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Frühkritik | Beitrag vom 23.04.2021

Tom Hillenbrand: "Montecrypto"Der Graf von Bitcoin

Von Tobias Gohlis

Das Cover von Tom Hillenbrands Buch  "Montecrypto" auf orange-weißem Grund. (Deutschlandradio / KiWi)
Mit „Montecrypto“ ist Tom Hillenbrand etwas Seltenes gelungen, urteilt Tobias Gohlis: ein grandioser Wirtschaftskrimi. (Deutschlandradio / KiWi)

Unermesslicher Reichtum, grenzenloser Individualismus, Wohlstand für viele: Tom Hillenbrand inszeniert im Krimi "Montecrypto" eine rasante Schatzsuche in der Welt der Kryptowährungen. Dabei brennt er ein Feuerwerk der literarischen Anspielungen ab.

Es ist paradox. Obwohl die meisten Verbrechen aus wirtschaftlichen Motiven begangen werden, sind Kriminalromane, die explizit um das Thema Wirtschaft kreisen, meist entsetzlich dröge.

In der Regel werden sogenannte Wirtschaftskrimis von enttäuschten und/oder pensionierten Wirtschaftsmenschen verfasst, die ihren Leserinnen aufrüttelnde Wahrheiten darüber präsentieren wollen, was "wirklich los ist". Ihre Lieblingsbeweismittel: Tabellen und ein Fachjargon, der nur andere Fachleute erregt.

Heiße Themen rasant verknüpft

Von dieser Art nervigem Fachidiotentum hebt sich Tom Hillenbrand mit seinem neuen Thriller "Montecrypto" wohltuend ab.

Wie schon der Titel verrät, verknüpft Hillenbrand darin ebenso charmant wie rasant eines der heißesten Themen des 21. Jahrhunderts – die Kryptowährungen, deren bekannteste Bitcoin ist – mit einem der heißesten Stoffe des 19. Jahrhunderts: dem Rachefeldzug des Grafen von Monte Christo, der einen unermesslichen Schatz einsetzt, um alle diejenigen in ihrer bürgerlichen Existenz zu vernichten, die die seinige zerstört haben.

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"Montecrypto": Was wie ein Kalauer klingt, der sich einem Wortspiel verdankt, entpuppt seinen Hintersinn, wie es sich gehört, erst in der Aufklärungsphase des Romans gegen Ende einer rasenden Jagd um den Globus – Hauptstationen sind Los Angeles, Zürich und ein verfallenes Hotel in Katalonien namens "Castillo_IF".

Videobotschaften eines Verschollenen

Greg Hollister war ein Pionier der Kryptowährungen, ein Computer- und Finanzgenie. Sein Flugzeug ist über dem Meer abgestürzt, seine Schwester beauftragt den privaten Finanzermittler Ed Dante mit der Suche nach versteckten Erbmassen. Kaum hat der erste investigative Schritte unternommen, tauchen aus dem Jenseits Videobotschaften des verschollenen Hollister auf, die mit ihrer Rätselstruktur eine weltweite Schatzsuche – von Billionen Dollar ist die Rede – anfeuern.

Ermittler Dante ist unser Führer durch das Inferno einer verqueren anarchistischen Szenerie der Kryptogurus, die dreierlei miteinander zu versöhnen verspricht: grenzenlosen Individualismus, sicheren persönlichen Reichtum und Wohlstand für viele.

Ein präzises und erschütterndes Porträt der geistigen Verfassung der Kryptonianer ist das, wie eine Autorin des Handelsblattes in einer Insiderrezension bestätigte, zugleich aber ein brillantes Feuerwerk der literarischen Anspielungen – nicht nur auf Alexandre Dumas‘ Bestseller "Der Graf von Monte Christo", sondern auch auf das künstlerisch-literarische Denken über Geld seitdem. Tom Hillenbrand ist mit "Montecrypto" etwas ganz, ganz Seltenes gelungen: ein grandioser Wirtschaftskrimi.

Tom Hillenbrand: "Montecrypto"
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021
448 Seiten, 16 Euro

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