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Lesart | Beitrag vom 31.03.2021

Till Hein: "Crazy Horse"Das schillernde Leben der Seepferdchen

Till Hein im Gespräch mit Joachim Scholl

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Ein Seepferdchen (Hippocampus kuda), ein im Indopazifik beheimatetes Seepferdchen. (imago / agefotostock / Steffstarr)
Hippocampus – so der lateinische Name des Seepferdchens – führt ein besonderes Dasein: Till Hein hat es in seinem Buch „Crazy Horse“ beschrieben. (imago / agefotostock / Steffstarr)

Seepferdchen sind niedlich. Doch in ihnen steckt viel mehr: Die Tierchen sind ausdauernde Tänzer, sehr emanzipiert und können ausgesprochen schlechte Laune bekommen. All das hat der Wissenschaftsjournalist Till Hein in einem Buch zusammengetragen.

Eigentlich hält der Wissenschaftsjournalist Till Hein nicht viel davon, die Tierwelt zu vermenschlichen. Doch Seepferdchen liefern geradezu eine Steilvorlage für eine solche Betrachtungsweise.

Deshalb wurde auch Hein schwach: Sie sind manchmal faul und launisch, Meister der Tarnung  und äußerst anmutige Tänzer. Außerdem tragen die Männchen die Kinder aus und leisten damit sozusagen einen Beitrag zu Themen wie "Familienarbeit" und "Gendergerechtigkeit".

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Seit vielen Jahren schreibt Hein unter anderem für die Zeitschrift "mare", und die kleinen Fischchen, die in Seegraswiesen und Mangrovenwäldern zu Hause sind, faszinieren ihn. Deshalb hat er jetzt mit "Crazy Horse" ein Buch über die zarten Meerestiere geschrieben, von denen einige Arten mittlerweile als bedroht gelten. Dennoch werden sie auf chinesischen Märkten als gegrillter Snack verkauft.

Kuriose Erkenntnisse der Forschung

Unterhaltsam und informativ erzählt Till Hein von der schillernden Welt der Seepferdchen: Er berichtet von kuriosen Erkenntnissen der aktuellen Forschung, geht Mythen auf den Grund und lüftet so Geheimnisse über die ungewöhnlichen Meerestiere.

Was hat es beispielsweise mit der Griesgrämigkeit der Seepferdchen auf sich? "Man hat festgestellt, dass sie akustisch kommunizieren", sagt Hein. "Und bei einer Art hat man zum Beispiel herausgefunden, dass diese drei unterschiedliche Laute von sich gibt. Und ein Geräusch ist ein Brummen: Das machen die Tiere, wenn sie genervt sind, wenn man sie zum Beispiel aus dem Aquarium heraushebt oder wenn sie geschnappt werden. Das mögen die nicht."

Ausdauernde Tänzer

Außerdem hätten Forscher beobachtet, dass die Männchen regelrechte Kampfturniere veranstalteten. Dabei kämen die Tierchen von Fall zu Fall recht aggressiv daher.

Hein fasziniert die Tatsache – wohl einzigartig im Tierreich –, dass bei den Seepferdchen die Männchen geschwängert werden und den Nachwuchs in einem Brutbeutel austragen. Ein gefundenes Fressen für Feministinnen und Feministen, schreibt der Autor.

Bewundernswert findet Hein, wie ausdauernd Seepferdchen tanzen können: Bis zu neun Stunden dauere der Hochzeitstanz – "da könnten wir nicht mithalten".

(mkn)

Till Hein: "Crazy Horse"
mareverlag, Hamburg 2021
240 Seiten, 22 Euro

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