künstler war und immer noch zu den Top zwölf der meistgehörten Künstler gehört. 
Geboren 1994 in Puerto Rico, entdeckt Benito Antonio Martinez Ocasio, so sein bürgerlicher Name, früh seine Leidenschaft für Musik: Als Kind singt er im Kirchenchor, hört mit seinem Vater Salsa, schreibt ab dem Jugendalter eigene Songs und verdankt seinen Künstlernamen Bad Bunny einem Kindheitsfoto im Hasenkostüm. 
In Deutschland ist der Sänger weniger bekannt, weil er auf Spanisch singt. Doch in Nord- und Südamerika und in den USA hat seine Musik aus Reggaeton, Latin Trap und Pop viele Fans. 20 Prozent der US-Bevölkerung sind Hispanoamerikaner.
Bad Bunny ist nicht nur Musiker. Er hat auch immer wieder Schauspieljobs in Comedyshows oder in Filmen. Er geht auf Fashion Shows, lackiert sich auch mal die Fingernägel und steht für Diversität und Weltoffenheit. 

Wie politisch war der Auftritt von Bad Bunny beim Super Bowl?

Die Halbzeitshow von Bad Bunny hatte einen deutlich politischen Unterton – wenn auch ohne direkte Aussagen. Auf der Stadionleinwand erschien der Satz: „Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe“. Außerdem waren Flaggen vieler Länder Amerikas sowie ein Football mit der Aufschrift „Gemeinsam sind wir Amerika“ zu sehen.
Auf der Bühne entstanden lebendige Alltagsszenen aus Puerto Rico: Haus- und Ladenfassaden, Straßenstände mit Essen, Händler und Zuckerrohrplantagen. Dutzende Tänzer und Akrobaten feierten mit ihrer Choreografie die Kultur, Geschichte und das Lebensgefühl der Karibikinsel.

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Bad Bunny sang zudem ein politisches Lied über Hawaii aus seinem aktuellen Album und thematisierte darin die koloniale Geschichte der USA. Prominente Untertützung bekam Bad Bunny auf der Bühne von Lady Gaga, die eine Salsa-Version ihres Hits "Die with a smile" präsentierte, außerdem kam der ebenfalls aus Puerto Rico stammende Popstar Ricky Martin auf die Bühne.
US-Präsident Donald Trump reagierte auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social verärgert und bezeichnete die Show als "Schlag ins Gesicht" für die USA.
Der Super Bowl ist das jährliche Finale der American-Football-Profiliga, und die größte Bühne, die die USA zu bieten haben. Hier treten nur Superstars auf, im vergangenen Jahr der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar, davor Rihanna. Seit Jay-Z - Rapper, Musikproduzent und Ehemann von Beyoncé – die Auswahl verantwortet, treten nicht mehr ausschließlich weiße Künstler auf der Bühne auf.  
Bad Bunny ging noch einen Schritt weiter: Er präsentierte sich bewusst als lateinamerikanischer - nicht als US-amerikanischer - Künstler: „Für mein Volk, meine Kultur, unsere Geschichte“. Er war der erste Künstler, der die ganze Show auf Spanisch performte. 

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Die Entscheidung für Bad Bunny wurde bereits im Vorfeld als politisches Statement im laufenden Kulturkampf um Kunst- und Meinungsfreiheit in den USA gewertet. Bad Bunny ist ein bekennender Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Er positioniert sich offen gegen ihn, hat im Wahlkampf die Demokraten unterstützt. 
Bei der jüngsten Grammy-Verleihung Anfang Februar gewann er drei Preise und nutzte seine Dankesrede für ein politisches Statement: „Noch bevor ich Gott danke, möchte ich sagen: ICE raus.” Eine Kritik an der US-Einwanderungspolitik und der Behörde ICE, die für Festnahmen und Abschiebungen von Migrantinnen und Migranten zuständig ist. 

Warum spielt Bad Bunny sonst keine Konzerte in den USA?

Für den Super Bowl hat Bad Bunny eine Ausnahme gemacht und ist in den USA aufgetreten.
Bad Bunny spielt aus Angst um seine Fans bei seiner aktuellen Welttournee ansonsten keine Konzerte in den USA, obwohl die Tour bis Juli 2026 läuft. Er befürchtet, dass seine Fans Opfer der Einwanderungsbehörde ICE werden könnten, die täglich rund 3000 Festnahmen illegaler Einwanderer anstrebt. Seine Sorge ist nicht unbegründet: Selbst bei den Konzerten in Puerto Rico kam es zu bis zu 500 Festnahmen durch ICE.

Wie beeinflusst Bad Bunny die Jugend Puerto Ricos?

Die Menschen auf der Insel leiden unter einer schlechten Regierung, ob bei der Verwaltung von Geldern oder im Bildungs- und Gesundheitswesen. Inflation, hohe Lebenshaltungskosten und fehlender Zugang zu bezahlbarem Wohnraum sind ebenso Probleme wie die begrenzten Arbeitsmöglichkeiten für junge Menschen. Viele sahen bislang keine Perspektive und verließen deshalb ihre Heimat.
Bad Bunny vermittelt jungen Menschen das Gefühl, wieder eine Stimme zu haben und sich eine Zukunft auf der Insel aufbauen zu können. Er wird als die kulturelle Speerspitze einer neuen, nach Unabhängigkeit strebenden Identität in Puerto Rico gesehen.
Viele Menschen in Puerto Rico sähen das Verhältnis zu den USA zunehmend kritisch, sagt die Musikbloggerin Natalie Merced. Bei der Gouverneurswahl Ende 2024 erreichte erstmals ein Kandidat der Unabhängigkeitsbewegung den zweiten Platz – Bad Bunny hatte diesen Kandidaten offen unterstützt. Ob die Unabhängigkeit von den USA für Puerto Rico tatsächlich die beste Option wäre, zieht der Historiker und Lateinamerika-Experten Oliver Gleich aber in Zweifel.
Auch für die lokale Wirtschaft setzt sich Bad Bunny ein: So fand seine Konzertreihe bewusst in der Nebensaison statt, um die dortige Wirtschaft zu unterstützen. Tickets für die ersten neun Konzerte, bei denen er sein neues Album „Debí tirar más fotos“ (auf Deutsch:Ich hätte mehr Fotos machen sollen“) vorstellt, waren ausschließlich auf lokalen Wochenmärkten zu bekommen – so konnten auch einheimische Fans dabei sein.

Welche politische Bedeutung hat Bad Bunny für Puerto Rico?

Auswanderung, Gentrifizierung, Verdrängung und der Widerstand dagegen – Bad Bunny singt nicht nur über Sex, Alkohol, Drogen und Partys, sondern auch über politische Themen. Auch auf seinem neuen Album „Debí tirar más fotos“ setzt er sich mit der politischen Realität seiner Heimat auseinander.
„Sie wollen uns den Strand nehmen und meine Omi verdrängen. Lasst die Fahne nicht los!“ heißt es in einem seiner Songs über die Verdrängung der Einheimischen. In dem Song „Turista“ geht es um die negativen Auswirkungen von Massentourismus auf die Insel.
Der starken Abwanderung steht ein erheblicher Zuzug wohlhabender US-Amerikaner gegenüber, die ganze Küstenabschnitte vereinnahmen. Immer mehr Luxusapartments entstehen, die Immobilienspekulation nimmt zu. Eine Gesetzesänderung - der Act 60 – begünstigt diese Entwicklung, indem sie Zugezogenen finanzielle Vorteile bietet, wenn sie nach Puerto Rico ziehen und dort investieren. In der Folge steigen auch die Lebenshaltungskosten.

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Auch über Stromausfälle und eine mangelhafte Infrastruktur hat Bad Bunny bereits gesungen. Seine Songs handeln aber nicht nur von Problemen, sondern feiern auch die eigene Kultur. Während seiner Konzerte auf der Insel trugen viele traditionelle Röcke oder typische Leinenhemden statt bequemer Tanzkleidung und Streetwear wie sonst bei Reggaeton üblich.
Bad Bunny singt außerdem bewusst ausschließlich im puerto-ricanischen Spanisch - in der Sprache seiner Generation. Die Sprachwissenschaftlerin Maia Sherwood aus Puerto Rico betont, dass er auch seinen Dialekt gezielt einsetzt.
Bad Bunny wirbt dafür, die eigene Kultur zu wertschätzen und sich von der Kultur der USA abzugrenzen, um eine Assimilierung zu vermeiden, sagt die Musik-Bloggerin Natalie Merced.
Auf dem aktuellen Album sind zudem Informationstafeln zur Geschichte der Insel enthalten - erstellt mit Unterstützung eines Historikers.
Auch zur US-Politik bezieht Bad Bunny Stellung: Im offiziellen Video zum Song „Nuevayol“ spielt er eine gefakte Radioansprache von US-Präsident Donald Trump ein, der sich bei Einwanderern entschuldigt und hinzufügt: „Dieses Land wäre nichts ohne Einwanderer - Mexikaner, Dominikaner, Puerto Ricaner, Kolumbianer, Venezolaner, Kubaner…“

Warum gehört Puerto Rico zu den USA?

Puerto Rico ist das größte Außengebiet der USA, und die dort lebenden Menschen sind US-Bürgerinnen und Bürger. Bei US-Präsidentschaftswahlen dürfen sie jedoch nicht mitwählen, solange sie in Puerto Rico leben. Auch im US-Kongress haben sie kaum Mitspracherecht, da sie dort nicht vertreten sind. Kurz gesagt: Sie sind US-Bürger zweiter Klasse.
Bei Volksbefragungen spricht sich eine Mehrheit regelmäßig dafür aus, der 51. US-Bundesstaat zu werden - doch Washington lehnt ebenso regelmäßig ab.
Die Kultur der Insel ist bis heute stark von den Spaniern geprägt: Vor der Übernahme durch die USA im Jahr 1898 war Puerto Rico jahrhundertelang eine spanische Kolonie.

tha/ema/og
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