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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.06.2020

Susan Neiman zu Protesten in den USAWarnung vor einem Bürgerkrieg

Moderation: Vladimir Balzer

Demonstranten auf einer Brücke in Manhattan, New York. (picture alliance / Brian Smith )
Seit Tagen demonstrieren Menschen in den USA gegen Polizeigewalt und Rassismus, wie hier in Manhattan, New York. (picture alliance / Brian Smith )

Die Proteste nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd weiten sich aus. Die Philosophin Susan Neiman sagt, seit dem Amtsantritt von Trump befänden sich die USA in einem kalten Bürgerkrieg. Dieser könnte in einen heißen umschlagen.

Die Proteste in den USA weiten sich aus: New York wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und Präsident Donald Trump verlangt von den Gouverneuren, härter durchzugreifen, zudem will er die Antifa als Terrororganisation einstufen lassen.

"Wir haben lange in Amerika, seit der Amtszeit Trumps, von einem kalten Bürgerkrieg gesprochen. Die Befürchtung ist, sollte dieser Krieg heiß werden, sind es die Rechtsnationalisten, die die Waffen haben", warnt die Philosophin Susan Neiman, die seit 20 Jahren das Einstein-Forum in Potsdam leitet.

Trumps rassistische Bemerkungen

Der amtierende US-Präsident sei jemand, der rassistische Bemerkungen von sich gebe, "wo er geht und steht". Er habe überhaupt erst mit rassistischen Äußerungen gegenüber seinem Amtsvorgänger Barack Obama die politische Arena betreten, sagt Neiman. Zudem habe Trump auch schon bekennende Neonazis mit Hakenkreuzfahnen als sehr feine Leute bezeichnet.

"Mich wundert eigentlich nur, dass es nicht vorher passiert ist", sagt Neiman über die anhaltenden Proteste. Die Lage angeheizt habe sicherlich auch Trumps außerordentlich schlechtes Management der Coronapandemie, dem die schwarze Bevölkerung überproportional zum Opfer falle, erklärt Neiman.

Susan Neiman, amerikanische Philosophin und Direktorin des Potsdamer Einstein-Forums (Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/ZB)Susan Neiman, US-Philosophin und Direktorin des Potsdamer Einstein-Forums (Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/ZB)

Gewalt sei die Sprache der Sprachlosen, so laute ein Satz des US-Bürgerrechtlers Martin Luther King Jr., der momentan häufig zitiert werde, sagt Neiman. Die Bewegung Black Lives Matter, die Polizeigewalt gegen Schwarze dokumentiert und dagegen protestiert, habe bisher wenig bewirkt. Zwar habe sie die vielen Morde an unbewaffneten Schwarzen auf die Agenda gesetzt, doch Schwarze würden weiterhin umgebracht und ihre Mörder nicht zur Verantwortung gezogen.

Polizisten solidarisieren sich mit dem Protest

Es gibt indes auch Hoffnung: Viele Polizisten hätten sich mit den Demonstranten solidarisiert und sich in Anlehnung an den US-Football-Spieler Colin Kaepernick hingekniet, berichtet Neiman. Dieser ist zu einem Symbol der Bürgerrechtsbewegung geworden, nachdem er sich vor dem Wettkampf während der Nationalhymne aus Protest gegen Polizeigewalt gegen Schwarze hingekniet hatte.

(ckr)

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