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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.02.2020

"Untold Stories" in DüsseldorfEin ganz eigener Blick auf Peter Lindbergh

Susanne Luerweg im Gespräch mit Vladimir Balzer

Porträt von Peter Lindbergh. (Foto: Stefan Rappo)
Bis kurz vor seinem Tod arbeitete der Fotograf Peter Lindbergh an seiner letzten Ausstellung. (Foto: Stefan Rappo)

140 Fotos und ein Film bilden den Rahmen der Peter-Lindbergh-Ausstellung "Untold Stories" in Düsseldorf. Der Fotograf hat sie noch vor seinem Tod kuratiert. Zu sehen sind Porträts, Stillleben, Landschaften und vor allem Menschen, die ihm am Herz lagen.

Naomi Campell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, aber auch Helen Mirren und Charlotte Rampling: Der deutsche Fotograf Peter Lindbergh hatte sie alle vor der Kamera. Er gilt als Revolutionär der Modefotografie. Er war der erste, der fast ungeschminkte Models zeigte - auf jenem ikonischen Bild am Strand, auf dem fünf Models in weißen Hemden zu sehen sind, die später als erste Supermodels in die Geschichte eingingen und die jeder beim Namen kannte: Linda (Evangelista), Naomi (Campbell), Cindy (Crawford), Tatjana (Patitz) und Christy (Turlington).

Im letzten Jahr ist Lindbergh überraschend gestorben. Er wurde 74 Jahre alt. Im Düsseldorfer Kunstpalast ist nun eine Ausstellung mit Bildern von ihm zu sehen: "Untold Stories" lautet so der fast schon emblematische Titel. Er hat sie selbst kuratiert. Zwei Jahre hat Lindbergh daran gearbeitet, niemand rechnete damit, dass er die Eröffnung nicht mehr erleben würde.

Schwarzweißaufnahme: Vier Frauen an einem gedeckten Tisch im Freien. (Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris))Peter Lindbergh war "ein Mensch, der Frauen so zeigte, wie sie sind, natürliche Schönheit zelebrierte und eben ganz genau wusste, was er tat". (Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris))

Nun sind 140 Fotos und ein Film in Düsseldorf zu sehen, die einen anderen Lindbergh zeigen. Genauer gesagt blickt Lindbergh selbst auf sich zurück und bricht mit Vorstellungen über und Erwartungen an sein Werk, wie die Kunstkritikerin Susanne Luerweg berichtet. Dabei fehlen jene Bilder, die ihn berühmt gemacht haben, wie das erwähnte mit den Supermodels am Strand, mit denen er in den 80er Jahren die Bildsprache völlig verändert habe. "Die waren ihm wohl nicht so wichtig", sagt Luerweg.

Nicole Kidman ist überproportional vertreten

Aus Millionen Fotos durfte er nur 140 auswählen - so lautete die Vorgabe des Museums Kunstpalast. Zu sehen sind vor allem Schwarzweiß-Aufnahmen von Menschen und einige kommen dabei überproportional häufig vor: Nicole Kidman beispielsweise. Das waren Menschen, die ihn fasziniert und geprägt haben, erzählt Museumsdirektor Felix Krämer.

Peter Lindbergh, Uma Thurman, New York, 2016 (Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris))Ein Porträt von Uma Thurman aus dem Jahr 2016. (Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris))

Die ganze Hängung sei zudem "wahnsinnig ungewöhnlich", berichtet Luerweg: "Da ist beispielsweise eine Aktaufnahme in einer Reihe mit einer Sonnenblume und einem Verkehrsschild. Alle wirken auf ihre Art und Weise verletzlich. Der Sonnenblume fehlen ein paar Blätter, das Verkehrsschild ist halb kaputt und die nackte Frau - übrigens das bekannte Model Karen Elson - wirkt auch sehr zerbrechlich."

Zeitlose Fotografie

In den gezeigten Werken fänden sich aber auch Referenzen an Tänzerin Pina Bausch, an Filme, aber auch politische Statements. Lindbergh habe um sein Wissen nie großes Aufhebens gemacht, sagt Luerweg.

Seine Fotografie ist zeitlos: "Man sieht nicht: Ist das ein Bild aus den 80ern oder ist das ein Bild aus dem Jahr 2000?", sagt Luerweg. Das mache auch seine Größe aus. Er habe sich nie an schnellen Trends orientiert, sondern lieber auf die alten Meister geguckt, sagt Luerweg. Viele dieser Bilder zeigten einen ganz anderen Lindbergh, eher seine melancholische Seite.

"Für jeden ist eine Geschichte dabei"

Lindbergh habe immer Geschichten erzählt, erklärt Luerweg. Von daher sei der Titel dieser Ausstellung auch passend gewählt: "Untold Stories", also nicht erzählte Geschichten: "Ein nachdenklicher Antonio Banderas neben einer nachdenklichen Karen Elson. Da guckt man hin und am Ende ist, glaube ich, für jeden eine eigene Geschichte dabei."

Das mache die Ausstellung so interessant, resümiert Luerweg: "Es wird auch noch einmal deutlich, was für eine Riesenlücke er hinterlassen hat."

(ckr)

Die Ausstellung Peter Lindbergh: Untold Stories ist noch bis zum 1. Juni 2020 im Kunstpalast Düsseldorf zu sehen.

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