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Breitband | Beitrag vom 09.03.2019

The HandmAIds Fail Die gesellschaftliche Wirkung von weiblichen Sprach-Assistenten

Moderation: Jenny Genzmer und Tim Wiese

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Eine Frau steht in einem sehr grellbunten Küchenraum und reicht einen Kuchen Richtung Betrachter. (Unsplash/Marisa Howenstine)
Stellen wir uns Siri, Cortana und Alexa etwa so als Mensch vor? (Unsplash/Marisa Howenstine)

In Millionen Haushalten spielen Sprach-Assistenten auf Zuruf Musik ab, schalten das Licht an und aus oder tragen Termine ein. Allerdings sind sie eher Sprach-Assistentinnen, denn die Standard-Stimmen sind weiblich - eine folgenschwere Voreinstellung.

Dienen war lange Zeit eine weibliche Aufgabe. Für die niederen Aufgaben im Haushalt waren Frauen zuständig, sie erledigten die Einkäufe, die Wäsche und kochten. Die bürgerliche Frau hörte auf ihren Mann, folgte Befehlen und sollte vor allem keinen eigenen Willen zeigen.

Natürlich gab es auch die Figur des Butlers, doch dieser war im Endeffekt nur ein Diener, der die Befehle des übergeordneten Mannes an die ausführenden Frauen weitergab, den Dienstmädchen in einem größeren Haushalt vorgesetzt war und dem Herr des Hauses den Ärger ersparte, sich direkt mit den Haushaltsgehilfen zu kommunizieren.

Moderne Technik, alter Geschlechterrollen

Der Klangforscher Holger Schulze sagt, dass die Sprachassistentinnen die digitalen Dienstmägde unserer Zeit sind. Wir befehlen, sie führen aus. Doch warum eigentlich? Führt dies nicht zurück zu längst verworfenen Geschlechterrollen, vielleicht sogar ohne dass wie dies bewusst wahrnehmen?

Deutlich wird dies weniger bei erfolgreichen Befehlen, als bei unverstandenen Eingaben über Sprache. Dann heißt es: "Das kann sie nicht", "so intelligent ist sie nicht" oder "mann ist sie blöd". Korrekt wäre es, dass neutrale Personalpronomen "Es" zu benutzen, die Maschine als das zu bezeichnen, was es ist.

Doch der Mensch ist anders gestrickt. Wenn die Stimme einer Maschine weiblich oder männlich klingt, dann wird diese auch als männlich oder weiblich bezeichnet - völlig abgesehen davon, dass die Namen Siri, Cortana und Alexa vorn vornherein Weiblichkeit suggerieren.

Logische Lösung: Genderneutrale Stimmen?

"Einer demokratischen Kultur, die auf Gleichstellung bedacht ist, ist dies aber nur wenig zuträglich. Die digitalen Dienstmägde der Gegenwart verfestigen und verewigen Geschlechterhierarchien, Ungleichbehandlung und Ausbeutung," meint Holger Schulze.

Mittlerweile gibt es Gegenbewegungen. Die NGO "EqualAI" unterstützt die Entwicklung einer genderfreien Stimme. "Q" soll sie heißen und eine Alternative bieten. Mehr als diese Ankündigung findet man bisher aber darüber nicht.

Und es bleibt die Frage, ob der Schaden nicht schon angerichtet ist und Nutzer sich bereits an das digitale Dienstmädchen gewöhnt haben. Und was ist mit denen, denen dies bewusst ist? Ändern sie die Grundeinstellung der kleinen Geräte - diese Möglichkeit gibt es ja bereits. Und warum wird bei der Einrichtung nicht direkt gefragt, wie die Stimme klingen soll? Könnte auch hier erneut eine Rolle spielen, dass die Tech-Industrie auch von Design-Seite noch immer von Männern geprägt ist?

Anlässlich des internationalen Tag der Frauen gibt Katharina Peetz einen Überblick über Forschung zur Auswirkung von Geschlechterrollen in Assistenz-Systemen, Jenny Genzmer und Tim Wiese diskutieren über Herkunft und Alternativen mit Holger Schulze.

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