Umsonst und Online

Immer mehr Buchtexte werden ins Internet gestellt. © Stock.XCHNG
Von Anja Herr · 13.11.2006
Wie Google oder Microsoft will auch der Börsenverein des deutschen Buchhandels eine Plattform schaffen, um Buchtexte im Internet zur Verfügung zu stellen. 40 große deutschsprachige Verlage haben ihre Beteiligung an dem Projekt schon zugesagt. Im Februar nächsten Jahres sollen die ersten 10.000 Titel im Netz stehen.
300 Seiten in acht Minuten: Das schafft der schnellste Buchscanner der Welt. In kürzester Zeit digitalisiert er Unmengen an Text. Goethe, Tolstoi und Beckett codiert in Nullen und Einsen: So stehen uns heute immer mehr Buchtexte im Internet zur Verfügung. Das Problem: Die Texte können von jedermann gelesen und kopiert werden. Verleger und Autoren drohen dann leer auszugehen.

Einer der größten Anbieter freizugänglicher Buchtexte ist Google. Bis 2015 will Google Book Search 15 Millionen Bücher digitalisieren. Umstritten: Die Firma scannt auch Werke, deren Rechte bei Verlagen oder Autoren liegen. Die fragt Google aber nicht um Erlaubnis, sondern stützt sich auf eine Ausnahmeregelung im US-Recht, die so genannte "fair use"-Regelung. Die besagt, dass die "angemessene Nutzung" von geschützten Werken zulässig ist. Einige Verlage sind dennoch der Ansicht, dass die Firma massiv gegen Urheberrechte verstößt.

Google scannt auch die Sammlungen von großen Universitätsbibliotheken wie Oxford, Harvard und Stanford. Die Universitäten kooperieren mit Google. Weil Forscher sich dadurch vermehrt dieser Bibliotheken bedienen, befürchten Gegner dieser Zusammenarbeit eine Hegemonie Nordamerikas im Bereich der Wissenschaft.

Auch verfolgen viele kritisch, dass von den Google-Internetseiten Verweise auf Online-Shops von Buchhändlern führen, auf denen die Werke in Papierform bestellt werden können. Wenn dann ein Web-Surfer einen Online-Shop aufsucht, kassiert auch Google.

Letztes Jahr stieg auch der Softwarekonzern Microsoft in die Digitalisierung von Büchern ein, in einer Allianz mit anderen Unternehmen, der so genannten Open Content Alliance. In der arbeiten auch Yahoo, Adobe, einige Universitäten und gemeinnützige Organisationen mit. Im Gegensatz zu Google stellt die Open Content Alliance aber nur Bücher in ihre Sammlung, deren Urheberrecht schon abgelaufen ist oder bittet Autoren und Verlage um Erlaubnis.

Nun will auch der Börsenverein des deutschen Buchhandels eine solche Plattform schaffen. Volltextsuche Online, kurz VTO, soll sie heißen. 40 große deutschsprachige Verlage - darunter Fischer, Rowohlt, Cornelsen und Diogenes - haben ihre Beteiligung an dem Projekt schon zugesagt. Im Februar nächsten Jahres sollen die ersten 10 000 Titel im Netz stehen.
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