Stromae singt über Suizid

"Gänsehautauftritt" in den 20-Uhr-Nachrichten

05:57 Minuten
Der Sänger Stromae bei einem Konzert 2014: Er steht vor einem Mikro, der Hintergrund ist schwarz.
Der Sänger Stromae, hier bei einem Auftritt 2014, hat in einer französischen Nachrichtensendung über Suizid gesungen. © picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott
Jürgen Ritte im Gespräch mit Max Oppel · 10.01.2022
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Der belgische Sänger Stromae hat in einer französischen Nachrichtensendung über Suizid gesungen und damit ein neues Album angekündigt. Ein emotionaler, aber dennoch kalkulierter Auftritt, sagt Kulturwissenschaftler Jürgen Ritte.
"Le 20h" ist eine der meistgesehenen Nachrichtensendungen in Europa. Sie läuft um 20 Uhr im französischen Privatfernsehsender "tf1" und ist vergleichbar mit den deutschen "Tagesthemen".

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Zu Gast war dort der belgische Sänger Stromae ( "Alors on danse" oder "Papaoutai"). Dort kündigte er sein neues Album "Multitude" an, das am 4. März herauskommt. 2013 erschien sein letztes Album "Racine carrée".
Und auf die Frage der Moderatorin, ob ihm die Musik geholfen habe, sich von der Einsamkeit zu befreien, die er oft in seinen Songs thematisiere, antwortet Stromae mit einem Song. Das Echo in den Sozialen Netzwerken war groß.

Suizide bei Jugendlichen durch Corona gestiegen

Das sei ein "Gänsehautauftritt", ein "emotionaler Moment in einer Nachrichtensendung" gewesen, sagt Kulturwissenschaftler Jürgen Ritte. Er ist Professor für deutsche Literatur und interkulturelle Studien an der Sorbonne Université in Paris. Allerdings, so Ritte, sei dieser Auftritt auch kalkuliert gewesen.
Die neue Single von Stromae heißt "L'enfer" ("die Hölle") und handelt von Suizidgedanken und Depressionen. "Das Thema ist sehr aktuell, denn die Coronakrise hat unter anderem unter Schülern und Studenten tatsächlich zu einem Anstieg an Selbstmordversuchen und auch zu durchgeführten Selbstmorden geführt", so Ritte.
Die Vereinsamung von Jugendlichen in Zeiten von Corona sei ein Thema, das kaum öffentlich besprochen werde. Stromae habe dieses Thema "nach vorne gebracht", sagt Ritte, "und die Reaktionen zeigen, dass er einen Nerv getroffen hat."

Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen: Wenn Sie das Gefühl haben, an einer psychischen Krankheit zu leiden oder Suizidgedanken Sie beschäftigen, wenn Sie sich in einer scheinbar ausweglosen Lebenssituation befinden oder das auf einen Ihrer Angehörigen zutrifft, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen bzw. anzubieten. Hilfe bietet unter anderem die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (gebührenfrei) und im Internet unter telefonseelsorge.de.

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