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Weltzeit | Beitrag vom 07.07.2020

Tourismus in der TürkeiZoff um die Reisewarnung

Karin Senz im Gespräch mit Isabella Kolar

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Luftaufnahme des Aquaparks in Kusadasi im türkischen Aydin mit leeren Sonnenliegen an einem leeren Pool, aufgestellt mit jeweils 1,50 Meter Abstand, aufgenommen am 29. Juni 2020.  (picture alliance / AA/Ferdi Uzun)
Wenn die Reisewarnung wirkt: Der Aquapark in Kusadasi im türkischen Aydin im Juni mit leeren Sonnenliegen an einem leeren Pool. (picture alliance / AA/Ferdi Uzun)

Fünf Millionen Deutsche haben im letzten Jahr Urlaub in der Türkei gemacht. Sehr viele Menschen haben Familie in beiden Ländern. Doch das Reisen zwischen Deutschland und der Türkei ist derzeit schwierig, oft unmöglich. Wie lange noch?

In der vergangenen Woche reiste der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gemeinsam mit Tourismusminister Mehmet Ersoy und großer Delegation nach Berlin, um für eine Aufhebung der vom Auswärtigen Amt für die Türkei verhängten Reisewarnung zu werben. Diese gilt noch bis zum 31. August.

Cavusoglu wurde von Außenminister Heiko Maas zunächst nicht erhört. Der stellte fest, dass Deutschland dies nur im Einklang mit der EU entscheiden werde.

Die große Bedeutung des Tourismus für die Türkei

Zur Motivlage der türkischen Regierung erklärt unsere Türkei-Korrespondentin Karin Senz, dass der Tourismus für das Land und die türkische Wirtschaft immens wichtig sei. Diese sei schon vor Corona schwer angeschlagen gewesen. Viele Jobs hingen vom Geschäft mit dem Tourismus im Sommer ab. Beispielsweise seien allein in der Region Antalya eine Million Einwohner direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig.

Ein Koch mit Handschuhen und Mundschutz reicht einem Gast in einem Hotel im türkischen Antalya durch eine Durchreiche in einer Scheibe einen Teller mit Essen, aufgenommen im Juni 2020. (picture alliance / AA/Mustafa Ciftci)Der Koch hinter Glas - Tourismus zu Coronazeiten im türkischen Antalya. (picture alliance / AA/Mustafa Ciftci)

Eine Erklärung für die Zurückhaltung der deutschen Seite, die Reisewarnung aufzuheben, sei die - aus deutscher Sicht - mangelnde Transparenz bei der Veröffentlichung regionaler Coronastatistiken für das Gebiet der Türkei. Diese gebe es dann beispielsweise mal für Antalya aber dann wieder nicht für den Südosten, für Diyarbakir. Die Informationen kämen sehr sporadisch und nicht flächendeckend.

Auch hätten sich im Vergleich zu Anfang Juni die Coronazahlen in der Türkei wieder deutlich verschlechtert, so Karin Senz, nach vereinzelten Lockerungen wie der Öffnung von Restaurants und Einkaufszentren.

Politischer Hintergrund wird dementiert, ist aber möglich

Den Vorwurf der türkischen Regierung, dass es sich bei der Reisewarnung sowie bei der Einstufung der Türkei als ein Coronarisikogebiet um eine politische Entscheidung handele, weise die Bundesregierung entschieden zurück. Dies müsse man im Zusammenhang mit den Verfahren gegen etliche Deutsche sehen, die in oder außerhalb der Türkei auf ihr Urteil wegen angeblichen Terrorverdachts warteten, erläutert Karin Senz.

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So sei es doch auffällig gewesen, sagt die Korrespondentin, dass einen Tag nach dem Besuch des türkischen Außenministers in Berlin der Menschenrechtler Peter Steudtner in Istanbul freigesprochen wurde.

Meşale Tolu, Deniz Yücel und Hozan Canê warten auf Urteil

In den kommenden Wochen stünden die Urteile in den Prozessen von Meşale Tolu, Deniz Yücel und Hozan Canê an, Verfahren, in denen sich jahrelang nichts bewegt habe. Deshalb könne man jetzt gespannt beobachten, ob sich das nun ändern werde, stellt Karin Senz fest.

Angesichts der verschärften Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen in der Türkei könne man die Reisewarnung auf jeden Fall nicht ganz nachvollziehen. Sicherlich spiele da - vonseiten der Bundesregierung und der EU - auch eine Rolle, dass man die Touristen innerhalb der eigenen Landesgrenzen behalten wolle, vermutet Senz.

(ik)

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