Tschaikowsky-Wettbewerb

Ausschluss hat hohe Symbolwirkung

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Die Bühne mit Teilnehmern des Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau, darüber ein großen Plakat mit dem Bild von Tschaikowsky
Der Internationale Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau gilt als einer der bedeutendsten Musikwettbewerbe für klassische Musik © picture-alliance/ dpa
Jan Brachmann im Gespräch mit Eckhard Roelcke · 21.04.2022
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Der Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb ist ein Aushängeschild russischer Kultur. Dessen Ausschluss aus der Föderation internationaler Musikwettbewerbe sei ein starkes Signal, findet Musikkritiker Jan Brachmann – und vermeide Bilder mit gratulierendem Putin.
Der Tschaikowsky-Wettbewerb gehört zu den berühmtesten Wettbewerben der Musikgeschichte. Jetzt hat die Weltföderation internationaler Musikwettbewerbe WFIMC ihn aus den eigenen Reihen ausgeschlossen: Kein Mitglied könne geduldet werden, das von der russischen Regierung finanziert werde und dieser als Propagandainstrument diene.
Die Entscheidung kann auch Musikkritiker Jan Brachmann gut verstehen, denn die Auszeichnungsveranstaltung der Preisträger werde in Moskau „immer ganz hoch gehängt“. Auch Putin nehme daran teil.

Keinem Kriegsverbrecher die Hände schütteln

„Man kann nachvollziehen, dass weder ein Juror noch ein Preisträger sich hinstellen und Hände schütteln möchte mit einem Mann, den wir als Kriegsverbrecher betrachten.“
Die Weltföderation internationaler Musikwettbewerbe setzt sich als Netzwerk dafür ein, dass es transparente Wettbewerbsregeln gibt und dass es fair zugeht bei den Wettbewerben. Alle renommierten Musikwettbewerbe, wie etwa der Bach-Wettbewerb in Leipzig oder auch der Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel gehörten dazu, so Brachmann. Der Weltverband helfe jungen Künstlern, um sie in den Konzertbetrieb zu integrieren.

Jurybesetzung wird erschwert

„Diese Entscheidung, den Tschaikowsky-Wettbewerb auszuschließen, hat eine hohe Symbolwirkung: Ein Wettbewerb lebt davon, dass er eine renommierte internationale Jury hat und ich glaube, es wird vielen Künstlern jetzt schwerfallen, als Juror teilzunehmen.“

Die Kritik von Andrej Malyshew, Direktor des Tschaikowsky-Wettbewerbs, der Weltverband entscheide „doppelzüngig“ – entgegen der eigener Statuten, unpolitisch agieren zu wollen – sei nicht ganz unberechtigt, sagt Brachmann. Eigentlich wolle der Verband die Benachteiligung russischer und belarussischer Musiker verhindern.

Benachteiligungen russischer Musiker

„Gleichzeitig gibt es aber zwei internationale Wettbewerbe in diesem Weltverband, nämlich den Honens Klavierwettbewerb in Kanada und den internationalen Klavierwettbewerb in Dublin, die genau das getan haben, die also russischen und belarussischen Künstler vom Wettbewerb ausgeschlossen haben – und da hat Herr Malyshew natürlich recht.“
(mle)
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