Tobias Ginsburg über "Die letzten Männer des Westens"

    Der rechte Hass auf Frauen

    24:48 Minuten
    Ein junger Mann mit Basecap steht angelehnt an einer Wand.
    Es sei nicht schwer gewesen, in diese rechten Männerbünde vorzudringen, sagt der Autor Tobias Ginsburg: "Jeder mag doch Ja-Sager." © Jean-Marc Turmes
    Moderation: Christan Rabhansl · 23.10.2021
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    Tobias Ginsburg hat sich undercover jahrelang in rechte Netzwerke begeben und das Sachbuch „Die letzten Männer des Westens“ geschrieben. Als weißer Mann komme man sehr schnell in diese frauenhassenden Kreise, sagt der Investigativjournalist.
    Der Investigativjournalist Tobias Ginsburg hat das Sachbuch "Die letzten Männer des Westens: Antifeministen, rechte Männerbünde und die Krieger des Patriarchats" geschrieben. Wir haben mit ihm darüber auf der Frankfurter Buchmesse gesprochen.


    Vor einigen Jahren hatte er sich bereits undercover in die Welt der Reichsbürger begeben und seine Erkenntnisse in "Die Reise ins Reich: Unter Rechtsextremisten, Reichsbürgern und anderen Verschwörungstheoretikern" niedergeschrieben.

    Auch für sein neues Buch hat er sich eine falsche Identität als rechtsradikalen Antifeministen zugelegt, um in einem internationalen Netzwerk von Frauenhassern zu recherchieren. Ein Netzwerk, das jede Form der Emanzipation zurückdrehen will und dabei auch nicht vor Gewalt zurückschreckt.

    Wer sind die Reichsbürger, wer sind die rechten Christen?
    Eine Diskussion unter anderen mit Journalist Tobias Ginsburg über Reichsbürger und rechte Christen. Beide Gruppen pflegen eine Opfer-Mentalität und versuchen, ihre Gedanken in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

    Reichsbürger-Pässe mit der Aufschrift "Deutsches Reich"
    © imago / Christian Ohde
    Für diese jahrelangen verdeckten Recherchen habe er sein Äußeres verändert, sich einen neuen Namen gegeben und eine virtuelle Identität mit Webseiten und Social-Media-Accounts aufgebaut.
    Mit Empathie und Zuhören schaue er sich immer wieder diese Kreise aus nächster Nähe an, um "verstehen zu können, was für ihn unverständlich ist". Und das Eindringen in diese Netzwerke sei auch gar nicht so schwer für ihn, denn: "Ich bin nun mal ein Mann, ich bin weiß und da stehen mir nun mal die meisten Türen offen."


    Natürlich sei er vor solchen Einsätzen nervös. Wenn man in diesen Zirkeln aber erst einmal drin sei, passiere etwas "ganz Brutales", sagt Tobias Ginsburg: "Normalität". Er fungiere als ein Echo, gebe das Gehörte einfach zurück und spiegele die Personen, die er treffe. Mit diesen Verhaltensweisen komme man in diesen Männerbünden sehr weit: "Jeder mag doch einen Kopfnicker, Ja-Sager und Mitmacher."
    Buchcover: "Die letzten Männer des Westens" von Tobias Ginsburg
    Tobias Ginsburg hat jahrelang in rechten Netzwerken für sein Buch recherchiert, was er als "Normalität" beschreibt.© Deutschlandradio / Rowohlt

    Tobias Ginsburg: "Die letzten Männer des Westens: Antifeministen, rechte Männerbünde und die Krieger des Patriarchats"
    Rowohlt, 2021
    336 Seiten, 16 Euro

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