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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 24.05.2016

Theologin Uta Ranke-HeinemannVon der Kirchenrebellin zur Glaubensskeptikerin

Moderation: Klaus Pokatzky

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Ein Fundus von Geschichten, Geschichte und Sachverstand - und das in zwölf Sprachen: Uta Ranke-Heinemann. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)
Ein Fundus von Geschichten, Geschichte und Sachverstand - und das in zwölf Sprachen: Uta Ranke-Heinemann. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)

Die Theologin Uta Ranke-Heinemann hat keine Gelegenheit ausgelassen, die katholische Kirche zu provozieren. Inzwischen hat sie sich vom traditionellen Christentum abgewandt und plädiert für einen menschlichen Zugang zum Glauben.

"Es ist der Inhalt meines Glaubens: Gott und ewiges Leben." Im kommenden Jahr wird Ranke-Heinemann 90 Jahre alt. Sie wurde 1970 die erste Professorin für katholische Theologie – weltweit. Schon in ihrer erzprotestantische Familie galt sie als Rebellin, weil sie mitten im Theologiestudium zum Katholizismus wechselte und einen Katholiken heiratete. Später ließ sie keine Gelegenheit aus, sich mit der katholischen Kirche anzulegen. Uta Ranke-Heinemann, Tochter des ersten sozialdemokratischen Präsidenten der Bundesrepublik wurde eine der namhaftesten katholischen Theologinnen und Kritikerinnen der katholischen Kirche. Letztendlich entzog die ihr die Lehrerlaubnis, Ranke-Heinemann blieb aber Professorin und lehrte "Religionsgeschichte" an der Universität in Essen. Ihre Lebensbilanz fällt bitter aus, denn sie sagt, in der katholischen Kirche habe sie "nichts erreicht." Geblieben sei ihr aber der Glaube an Gott.

Sie wollte sogar Bundespräsidentin werden

Mit ihrem Standardwerk "Eunuchen für das Himmelreich" ist sie zur Vorsprecherin eines liberalen Umgangs mit der Sexualität auch in der katholischen Kirche geworden. Sie setzte sich gegen Zölibat und Frauenfeindlichkeit ein, 1999 kandidierte sie für das Amt des Bundespräsidenten. Gegen den ausdrücklichen Wunsch vor allem ihres Vaters heiratete sie 1954 ihren ehemaligen Klassenkameraden, den katholischen Religionslehrer Edmund Ranke: "Mein Mann war unendlich wichtig für mich. Er war der Einzige, den ich eigentlich heiraten konnte. Natürlich eben alles, was ich auch nicht so glaube, Unfehlbarkeit des Papstes und die Tüte auf dem Kopf. Jesus lief auch nicht mit so einer Tüte rum. Mein Mann und ich, wir waren uns völlig einig." Im Gespräch mit Klaus Pokatzky betont sie, wie sehr der Tod ihres Mannes 2001, sie aus der Verankerung gerissen habe: "Mein Wunsch ist, nur zu sterben und bei meinem Mann zu sein."

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