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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.10.2018

Thüringer AfD Hitler-Gedenken sorgt für Aufregung

Henry Bernhard im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke  (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Der AfD-Politiker Björn Höcke erlebt einen Machtkampf in seiner Partei in Thüringen (dpa / picture alliance / Christian Charisius)

Der Machtkampf bei der Thüringer AfD verschärft sich. Jetzt wurde publik, dass ein Funktionär sich mit Nazi-Symbolen fotografieren ließ. Korrespondent Henry Bernhard erläutert, was das für Björn Höckes Zukunft als Spitzenkandidat bedeuten könnte.

Erst am Wochenende wurde in Thüringen der Wortführer des ultrarechten Parteiflügels der AfD, Björn Höcke, zum Spitzenkandidaten seiner Partei gewählt. Nun eskaliert der Machtkampf in der Landespartei, in dem Details einer umstrittenen "Hitler-Reise" öffentlich werden. Die "Thüringer Allgemeine" veröffentlichte einen Artikel, in dem sie von der Reise einiger AfD-Mitglieder zum Geburtshaus von Hitler im österreichischen Braunau am Inn und einer weiteren Fahrt auf dessen Spuren berichtete.

Blick auf das Geburtshaus von Adolf Hitler in der Salzburger Vorstadt in Braunau am Inn in Österreich (dpa/picture-alliance/Karlheinz Schindler)Blick auf das Geburtshaus von Adolf Hitler in der Salzburger Vorstadt in Braunau am Inn in Österreich. (dpa/picture-alliance/Karlheinz Schindler)

Für Aufsehen sorgt vor allem, dass Fotos existieren, die zeigen wie ein inzwischen entlassenes Mitglied des dreiköpfigen Landesschiedsgerichts der Partei in Braunau eine Kerze angezündet haben soll. Ein weiteres Foto soll den Ex-Funktionär dabei zeigen, wie er am Erholungsort Hitlers am Obersee bei Berchtesgaden ein Buch mit einem Bild des NS-Diktators in den Händen hält.  Darüber hinaus habe er für ein Foto hinter einem Tisch posiert, über den eine Decke gebreitet war, auf der ein Hakenkreuz und SS-Zeichen zu sehen seien, schreibt die Zeitung.

Neues Licht auf den Parteistreit  

Höcke habe sich zu dem Vorgang, der in der Partei schon seit September bekannt gewesen sei, bislang nicht geäußert, sagte unser Thüringer Landeskorrespondent Henry Bernhard im Deutschlandfunk Kultur. "Das Pikante daran ist eben, dieser mit Nazi-Symbolen posierende Jurist hat als Mitglied des Landesschiedsgericht Björn Höckes Weste reingewaschen", sagte der Journalist. Damals habe dieser Funktionär bei dem Parteiausschlussverfahren beim Bundesvorstand der AfD für Höckes Verbleiben gestimmt. Nun sei er vor dem Parteitag aus der AfD gedrängt worden. "Man hat davon gewusst, aber man hat natürlich auch versucht, das noch irgendwie unter dem Deckel zu halten." Die Auseinandersetzungen auf dem Parteitag könnten jetzt nochmal anders bewertet werden.    

Rausdrängen der Höcke-Kritiker  

Höcke habe beim Landesparteitag die wenigen Kritiker im Landesverband massiv angegriffen und zum Austritt aufgefordert, schilderte der Journalist seine Beobachtungen vom vergangenen Wochenende. "Es waren wirklich hässliche Szenen da in dieser Halle." Keiner von den etwas liberaleren Mitgliedern der AfD habe einen Listenplatz auf der Kandidatenliste für die Landtagswahl 2019 bekommen. Diese "alternative Mitte" habe noch am Sonntag eine Pressemitteilung herausgegeben, bei der sie einige Details der umstrittenen "Hitler-Reise" bereits beschrieben. "Sie bezeichnen Björn Höcke als eine Gefahr für die Partei." Er sei größenwahnsinnig und sollte aus der Partei geworfen werden.  

Sorge vor Verfassungsschutz

Bei vielen AfD-Mitgliedern gebe es große Sorgen vor einer möglichen Beobachtung durch den Verfassungsschutz, sagte Bernhard. "Diese Angst ist wirklich da." Die Partei fürchte dadurch Wähler und Mitglieder verlieren zu können.  

(gem)

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