Ulf Erdmann Ziegler über "Eine andere Epoche"

    Warum die Ära Merkel noch nicht vorbei ist

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    Olaf Scholz (SPD) geht in einer Kabinettsitzung an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorbei.
    Der derzeitige Finanzminister Olaf Scholz könnte die noch amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel beerben. © imago images / IPON
    Ulf Erdmann Ziegler im Gespräch mit Joachim Scholl · 27.09.2021
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    Das Ende der Ära Merkel wurde schon oft beschworen. Doch der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler glaubt, diese Zeit sei mit der Wahl nicht zu Ende. Die Protagonisten seines Politikromans "Eine andere Epoche" sind noch mitten drin in Merkels Politik.
    Der Schriftsteller und Essayist Ulf Erdmann Ziegler widmet sich in seinem neuen Roman "Eine andere Epoche" dem Jahr 2011. Seine Protagonisten sind konfrontiert mit den NSU-Morden, dem Rücktritt des Bundespräsidenten Wulff und der Edathy-Affäre. Es wirkt fast wie eine längst versunkene Zeit.
    Vor allem spielt der Politikroman noch tief in der Ära Merkel. An einer Stelle sagt die Hauptfigur über die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Vielleicht war ihre Zeit irgendwann auch einmal vorbei". Er selbst könne sich das nicht vorstellen.
    Mit dem Ende ihrer Kanzlerschaft sollte eigentlich ihre Zeit vorerst vorbei sein. Doch Ziegler sagt, er glaube nicht, dass nach der Bundestagswahl 2021 eine neue Epoche beginnt: "Wir leben letztendlich noch in der Merkel-Zeit." Die Wähler hätten das gespürt und deshalb Olaf Scholz gewählt.
    Der Schriftsteller geht davon aus, dass die Ära Merkel nicht plötzlich, sondern langsam enden werde. Dieser Prozess habe bereits mit ihrem Rücktritt vom CDU-Vorsitz begonnen.

    Die Stunde des Olaf Scholz

    Bei allen Spekulationen um mögliche Koalitionen müsse bedacht werden, mahnt Ziegler, dass auch die Große Koalition bestätigt worden sei. Lediglich die Prozentpunkte hätten die SPD und CDU etwas getauscht.
    Ziegler erzählt, er habe "mit allergrößter Spannung" in den vergangenen Jahren die öffentlichen Auftritte von Scholz verfolgt. Bereits vor acht und zwölf Jahren habe er sich im privaten Kreis gefragt, warum die SPD nicht ihn zur Bundestagswahl als Spitzenkandidat aufstelle.
    Damals habe er die Antwort bekommen, dass Scholz keine Wahl gewinnen könne. "Und nun dreht sich das komplett um. Das heißt, dass seine Stunde gekommen ist – im großen Stil", sagt der Schriftsteller.
    (sbd)
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