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Interview | Beitrag vom 15.05.2020

SüdsudanHunger als Waffe im Krieg

Mathias Mogge im Gespräch mit André Hatting

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Eine Frau sammelt Getreidekörner vom Boden, aus einem kaputt gegangenen Sack, der im Rahmen des UN-Welternährungsprogramms aus einem Flugzeug bei der Stadt Kandak im Südsudan abgeworfen wurde. (picture alliance / AP / Sam Mednick)
Jedes Korn zählt: Hier sind die Hilfslieferungen per Flugzeug abgeworfen worden. Andere Lieferungen werden von Rebellengruppen gestoppt. (picture alliance / AP / Sam Mednick)

Das Aushungern der Zivilbevölkerung wird im Südsudan aber auch in zahlreichen anderen Ländern als Kriegstaktik ganz systematisch eingesetzt. Darauf verweist die Welthungerhilfe in ihrer diesjährigen Bilanz der Entwicklungspolitik.

Hunger wird als Waffe im Krieg eingesetzt. Nicht in grauen Vorzeiten, nein: "Das Aushungern der Zivilbevölkerung, von Dörfern, von Städten ist etwas, was heute nach wie vor erfolgt", sagt Mathias Mogge von der Welthungerhilfe.

Die Hilfsorganisation hat gemeinsam mit Terre des Hommes ihre diesjährige Bilanz der Entwicklungspolitik, den Kompass 2020, vorgestellt – und in diesem Zusammenhang auf das grausame Phänomen hingewiesen.

Felder werden bombardiert

"Es gibt Länder wie den Südsudan, wie Mali, aber auch den Jemen, wo das Aushungern der Zivilbevölkerung systematisch als Methode der Kriegsführung eingesetzt wird." Dies erfolge auf ganz unterschiedliche Weise. So seien zum Beispiel im Südsudan die landwirtschaftlich genutzten Flächen bombardiert worden. "Rebellen plündern die Erntevorräte der Bevölkerung. Hilfstransporte werden angehalten, die Nahrungsmittel werden abgegriffen und Soldaten- oder Rebellengruppen zugeführt."

Porträt von Mathias Mogge, Generalsekretär und Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe (Deutsche Welthungerhilfe / Barbara Frommann)„Wir erleben eine Verletzung des internationalen Völkerrechts wirklich jeden Tag." - Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. (Deutsche Welthungerhilfe / Barbara Frommann)

Auch die Mitarbeiter der Welthungerhilfe vor Ort – in Mali und im Südsudan – hätten bestätigt, dass dies Teil der Kriegsführung sei, meint Mogge.

Aushungern unter Strafe gestellt

Zwar werde das Aushungern in einer Resolution des UN-Sicherheitsrats verurteilt und unter Strafe stellt, trotzdem passiere es nach wie vor: "Wenn Sie sich zum Beispiel Syrien angucken, da haben wir das ja auch erlebt, wie über Monate die Armee der syrischen Regierung Dörfer einfach ausgehungert hat, indem sie einfach keine Nothilfe mehr durchgelassen haben."

Kriege sind also auch im 21. Jahrhundert kein bisschen humaner geworden – im Gegenteil: "Wir erleben eine Verletzung des internationalen Völkerrechts wirklich jeden Tag. Kriege werden heute mit allergrößter Brutalität geführt, und die Zivilbevölkerung leidet massiv unter dieser Art der Kriegsführung."

(lkn)

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