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Literatur | Beitrag vom 18.07.2021

Über das Lesen von BüchernMit zarten Fingern und Augen

Von Katharina Döbler und Sieglinde Geisel

Viele Deutsche haben noch nie ein Buch gelesen. (AFP / Robert Michael)
Viele Deutsche haben noch nie ein Buch gelesen. (AFP / Robert Michael)

Das Lesen halten die Deutschen für "sehr wichtig", dennoch liest jeder Vierte niemals ein Buch - so lautet das Ergebnis einer Studie der Stiftung Lesen. Wie steht es um die kulturelle Praxis?

Lesen wird hierzulande für wichtig und wertvoll gehalten, jedoch immer seltener gepflegt. Das Bildungsniveau steigt, die frei verfügbare Zeit, die mit Lesen verbracht werden könnte, nimmt zu, und an Büchern mangelt es in einem der größten Buchmärkte der Welt trotz zuletzt leicht sinkender Zahlen auch nicht. Doch zwischen 2012 und 2016 hat die Buchbranche 6,1 Millionen Buchkäuferinnen verloren, und viele davon dürften auch Leser gewesen sein. Die kulturelle Praxis Lesen wird zunehmend zur Theorie.  

Goldstandard Buch

Zunächst sahen nicht nur Kulturpessimisten das Fernsehen als Schuldigen, dann sollte der Computer verantwortlich sein, das Internet, die sozialen Medien, überhaupt der Aufstieg der visuellen Kultur. Doch weder das Internet noch andere Medien machen das Lesen und Schreiben überflüssig. Nur wird nicht mehr nur Gedrucktes gelesen. Buch und Zeitung haben Konkurrenz bekommen. Noch gilt das Buch allerdings als Goldstandard: Bedrucktes Papier besitzt eine größere Glaubwürdigkeit und eine sehr viel längere Haltbarkeit als digitale Speichersysteme. Und E-Books ahmen den Printvorgänger bis in die Seitenaufteilung hinein nach.

Kein Ende der Schriftkultur

"Als biologische Gattungsnotwendigkeit" und durch keinen Bildschirm zu unterdrücken bezeichnete Umberto Eco die seit 500 Jahren übliche Form der Lektüre. Allerdings hatte sich der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler auch eine digitale Bibliothek zusammengestellt, die als eine der größten galt. Mag sein, dass zukünftige Generationen anders lesen werden – weil sie aus viel größeren Datenmengen auswählen müssen, zum Beispiel. Lesen aber werden sie. Ein Ende der Schriftkultur ist noch lange nicht absehbar.

Es sprechen: Cathlen Gawlich und Markus Hoffmann
Ton: Andreas Narr
Regie: Beate Ziegs
Redaktion: Barbara Wahlster
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2009


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