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Nachspiel | Beitrag vom 26.07.2020

Unterwegs mit dem E-BikeDie neuen Easy Rider

Von Birgit Kalle

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Ein älterer Fahrradfahrer fährt durch einen Insektenschwarm auf einem Radweg an der Ruhr in Essen-Überruhr vor einem bunten Strommast, der mit farbigen Plexiglasscheiben gestaltet wurde. (imago / Michael Kneffel)
25 Kilometer pro Stunde – das ist der E-Bike-Speed. (imago / Michael Kneffel)

E-Bikes liegen im Trend. Die Absätze der Fahrräder mit Unterstützungsmotor steigen stetig. Vor allem Ältere entdecken so das Radfahren wieder für sich - und wagen sich dank Akkuleistung auch auf größere Touren.

Warum ein E-Bike fahren? Claudia Redeker - 67 Jahre, zwei E-Bikes - gibt beim Fahrradklub Bayern Sicherheitskurse. Sie antwortet auf die Frage: "Man kommt weiter. Es ist einfach nicht so anstrengend, gerade die Berge. Man fährt jetzt viel mehr mit dem Fahrrad, als wenn man ohne Motor fahren würde."

Und was sagt Angelika Ranzinger, 65, die E-Bikes in Brandenburg verkauft? "Sonst trudelt man immer um die eigene Hütte rum. Und jetzt kann man eben auch mal 80, 100 Kilometer fahren, ohne dass man vor Erschöpfung vom Fahrrad fällt."

Und Rolf Rentzsch, 78, der in anderthalb Jahren 1500 Kilometer auf seinem E-Bike zurückgelegt hat: "Es war so, dass ich ein Herzproblem hatte und meine Frau dann schneller war und ich wollte eigentlich immer nur mithalten." Sein E-Bike ist "im Prinzip ein Damenrad, mit tiefem Einstieg. Der Akku ist im Rahmen eingebaut, lässt sich leicht lösen und rausnehmen. Der Motor ist ein Mittelmotor, der im Tretlager eingebaut ist – so dass der Antrieb optimal ist."

Die Wiederentdeckung des Radfahrens

25 Kilometer pro Stunde – das ist E-Bike-Speed. Die meisten der E-Bikes sind eigentlich sogenannte Pedelecs. Der Motor arbeitet erst, wenn in die Pedale getreten wird. Aber eben nicht so doll. Ist E-Bike-Fahren so etwas wie Sport ohne Schweiß? "Ich kann beim E-Bike ja die Unterstützung einstellen", erklärt Claudia Redeker. "Und wenn ich jetzt nur auf eine geringe Unterstützungsstufe stelle, dann unterstützt es mich nur bei Bergen effektiv. Wenn ich dann trotzdem schnell oder mit viel Kraft trete, komme ich natürlich auch ins Schwitzen."

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Auf 70 Kilometer geht ihre nächste Tour. In einer Gruppe, viele mit E-Bikes. Mit Motor zurückfinden zu Mobilität: "Sicher werden viele Ältere damit jetzt wieder zum Fahrradfahren kommen. Die würden ohne E-Bike sicherlich gar nicht mehr mit dem Fahrrad fahren."

Ein E-Bike will beherrscht sein

Ob auf langem, flachen Elbe-Radweg, bei Gegenwind auf Föhr oder auf Steilstraßen in Thüringen: Die neuen Easy-Rider überholen die klassischen Strampler spielend und entspannt. Aufrecht im Sattel, Blick in die Landschaft, Blick auf das Display – wegen der Schaltempfehlungen. Denn: Ein E-Bike will beherrscht sein. Es ist schon mancher leicht den Berg hinaufgekommen und nur zittrig wieder hinunter, erzählt Fahrrad- und E-Bike-Händlerin Angelika Ranzinger:

"Man muss vorausschauend Fahrrad fahren, weil man eine schnellere Durchschnittsgeschwindigkeit fährt. Man muss mit den Anderen rechnen, die nicht damit rechnen, dass du mit einem E-Bike fährst. Man muss sich auch einen gleichmäßigen Tritt angewöhnen, also nicht mal ganz schnell, denn wieder aufhören, denn wieder ganz schnell, wieder aufhören. Das ist nicht gut für den Motor, denn der kriegt dann immer einen Schub und dann wieder nicht und dann wieder Schub – gleichmäßig treten!"

Der klassische Radler braucht die Endorphine

Josef Herkenrath fährt richtig viel, einmal bis zum Nordkap, mit Gruppe. Er ist gut trainiert und genießt das Fahren – ohne Motor. Das einfache, direkte. "Wenn man Fahrradfahrer aus der Ferne sieht", sagt er, "kann man natürlich sofort erkennen, ob das ein E-Bike-Fahrer oder ein herkömmlicher Fahrradfahrer ist. Beim E-Bike hat man so einen gewissen Trott."

Er braucht die Anstrengung, spricht von Endorphinen und ozeanischen Gefühlen bei seiner Nordkap-Erfahrung. Gemischte Gruppen sieht er problematisch.

"Ich denke, dass ich auf eine andere Weise mental, aber auch physisch erschöpft war, als die Teilnehmer mit dem E-Bike. Da kannst du einfach nicht mithalten, das ist ein Riesen-Unterschied. Das hat mir auch eine Teilnehmerin immer gesagt, die mal kurz umgestiegen ist auf mein Fahrrad und gesagt hat: 'Ich habe das Gefühl, als würde das Fahrrad auf der Fahrbahn kleben.'"

Die Ökobilanz ist zweifelhaft

150 Kilometer weit reicht eine Akkuladung bei Rolf Rentzsch. Dann muss aufgeladen werden. Aber was, wenn der Akku selbst fertig ist, nach 6,7 Jahren? – Hersteller und Händler sind verpflichtend an ein Recycling-Rücknahmesystem angeschlossen.

"Der Akku ist ein ziemlich teures Objekt", sagt Rolf Rentzsch. "Der kostet zum Ersetzen wieder 600 Euro." Und dazu Josef Herkenrath: "Das sind Lithium-Ionen-Batterien. Der Rohstoff wird hauptsächlich in Südamerika abgebaut und ist eigentlich auch endlich. Die Produktion dieser Batterien machen die Ökobilanz recht schwierig."

So möchte er nicht fahren. Aber er ist froh, dass es diese Fahrzeuge gibt. "Meine Frau fährt E-Bike. Früher konnten wir nie zusammenfahren. Jetzt ist es so, dass meine Frau und ich wunderbar zusammen Fahrrad fahren können, weil, es nicht immer den Ruf von hinten gibt: 'Fahr nicht so schnell!' Oder weil ich sage: 'Beeil dich mal.'"

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