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Studio 9 | Beitrag vom 04.10.2016

Susan Sarandon wird 70"Das Schlimmste ist, dass so viele schweigen"

Von Nicole Markwald

Susan Sarandon in der Rolle als Louise Elizabeth Sawyer in dem Kultfilm "Thelma & Louise". (imago/EntertainmentPictures)
Susan Sarandon in der Rolle als Louise Elizabeth Sawyer in dem Kultfilm "Thelma & Louise". (imago/EntertainmentPictures)

In dem Kultfilm "Thelma & Louise" spielte Susan Sarandon Anfang der 90er die kriminell gewordene Kellnerin Louise Sawyer. Die US-Schauspielerin ist bis heute für ihren politischen Aktivismus bekannt. Heute wird sie 70.

Susan Sarandon ist keine, die mit ihrer Meinung hinterm Berg hält. Auf einer Protestveranstaltung gegen eine geplante Ölpipeline, die von North Dakota aus unter anderem durch historische heilige Stätten der amerikanischen Ureinwohner führe soll, sagte sie vor wenigen Wochen:

"Das hier zeigt, was für ein Heuchler Obama ist, und alle anderen, die so tun, als wären ihnen die Umwelt und unsere Erde wichtig. Wem an der Umwelt liegt, sollte weder Fracking noch dieses Pipeline-Projekt unterstützen."

Sarandon lehnt die Pipeline ab, sie hat sich im Wahlkampf für den Linken Bernie Sanders stark gemacht und tut sich extrem schwer mit Hillary Clinton.

Die dreifache Mutter tauchte auch in einem Flüchtlingslager in Griechenland auf und setzt sich für eine Begnadigung des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden ein.

Oscar für eine Rolle, die ihr am Herzen lag

Auch ihren bislang einzigen Oscar verdankt sie einer Rolle zu einem Thema, das ihr am Herzen liegt. In "Dead Man Walking - Sein Letzter Gang” spielte sie eine Nonne, die einen zum Tode Verurteilten vor der Hinrichtung betreut.

Bei der Oscar-Verleihung 1996 verkündete Tom Hanks: "And the Oscar goes to Susan Sarandon, 'Dead Man Walking'."

Mehrfach war sie schon zuvor für den Oscar nominiert worden: für "Lorenzos Öl", "Der Klient" und "Thelma & Louise". Darin spielen Susan Sarandon und Geena Davis zwei Frauen, die mit einem Ford Thunderbird für ein Wochenende aus ihrem trostlosen Alltag entfliehen wollen.

Schauspielerin Susan Sarandon im Mai 2016 in Cannes. (dpa / picture alliance / EPA / Sebastien Nogier)Schauspielerin Susan Sarandon im Mai 2016 in Cannes. (dpa / picture alliance / EPA / Sebastien Nogier)

Die Reise endet mit dem Tod beider Frauen. Bis heute gilt "Thelma & Louise" als Kultfilm gegen Männergewalt. Seine Popularität erklärt Sarandon 25 Jahre später so:

"Vielleicht sagt der Film, Du bist das, mit dem du dich zufrieden gibst. Es war ein romantisches Roadmovie, das am Ende eine viel größere Bedeutung bekam."

Zufällig in die Schauspielerei gestolpert

Dabei ist sie eher in die Schauspielerei gestolpert: noch als Literaturstudentin begleitete sie ihren damalige Mann zu einem Casting - er hatte kein Glück, aber Sarandon ihre erste Rolle. Sie spielte für Louis Malle in "Pretty Baby" und "Atlantic City".

Bis heute populär ist das Musical "Rocky Horror Picture Show", in dem sie das schüchterne Mädchen Janet spielt - obwohl sie bis dahin glaubte, nicht besonders gut singen zu können.

Zuletzt spielte sie in "Mit besten Absichten" eine verwitwete Mutter, die sich einfach nicht aus dem Leben ihrer Tochter heraushalten kann. Sie mischt sich ständig ein - wie auch im wahren Leben. Mit ihrem Aktivismus hat sich Sarandon nicht nur Freunde gemacht.

Für ein paar Jahre wurden sie und ihr damaliger Lebensgefährte Tim Robbins sogar als Laudatoren bei der Oscar-Verleihung verbannt. Sie hatten die Bühne der Preisverleihung genutzt um auf das Schicksal von Haitianern aufmerksam zu machen, die auf Guantanamo inhaftiert wurden, weil sie HIV-positiv waren. Sarandon sagte später:

"Es kann sehr einsam um einen herum werden, wenn man Stellung bezieht. Vor dem Irak-Krieg zum Beispiel gab es Todesdrohungen, meine Kinder wurden von Fremden beschimpft. Aber das Schlimmste ist, dass man sich allein fühlt, weil so viele um einen herum lieber schweigen."

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