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Interview | Beitrag vom 13.01.2021

Umweltschonende ArchitekturEin Haus aus Bauabfällen

Nils Nolting im Gespräch mit Axel Rahmlow

Modernes Haus (Cityförster architecture+urbanism / Olaf Mahlstedt)
Weniger Belastung für die Umwelt: Ein Großteil der verwendeten Materialien in diesem Neubau sind recycelt. (Cityförster architecture+urbanism / Olaf Mahlstedt)

Ein Haus aus recycelten Materialien und Bauteilen alter, abgerissener Gebäude: Das klingt sinnvoll. Vor allem, weil die Bauwirtschaft einer der größten Abfallverursacher ist. Der Architekt Nils Nolting hat so ein Haus gebaut.

Mehr als die Hälfte des Abfalls, der jedes Jahr in Deutschland entsteht, sind Bauabfälle: Beton, Backsteine, Ziegel, Fliesen oder Keramik. Laut Statistischem Bundesamt kommen sie im Jahr auf rund 220 Millionen Tonnen Abfall.

Verbraucht wird noch mehr: laut Umweltministerium mehr als 500 Millionen Tonnen an Rohstoffen, Stahl und Zement. Das führt zu einer enormen Umweltbelastung.

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Der Architekt Nils Nolting beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit damit, wie Ressourcen gespart, Baustoffe recycelt und umweltschondender gebaut werden könnte. Auch heute eher noch ein Nischenthema, sagt er.

Ganze Bauteile stammen aus anderen Häusern

In Hannover hat er ein Recyclinghaus gebaut und dabei verschiedene Strategien verfolgt: So hat er gängige Recyclingmaterialien aus dem Baustoffmarkt eingesetzt – beispielsweise Schaumglasschotter aus dem Glasrecycling. Auch das Gebäude selbst soll am Ende wieder dekomponiert werden können.

Flur eines modernen Gebäudes (Cityförster architecture+urbanism / Olaf Mahlstedt)Was im Haus zu sehen ist, hat bereits ein Vorleben in anderen Gebäuden gehabt. (Cityförster architecture+urbanism / Olaf Mahlstedt)

Die größte Besonderheit an dem Projekt aber: "Wir haben auch im großen Umfang gebrauchte Bauteile im Ganzen eingesetzt." Die Fassade oder der Innenausbau stammen also aus Bauteilen, die schon in anderen Gebäuden im Einsatz waren. Sämtliche Materialien stammen dabei aus lokalen Quellen, in diesem Fall aus dem Raum Hannover.

Auf dem Weg zur Konkurrenzfähigkeit

In Zukunft werde sich eine solche Bauweise als Alternative etablieren, hofft Nolting: Sein nun gebauter Prototyp des Recyclinghauses sei zwar nicht ganz günstig gewesen. "Aber sobald man die echten Umweltkosten einpreisen würde, werden solche Bauweisen auch wirtschaftlich sicher konkurrenzfähig."

(lkn)

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