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Fazit | Beitrag vom 16.04.2021

"The Dying Swans Project" von Gauthier DanceDer sterbende Schwan lebt

Dorion Weickmann im Gespräch mit Johannes Nichelmann

Ein Mann mit weiß geschminktem Gesicht und schwarz umrandeten Augen krümmt sich, nur mit einem silbernen Slip bekleidet, im Scheinwerferlicht. (Jeanette Bak)
"Der sterbende Schwan" in 16 unterschiedlichen Handschriften - hier "Kamma" von Smadar Goshen. (Jeanette Bak)

Das berühmteste Ballett-Solo wird fit gemacht für die Gegenwart: In „The Dying Swans Project“ gibt es 16 Versionen des sterbenden Schwans – von nah am Original bis zum Lockdown-Dramolett.

Von wegen sterbend! Der in Stuttgart residierende Choreograf Eric Gauthier will mit "The Dying Swans Project" zeigen, wie vital Kunst auch nach monatelangem Lockdown noch sein kann: 16 Tanz-Videos gibt es zu sehen, alles Neuinterpretationen des berühmten Ballett-Solos "Der sterbende Schwan", das Michel Fokine 1905 für die Primaballerina Anna Pawlowa entwickelt hat.

Präsentiert vom Theaterhaus Stuttgart und den Ludwigsburger Schlossfestspielen gibt es, neben "Covid Cage" von dem 44-jährigem Kanadier, 15 weitere Beiträge, unter anderem von Edward Clug, Bridget Breiner, Andonis Foniadakis oder Constanza Macras. Getanzt werden alle Choreografien von der Compagnie "Gauthier Dance".

Ganz verschiedene Handschriften

Neben unterschiedlichen choreografischen Handschriften sind auch die Drehorte ganz verschieden, sagt die Tanzkritikerin Dorion Weickmann. Eric Gauthier inszeniert sein Mini-Dramolett zwischen einem jungen Mann und einer weißhaarigen Dame in einer Privatwohnung. "Das ist toll und humorvoll gemacht", so Weickmann.

Die Karlsruher Ballettchefin Bridget Breiner sei dagegen eher klassisch orientiert, urteilt Weickmann. Eine schwarz gewandete Tänzerin mit Spitzenschuhen bewegt sich auf einer Bühne: "Das ist eigentlich am nächsten am Original."

Kinsun Chan vom schweizerischen Theater St. Gallen stellt eine Tänzerin in einen White Cube und lässt sie dort mit weißen Stühlen hantieren. "Das ist ein tolles Bild für die jetzige Situation im Theater", sagt Weickmann.

Insgesamt sei die Auswahl ein Brückenschlag zwischen international renommiertem zeitgenössischem Ballett und freier Szene, sagt Weickmann. Und so sei das Projekt nur zustande gekommen, weil Eric Gauthier ein guter Kommunikator sei: "Das braucht jemanden, der wirklich ganz viele Leute an Bord eines einzigen Schiffes holt."

(beb)

Alle 16 Videos von "The Dying Swans Project" sind auf YouTube oder bei 3Sat zu sehen.

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