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Fazit | Beitrag vom 16.06.2021

Symbolpolitik"Der Handschlag ist ein Friedenszeichen"

Claus Leggewie im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Russlands Präsident Vladimir Putin und US-Präsident Joe Biden geben sich bei ihrem Treffen in Genf die Hand. (picture alliance / Associated Press / Patrick Semansky)
Wenn Bilder sprechen: Die Art, wie sich Biden und Putin die Hände schütteln, sage viel über das Verhältnis zueinander aus, sagt Claus Leggewie. (picture alliance / Associated Press / Patrick Semansky)

In das offizielle Händeschütteln von Staatschefs wird oft viel Bedeutung gelegt, so auch bei Joe Biden und Vladimir Putin. Der Handschlag hat eine lange Tradition als Friedensbekundung, sagt der Politologe Claus Leggewie.

Ein kurzer Blick in die Augen und ein Händeschütteln: Das war der visuelle Auftakt des Treffens zwischen US-Präsident Joe Biden und Russlands Präsident Vladimir Putin in Genf. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie hat die Fotos der Begegnung der beiden Staatschefs analysiert:

"Man vermerkt, dass es ein kurzer Handschlag ist. Hier sind ja zwei halbverfeindete Mächte miteinander ins Gespräch gekommen, und in der Diplomatie ist es eben auch so, dass man mit mutmaßlichen oder tatsächlichen Killern eben auch redet und verhandelt."

"Eine neue Eiszeit" zwischen den USA und Russland

Die Begegnung habe "steif" und "sehr gezwungen" ausgesehen, so Leggewie. Es sei kein "freundliches Tête-à-Tête" gewesen, wie man es noch bei Trump und Putin gesehen habe. Die Beziehungen bewegten sich wieder auf "eine neue Eiszeit" zu, denn es habe in der Vergangenheit zwischen den beiden Mächten auch schon freundlichere Begegnungen gegeben wie beispielsweise zwischen "Carter und Breschnew oder Reagan und Gorbatschow". 

Damals habe es so etwas wie eine "friedliche Koexistenz in einem noch sehr geordneten Ost-West-Konflikt" gegeben. "Das heißt, man war auf einem relativ gesicherten Terrain. Heute ist alles in Bewegung geraten, geopolitisch und geostrategisch, und das macht die Akteure natürlich erheblich unsicherer."

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Wenn man die Pressekonferenzen betrachte, sei nicht "viel Optimismus Weckendes hervorgekommen", meint Leggewie, "und deswegen ist es besonders wichtig, wie diese Handshakes so gehen."

Historisches Symbol für Demokratie und Frieden

Möglich gewesen wäre zwischen zwei verfeindeten Mächten auch, dass es gar keinen Handschlag gibt. Das sei vermieden worden.

"Der Handschlag ist ein Friedenszeichen schon seit Babylon, seit der griechischen Antike. Hier hat man sich gezeigt: 'In meiner Hand ist keine Waffe, und deswegen kann in deiner auch keine sein. Wir schütteln uns die Hände, weil wir damit deutlich machen, dass wir friedlich sind'."

 Und es sei auch ein demokratisches Symbol gewesen, "weil die beiden, die sich da begegnen, eben von gleich zugleich verhandeln". Es gebe in der Geschichte viele bedeutende "Handshakes", die sich aber manchmal auch in der rückblickenden Wahrnehmung historisch veränderten.

Einzig Donald Trump habe entgegen allen Traditionen durch seinen sehr festen Händedruck beim Händeschütteln seine Machtposition deutlich gemacht, wie etwa beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Das sei "fast ein Duell" gewesen, "was er sich im Wrestling mit Emmanuel Macron geliefert hat, und dann auch mit dem japanischen Premierminister".

(kpa)

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