Tangerine Dreams neues Album „Raum“

Die Bürde des Vermächtnisses

Die drei Mitglieder von Tangerine Dream performen auf einer grün-blau beleuchteten Bühne.
Das neue Album von Tangerine Dream baut auf Arrangements des verstorbenen Bandgründers Edgar Froese auf. © Melanie Reinisch
Thorsten Quaeschning im Gespräch mit Vivian Perkovic · 24.02.2022
Eine Bassnote 20 Minuten klingen lassen oder bei einem Auftritt auf Flipperautomaten, Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen: Tangerine Dream begann in den 1960ern mit anarchischen Auftritten. Nach dem Tod des Gründers Edgar Froese gibt es nun ein neues Album.
Vor 55 Jahren hat Edgar Froese angefangen, seinen Nonkonventionalismus in Musik zu gießen. 1967 hat er mit anderen Studenten Tangerine Dream gegründet und dann probiert, wie weit er mit anarchischen und das Gewohnte sprengenden und herausfordernden Auftritten gehen konnte. Er hat beispielsweise eine Bassnote 20 Minuten lang klingen lassen oder bei einem Fernsehauftritt auf zwölf Flipperautomaten gespielt, auf Gitarre, Bass und Schlagzeug.
Auf mehr als 90 Studioalben haben Edgar Froese und seine oft wechselnden Mitmusiker dann diese sich langsam flächig entfaltende, schwebende, elektronische Musik erforscht und entwickelt. Wo Kraftwerk kurz und konzentriert waren, waren Tangerine Dream ausschweifend und frei.

Kombination von Studio und Auftritt

2005 ist Edgar Froese an einer Lungenembolie gestorben. Aber nun gibt es mit "Raum" ein neues Album von Tangerine Dream.
Mit den Kompositionen hätten sie 2020 begonnen, seit April 2021 seien in einem Studio gewesen, sagt Thorsten Quaeschning, seit 2003 bei Tangerine Dream. Sie hätten erstmals die Vorzüge einer Studioproduktion – die kontrollierte Arbeitsatmosphäre, das Noch-mal-Einspielen, wenn man Fehler macht, und den Zugang zu möglichst viel Equipment und Instrumenten – kombinieren wollen mit Dingen, die sie auf der Bühne gelernt hätten. Letzteres sei vor allem die „Echtzeitkomposition“ am Ende eines jeden ihrer Konzerte.
Das sei eine freie Session, aber mit gewissen Regeln: zum Beispiel Variationen und leichte Vorgaben von Tonschritten ähnlich wie in der klassischen Musik oder beim Jazz. „Dort ist das Schöne, dass Dinge zeitgleich passieren.“

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Sie hätten mit der Idee gespielt, dass "Raum" ein einzelner Raum sein kann, aber auch beispielsweise ein Safe Space. Im Englischen gebe es für "Raum" das Wort "room" und das Wort "space", das könne sehr Verschiedenes sein.
Mit dem neuen Mitglied Paul Frick von der Band Brandt Brauer Frick würden sie sehr kurz und perkussiv spielen. Plump gesagt lasse das auch Raum für Töne, so Quaeschning. Die Stille zwischen den Tönen könne man selbst füllen – und damit auch Raum schaffen. Auch aus den sphärischen Synthesizer-Klängen entstehe Raum.

Auftrag von Edgar Froese

Es sei nicht seine eigene Entscheidung gewesen, Tangerine Dream nach dem Tod von Edgar Froese weiterzuführen, betont Thorsten Quaeschning. „Das war ein Plan von Edgar. Und da ich da irgendwie so eine Art Meister-Schüler-Situation hatte, war es einfach ein weiterer Auftrag von Edgar für mich“, so der Musiker.
„Dann hat man natürlich bei Tangerine immer das Problem oder die Bürde, das Vermächtnis weiterzutragen. Allerdings auch mit der Aufgabe, nicht nostalgisch zu klingen, also nicht zu sehen und das zu verbinden, das ist gerade unsere Aufgabe.“
(abr)

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