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Lesart | Beitrag vom 13.09.2019

Thrillerautor Adam BrookesAus dem chinesischen Nähkästchen geplaudert

Von Marten Hahn

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Adam Brookes posiert vor winterlich kahlen Bäumen. (Selena Malott / Suhrkamp Verlag)
Der Schriftsteller Adam Brookes hat kürzlich seinen Thriller "Der Chinesische Verräter" veröffentlicht. (Selena Malott / Suhrkamp Verlag)

Geheimdienste, totale Überwachung, digitale Kriegsführung: Adam Brookes' "Der chinesische Verräter" gehört zum Besten, was es derzeit an Thrillern gibt. Dabei wollte der frühere China-Korrespondent der BBC ursprünglich nur ein Sachbuch zum Thema schreiben.

Eigentlich wohnt Adam Brookes mittlerweile in Washington. Aber gerade macht er Urlaub in der Heimat, nahe Oxford. Deswegen hat er vorgeschlagen, sich hier zu treffen. Wir irren eine Weile durch ein Einkaufszentrum, dann entscheiden wir uns für ein Restaurant auf der Dachterrasse.

Kaffee kommt. "Thank you very much", sagt Brookes. Die Spionage-Thriller des ehemaligen China-Korrespondenten gehören zum Besten, was das Genre derzeit zu bieten hat. Dabei fing alles mit einem Scheitern an.

"Mir wurde in China bewusst, dass es da diese Riesen-Spionage-Geschichte zwischen China und dem Westen gibt", so Brookes. "Als Korrespondent bekam ich einen flüchtigen Eindruck davon und entschied mich, ein Sachbuch über diese Welt zu schreiben. Aber das war zu schwer. Man hat die Fakten einfach nicht zusammenbekommen."

Einiges aus dem Roman hat er selbst erlebt

Also entschied sich Brookes, einen Spionage-Roman zu schreiben, aus dem später eine Trilogie werden sollte. Philip Mangan, ein britischer Korrespondent in Peking, wird darin in die Welt der Spione und Geheimdienste gelockt. Vieles in "Der Chinesische Verräter" ist recherchiert, vieles ausgedacht, aber vieles auch selbst erlebt:

"Die Art und Weise, wie er durch den chinesischen Staat überwacht wird, die Zusammenstöße mit der chinesischen Staatssicherheit, die Geschichten, an denen er arbeitet. All diese Sachen, die Philip Mangan erlebt, sind Erfahrungen aus meiner Zeit als Radio- und TV-Reporter für die BBC in China."

Fast zehn Jahre hat Brookes für die BBC aus China berichtet. In dieser Zeit wurden auch ihm Angebote gemacht, die man besser ablehnt:

"Ich war an einem Sonntagnachmittag im Büro", erinnert er sich. "Es war sehr ruhig. Da klopfte es. Vor der Tür stand ein älterer Herr mit einem Koffer, der unbedingt mit mir sprechen wollte. Er zog zwei geheime Dokumente der chinesische Regierung aus dem Koffer. Die waren nicht wahnsinnig geheim, aber dennoch Material, dass man als ausländischer Journalist nicht besitzen sollte. Die versuchte er mir mehrmals anzudrehen."

In drei Romanen um die Welt

Im Buch beginnen so die Abenteuer des Philip Mangan. Der Journalist wird zu einer Figur auf dem Schachbrett der Geheimdienste. Es beginnt eine lebensgefährliche Reise, die Mangan im Laufe von drei Romanen um die Welt führt. Immer im Schatten der Supermacht China. Im wahren Leben sagte Adam Brookes jedoch:

"Danke, aber: nein danke. Die Regel für Reporter ist: Niemals geheime Dokumente annehmen. Schau sie dir an, aber behalte sie nie. Das ist gefährliches Zeug. Ich schickte den Mann sofort weg und sagte ihm, ich wolle ihn nie wieder sehen."

Aber der Mann blieb – als Erinnerung. Und wurde so zu einem Charakter in Brookes Büchern, einem chinesischen Spion namens Peanut, Erdnuss. Überhaupt spielt Essen eine große Rolle in Brookes Büchern: pfeffrige Nudelsuppen, Teigtaschen mit Hackfleisch. Immer wieder beobachtet man als Leser die Protagonisten beim Essen.

"Ich habe Essen ganz bewusst eingesetzt, um eine emotionale, instinktive und sinnliche Verbindung zu China und seinen Bürgern aufzubauen", erklärt Brookes. "Es ist sehr schwer, für ein westliches Publikum über China und Chinesen zu schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber es gibt da diese kulturelle Blockade. Ich habe also nach Dingen gesucht, die die Leser in diese Welt hineinziehen."

Wird Brookes' nächstes Buch dann doch ein Sachbuch?

Eine Strategie die hervorragend funktioniert. Dazu kommt Brookes Fähigkeit, Spannung aufzubauen, ohne literarisch zu verlieren. Und all das in einer Geschichte, die zeitgemäßer kaum sein könnte - über Chinas Aufstieg zur Supermacht, digitale Kriegsführung und totale Überwachung.

"Abgesehen von einer spannenden Lektüre hoffe ich, dass die Bücher vermitteln, wie sich der weltweite strategische Wettbewerb in den kommenden 20, 30, 40 Jahren entwickelt", sagt er. "Er wird sich in Glasfasernetzen und über Computerserver abspielen, über Spionage und Überwachung. In diesen Bereichen werden die Kriege der Zukunft ausgetragen."

In seinem nächsten Projekt will sich Adam Brookes jedoch zunächst der Vergangenheit widmen: Er will ein Sachbuch über chinesische Geschichte schreiben. Als begeisterter Leser von Brookes Thrillern wünscht man sich fast, dass ihm das misslingt und er stattdessen den nächsten Roman schreibt.

Adam Brookes: "Der chinesische Verräter"
Aus dem Englischen von Andreas Heckmann
Suhrkamp-Verlag, Berlin 2019
405 Seiten, 15,95 Euro
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