Thüringen und Sachsen nach der Bundestagswahl

    Stadt-Land-Gefälle nutzt der AfD

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    Ortszentrum und Stadtkirche in Vacha, Thüringen.
    Die in Thüringen geborene Politologin Judith Enders beobachtet die AfD-Erfolge in ihrer alten Heimat mit Sorge. © picture alliance / Bildagentur-online / Sunny Celeste
    Judith Enders im Gespräch mit Stephan Karkowsky  · 27.09.2021
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    Der Osten Deutschlands kam im Wahlkampf und in der Berichterstattung zu wenig vor, kritisiert die Politologin Judith Enders. Nach den Erfolgen der AfD in Thüringen und Sachsen braucht es einen neuen Blick auf das Stadt-Land-Gefälle.
    Als gebürtige Thüringerin "bekommt man schon einen Schreck, wenn auf der Karte mit den Wahlergebnissen in Sachsen und Thüringen plötzlich alles blau aussieht", sagt die Politologin Judith Enders.
    Angesichts der großen Erfolge für die AfD sei für sie persönlich auch Fremdschämen dabei. "Gleichzeitig ist es auch ein Signal, das mal wahrgenommen werden muss."

    "Man kann nicht pauschal sagen, der Osten wählt rechts, und da können wir uns nicht im Westen gemütlich zurücklehnen und denken, das ist eben nur ein Problem dahinten hinter der Mauer." Stattdessen müsse man genauer hinschauen.

    Der "Frust" nach 30 Jahren

    "Man hat im Wahlkampf überhaupt nichts über die spezifischen Themen des Ostens gehört und auch nicht in der Wahlberichterstattung", kritisiert die Politologin. Bei der AfD sehen offenbar einige Wähler die Chance, dass alles einmal ganz anders gemacht wird, vermutet sie.
    "Nach 30 Jahren Deutsche Einheit ist immer noch Frust vorhanden."
    Es sei beschämend für die ganze Bundesrepublik, dass es nach Jahren nicht gelungen sei, den Wandel so zu gestalten, dass alle Bürgerinnen und Bürger damit zufrieden sein könnten.

    Anderer Trend in Mecklenburg-Vorpommern

    Die Linkspartei wirkt offenbar nicht mehr als Protestpartei, was einer der Gründe für das gute Abschneiden der AfD ist, meint Enders. Außerdem spielt das Stadt-Land-Gefälle eine wichtige Rolle.
    In Mecklenburg-Vorpommern sei das anders, weil mit der SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig eine große Sympathieträgerin und "Landesmutter" bereit stand. Vielleicht müssten auch mehr Ostdeutsche in die Heimat zurückkehren und sich politisch als Landräte und Bürgermeister gegen die AfD engagieren.
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