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Lesart / Archiv | Beitrag vom 03.03.2017

Thea Dorn und das Literarische QuartettNicht auf Krawall gebürstet

Moderation: Joachim Scholl

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Die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Thea Dorn während der Sendung "Das literarische Quartett" (dpa picture alliance/ Svea Pietschmann)
Die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Thea Dorn während der Sendung "Das literarische Quartett" (dpa picture alliance/ Svea Pietschmann)

Maxim Biller geht, Thea Dorn kommt: Heute feiert die Schriftstellerin ihren Einstand als Neu-Mitglied des "Literarischen Quartetts" im ZDF. Sie fühle sich dabei ein wenig wie ein Ritter, der für sein Fräulein, das Buch, in den Ring steige, sagt Thea Dorn.

Personalwechsel im Literarischen Quartett: Die Schriftstellerin Thea Dorn, bekannt für ihre ebenso philosophischen wie rabiaten Krimis, ersetzt Maxim Biller und wird künftig zusammen mit Volker Weidermann und Christine Westermann das Stamm-Trio der Literatursendung im ZDF bilden.

Sie bedaure den Weggang des Kollegen, den sie "als streitbaren Geist sehr schätze, sagte Dorn. "Es wäre mir lieber gewesen, ich wäre vielleicht  auf einen vierten festen Stuhl gerutscht und Maxim Biller wäre noch dabei."

Der Purismus des Formats

Sie werde jedoch dessen Rolle des auf Krawall gebürsteten Kritikers nicht Eins zu Eins übernehmen -  sie werde definitiv "keine Maxima Biller" sein. Sie werde nicht plötzlich zur Literaturkritikerin, sondern bleibe die Schriftstellerin, die über die Bücher von Kollegen spreche.

Dorn, die schon als Gastkritikerin in der Runde des Literarischen Quartetts saß, reizt "der Purismus des Formats". Dies habe ihr ursprünglich auch an ihrer eigenen Literatursendung im SWR-Fernsehen gefallen. Doch dann habe der Sender entschieden, daraus ein buntes Magazin zu machen – und das entspreche ihr nicht.

Das Literarische Quartett gefalle ihr auch deshalb, weil es sie an "Ritterspiele" erinnere:

"Jeder hat sein Buch dabei – sein Fräulein – das er verteidigen möchte. Und für dieses Buch geht er in den Ring und kloppt sich mit den anderen."

Kein fieses Abkanzeln von Kollegen

Als Kritikerin von Autoren-Kollegen werde es ihr keineswegs um ein "fieses Abkanzeln" gehen. Zunächst müsse jedes Buch mit Fairness behandelt werden – und sie wolle versuchen, "das Zentrum des Buches zu erspüren". Erst dann könne man die Frage stellen, ob ein Autor an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert sei. Dagegen halte sie nichts davon, einfach zu sagen: Das Buch passt mir nicht. Das sei so, als würde man als Wagner-Fan per se Mozart-Sinfonien vorwerfen, dass sie keine Wagner-Kompositionen seien, weil man mit Mozart nicht so viel anfangen könne.

Thea Dorn sagte weiter: Nach wie vor sei sie verblüfft, welchen Einfluss das Literarische Quartett auf die Verkaufszahlen der besprochenen Bücher habe. Zwar seien die Zeiten vorbei, in denen Marcel Reich-Ranicki nur "ein großartiges Buch" zu sagen brauchte – und schon seien  am nächsten Tag die Verkaufszahlen nach oben geschnellt. Doch habe sie nach wie vor den Eindruck, dass eine positive Besprechung im "LiterarischenQuartett" ein Buch pushen könne.

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