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Im Gespräch | Beitrag vom 26.04.2019

Unternehmer Johannes GutmannDer Bio-Kräuter-Pionier

Moderation: Klaus Pokatzky

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Bauer Johannes Gutmann steht auf einem Feld. (privat)
Als er damals mit der Biolandwirtschaft anfing, wurde der Unternehmer Johannes Gutmann ausgelacht. (privat)

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht – auf diesen Spruch hat Johannes Gutmann nie viel gegeben. Vor 30 Jahren überzeugte er alteingesessene Bauern vom Anbau von Bio-Kräutern. Heute gehört sein Unternehmen “Sonnentor“ zu den erfolgreichsten der Branche.

Die Heilkraft der Kräuter lernte Johannes Gutmann schon als Kind kennen. Bei Husten etwa musste er Lindenblütentee trinken, ein Hausmittel der Mutter:      

"Mit Thymian…bäh! Nicht angenehm – aber es hat geholfen! Und wenn der kleine Hannes wieder mal ohne T-Shirt rumgelaufen ist und sich einen Sonnenbrand auf dem Feld geholt hat, wurde er mit Johanniskraut-Öl behandelt. Das hat auch schnell geholfen." 

Eine Geschäftsidee gegen den Trend

Johannes Gutmann wuchs in einer großen Bauernfamilie auf – im niederösterreichischen "Waldviertel", nahe der tschechischen Grenze. Vor 30 Jahren eine vergessene Region, die Bauern dort kämpften ums finanzielle Überleben. "Viele stellten ihre Betriebe auf Monokulturen um, in der Hoffnung, so die Erträge zu steigern." Gutmann lehnte das ab: Er gründete 1988 seine Firma "Sonnentor", weil er ökologisch angebaute Kräuter aus dem Waldviertel vermarkten wollte. Damals eine ungewöhnliche Idee, die die Suche nach Mitstreitern erschwerte. Denn Biobauern wurden belächelt – so auch seine ersten Geschäftspartner, die Mitglieder der Familie Bauer: 

"Als sie sich dann doch zum Umstieg auf biologische Landwirtschaft entschieden hatten, hat sich der Herr Bauer zwei Jahre lang nach der Kirche nicht ins Wirtshaus getraut. – Weil ihn die Nachbarn und alle nur gehänselt haben und ihn gefragt haben: ´Herr Bauer, was bauen Sie denn jetzt Lustiges an? Auf Ihren Feldern stinkt’s nach Pfefferminz, auf Ihren Feldern stinkt‘s nach Salbei!`"

Heute ist die Familie Bauer einer der größten Biolandwirte in der Region. Und auch Gutmanns Unternehmen "Sonnentor" ist eine Erfolgsgeschichte. 

Vom Einmann-Betrieb zum Marktführer

Die Firma mit der lachenden Sonne als Logo liefert heute in alle Welt. Und sie ist Marktführer im österreichischen Biofachhandel mit Tee, Gewürzen und Kräutern. 

"Also in Österreich sind es mittlerweile rund 300 Betriebe, die für ´Sonnentor` arbeiten. Das heißt, in Summe sind das fast 1000 Hektar Kräuteranbaufläche, die wir jährlich organisieren, vertraglich abnehmen und dann auch vertreiben. Zusätzlich gibt es noch einige Betriebe in Deutschland, die auch so rund 100 Hektar bewirtschaften. Und wenn ich alles zusammen zähle, haben wir weltweit um die 1000 Arbeitsplätze geschaffen, die es seinerzeit, vor 30 Jahren, noch nicht gab."

"Ich will ´enkeltauglich` produzieren"

"Sonnentor"-Gründer Gutmann legt Wert auf Nachhaltigkeit. "Ich will ´enkeltauglich` produzieren, sagt er. Ebenso wichtig sind ihm Geschäfts-Transparenz, Fairness und der partnerschaftliche Umgang mit seinen Mitarbeitern. In seiner Firma können etwa die Älteren in ihrem individuellen Tempo arbeiten – Druck vom Chef haben sie nicht zu befürchten. Und zum angenehmen Arbeitsklima kommt gute Verpflegung: Für alle Mitarbeiter gibt es täglich ein kostenloses Mittagessen aus der betriebseigenen Bio-Kantine. Johannes Gutmann selber ist bodenständig geblieben. Der erfolgreiche Geschäftsmann fährt Fahrrad, trägt seit Jahren die gleiche Brille und eine Lederhose, mit der er schon als junger Mann über die Bauernmärkte getingelt ist.    

"Mit dieser alten Lederhose, die heute über 90 Jahre alt ist, die ich von meinem Vater irgendwann einmal geschenkt bekommen habe, verbinde ich das gute Leben. Und das, was ich nicht brauche: Ich brauche keinen großartigen, maßgeschneiderten Marken-Anzug, der irgendwo in Indien für fast nichts gefertigt wurde und hier für 300 Euro verkauft wird. Nein, brauche ich nicht. Und das ist eigentlich das Allerschönste: Erkennen, was man nicht braucht."     

(tif/er)

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