Symphonisches Orchester Kiew

Ukrainische Klassik

90:33 Minuten
Eine kleine ukrainische Fahne steckt am Ende eines Kontrabasses, der auf der Bühne angelehnt ist.
Die Musiker des Symphonischen Orchesters Kiew durften ausreisen und müssen am 5. Mai zurück sein. © picture alliance / dpa / Robert Michael
Moderation: Volker Michael · 27.04.2022
„Es ist schade, dass es unter diesen Umständen dazu kommt, dass die ukrainische Musik aufblüht und überall gespielt wird“, so Diana Tishchenko, Solistin des Symphonischen Orchesters Kiew. Die Musiker eröffneten mit diesem Dresdner Abend ihre Deutschlandtournee.
Kurzfristig wurde diese deutschlandweite Tournee des Symphonie Orchesters Kiew geplant. In Dresden fand der Auftakt dieser Konzertreise statt. Im Mittelpunkt des Programmes steht Musik des Landes, mit dem sich ein großer Teil der Welt solidarisiert. Das Orchester reist mit dem Programm, das mit "Voice of Ukraine" überschrieben ist.
Ein Zeichen kulturellen Selbstbewusstseins soll die Tour durch Polen und Deutschland aussenden. Und des Überlebenswillens, angesichts der russischen Aggression. Die sind nicht neu, sondern dauern Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte an.

Ein Italiener in Kiew

Chefdirigent des Kiewer Orchesters ist Luigi Gaggero, ein italienischer Musiker, der schon seit einigen Jahren in der ukrainischen Hauptstadt lebt und arbeitet.

Ein Ukrainer in Italien

Der Abend beginnt mit der ersten klassischen Sinfonie, die von einem osteuropäischen Komponisten überliefert ist. Maxim Berezowski war ein Zeitgenosse Mozarts und studierte sogar bei dem selben Lehrer, bei Padre Martini in Bologna.
Er wirkte als Sänger, Musiker und Komponist am Zarenhof in Petersburg, doch sein Geburtsort Hluchiw liegt in der Ukraine, und sein erster Wirkungsort war Kiew. Die von ihm überlieferte erste Sinfonie komponierte Berezowski noch in Italien, wo er mindestens vier Jahre gelebt hat. Die letzten Jahre als Angestellter am Zarenhof sollen für ihn so frustrierend gewesen sein, dass er im Alter von 32 Jahren sein Leben selbst beendet hat. Italien bescherte ihm also eine glückliche und kreative Zeit. Das höre man dem Werk deutlich an, findet der Dirigent Luigi Gaggero.

Von der Krim in die Welt

Diana Tishchenko ist Solistin des Abends. Sie wurde 1990 auf der Krim geboren und begann als Sechsjährige mit dem Geigenspiel. Später studierte sie bei Tamara Mukhina an der Lysenko Spezialmusikschule in Kiew und bei Ulf Wallin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Sie ist inzwischen international unterwegs und reist nun mit Kollegen aus der Heimat.
Diana Tishchenko hält in der einen Hand ihre Geige, in der anderen schlägt sie ihren Mantel zu, der ein Stickmuster zeigt.
Diana Tishchenko gewann 2018 den internationalen Long-Thibaud-Crespin-Wettbewerb in Paris und zog damit die Aufmerksamkeit vieler Orchester auf sich.© Imago / Masha Mosconi
Hauptwerk im zweiten Teil ist die gewaltige dritte Sinfonie von Borys Ljatoschynskyi. Der Untertitel des Werkes heißt „Der Friede wird den Krieg besiegen“.

Aktueller denn je

Der Komponist schrieb das Werk Anfang der 1950er-Jahre und konnte nicht ahnen, dass seine musikalischen Auseinandersetzung mit dem zweiten Weltkrieg 70 Jahre später ungeahnt aktuell klingen würden: schroffe und wütende Passagen stehen neben lyrisch sehnsuchtsvollen.

Warum die Reise so wichtig ist und welche Botschaft die Tournee bringen soll, darüber sprach die Geigerin Liza Zaitseva in unserer Sendung "Musikjournal":
Das Symphony Orchestra Kiew auf Deutschland-Tour - Gespräch mit Liza Zaitseva
12:15 Minuten

Unsere Autorin Alexandra Gerlach hat die Musiker vor ihrem Auftritt in Dresden bei den Proben besucht:
Klassik gegen den Krieg
06:37 Minuten

Konzertmitschnitt vom 25. April 2022 im Dresdner Kulturpalast

Maxim Berezovsky
Sinfonie C-Dur

Ernest Chausson
Poème für Violine und Orchester Es-Dur op. 25

Myroslav Skoryk
Melodie

Borys Ljatoschynskyj
Sinfonie Nr. 3 op. 50

Mehr zum Thema