Tourismus in der Flutregion

    Die beste Wirtschaftsförderung? Urlaub machen!

    08:57 Minuten
    Ein Trekkingplatz im Nationalpark Eifel mit einem Zelt auf einer Holzplattform.
    Die Eifel lebt vom Tourismus. Und hofft deshalb auf Urlauber, die so der gebeutelten Region helfen können. © picture alliance / dpa / Rheinland-Pfalz Tourismus
    Von Anke Petermann · 08.09.2021
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    Die Eifel ist normalerweise ein beliebtes Urlaubsziel. Doch in diesem Jahr kommen auch in Gegenden ohne Hochwasserschäden weniger Urlaubsgäste. Dabei werden diese dringend gebraucht: Als Wirtschaftsförderer sind sie auch für den Wiederaufbau wichtig.
    Es gibt schon wieder Urlauberinnen und Urlauber in der rheinland-pfälzischen Eifel, wo etwa der Landkreis Ahrweiler mit den Folgen der Flutkatastrophe kämpft. Obwohl viele Gegenden vom Hochwasser nicht schwer getroffen wurden, kommen derzeit in die gesamte Region weniger Touristen.

    Ein Paar aus Schwaben wandert in der Hocheifel

    Gekommen ist beispielsweise ein Paar aus Schwaben, das mit Rucksack und Wanderschuhen im Hohe-Acht-Bergland bei Adenau in der Hocheifel unterwegs ist. Ihre Ferienwohnung liegt im Nachbarlandkreis Mayen-Koblenz, bei Andernach. Dort nehmen sie keinem Flutopfer ein Ausweichquartier weg.
    "Unsere Vermieterin hat gesagt, sie sei schon zu weit weg von dem Gebiet", erzählt die Frau. Trotzdem: Vom Hochwasser Betroffene hätten Vorrang gehabt. Flutopfer und Helfer zuerst: So halten es viele Gastwirte und Vermieterinnen auf den Höhen der Ahreifel.
    Unten im Tal sind Gasthäuser und Pensionen, Rad- und Wanderwege zerstört. Im Weindorf Rech beispielsweise liegt das Hotel Appel ganz nah an der Ahr, aber leicht erhöht. Keller und Waschmaschinen wurden überflutet. Die Gegend ist immer noch eine Baustelle, nichts für Feriengäste. Aber langfristig gehe es nicht ohne, sagt Hotelier Karl Appel:
    "Die Ahr lebt vom Tourismus, und wenn der nicht wiederkommt, dann gehen noch mehr Existenzen verloren, die Leute werden nicht mehr hierbleiben."

    Die Helfer wollen als Gäste wiederkommen

    Die vielen Einsatzkräfte und Freiwilligen, die im und um das Hotel herum geschuftet haben und es immer noch tun, versichern dem Hotelier, dass sie wiederkommen, das nächste Mal als Gäste: "Denn so schön, wie es hier ist, ist es nirgendwo."
    Von der großen Freitreppe an Appels Hotel sieht man die Ahr in ihrem überdimensionalen Kiesbett glitzern. Oberhalb der Weinberge sind die Ruinen der märchenhaft anmutenden Saffenburg zu erkennen.
    Idyllische Ansicht eines eines Teils des Weinortes Mayschoß in der rheinland-pfälzischen Eifel. Der Rest des Dorfes wurde durch die Flut im Juli 2021 zerstört. 
    Idyllische Ansicht: der von der Flut unbeschädigte Teil des Eifel-Weinortes Mayschoß.© picture alliance / Eibner-Pressefoto / Augst
    Dass es im kommenden Jahr wieder läuft, hofft in der Kyllburger Waldeifel, 80 Kilometer südlich von Rech, auch Roy Betten. Bis mindestens Frühjahr 2022, so kalkuliert der Holländer, wird er seinen Campingplatz am Ufer der Kyll noch aufräumen müssen.
    Rezeption, Waschräume und die Gastwirtschaft waren überschwemmt, der mit 300 Campern ausgebuchte Platz wurde aber rechtzeitig evakuiert. Einheimische retteten die Urlauber mit Geländewagen und Traktoren aus dem sumpfigen Tal. Die Wohnwagen schwammen weg, die Stellplätze sind hin.
    "Wir sind jetzt daran, mit Firmen die Plätze wieder in Ordnung zu bringen. Steine raus, neu einsäen, neue Leitungen rein." Stammgäste aus Belgien kommen für einen Tagesausflug vorbei und kündigen an, im kommenden Jahr wieder bei Roy Betten Urlaub zu machen. "An uns liegt es nicht", sagt Roy Betten. "Wir bauen das wieder auf. Aber wie wir das aufbauen dürfen, wie groß, und wie die Zukunft aussieht, weiß noch keiner."

    Hoffen auf Gäste im Spätsommer

    Da heißt es abwarten. Mit einer Menge offener Fragen zum Hochwasser und den Folgen im Kopf: "Kommt das wieder? Und was machen die Kreise und das Land? Ist es schwierig für uns, Sachen zu versichern? Man steckt natürlich keine 500.000 Euro rein, wenn man das nicht versichern kann und keine Sicherheit hat."
    Roy Betten glaubt aber, dass sich die rheinland-pfälzische Ampel-Koalition für den Nordwesten des Bundeslandes ins Zeug legen wird: "Hier in der Eifel lebt die ganze Region vom Tourismus. Und wenn wir und andere Campingplätze keine Sicherheit haben, dann hören Betriebe auf. Nicht nur Campingplätze, auch Hotels und Gastronomen, die dann sagen: Das Risiko ist zu groß. Und dann stirbt die ganze Region aus."
    Bei zwölf Campingplätzen in Rheinland-Pfalz ist wie beim Camp Kyllburg offen, wann sie wieder öffnen. Aber viele andere Plätze, zum Beispiel an den Maaren der Vulkaneifel, sind intakt und hoffen im Spätsommer auf Gäste. Für die gesamte Region gilt: Nachfragen bei den Gastgebern und den Tourismusbüros hilft. Bei grünem Licht den Urlaub in der Eifel anzutreten, ist die beste Form der Wirtschaftsförderung.
    (abr)
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