Suizid-Ausstellung in Kassel

    Bruch mit einem gesellschaftlichen Tabu

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    Das Video des Künstlers Jaan Toomik ist eine Hommage an seinen Militärkollegen, der sich 1982 während seines Dienstes in der Sowjetarmee erschoss.
    Das Video des Künstlers Jaan Toomik ist eine Hommage an seinen Militärkollegen, der sich 1982 während seines Dienstes in der Sowjetarmee erschoss. © Jaan Toomik / Courtesy the Artist and Temnikova & Kasela, Tallinn
    Tatjana Ahle im Gespräch mit Gesa Ufer · 08.09.2021
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    Selbsttötung ist eines der letzten Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Das will die Ausstellung "Suizid - let's talk about it" ändern. Einige Künstler verarbeiten in ihren Werken die Suizide naher Angehörige.
    Eines der Themen, die noch immer als Tabu in unserer Gesellschaft gelten, ist der Suizid. Rund 10.000 Menschen töten sich jedes Jahr in Deutschland selbst. Daran erinnert der Welttag der Suizidprävention am 10. September.
    Lieber nicht darüber reden - das ist die gängige Haltung zum Suizid. Für viele, die einen geliebten Menschen auf diese Weise verloren haben, wäre es aber eine Erleichterung, über die Tat und die damit verbundenen Gefühle sprechen zu können.

    Viele der Kunstwerke spiegeln Traumata wider

    Hier knüpft eine Sonderausstellung in Kassel an: "Suizid - let's talk about it" heißt die Schau, die das Sepulkralmuseum mit Dokumenten, Gegenständen und Werken internationaler Künstler aus unterschiedlichen Zeiten zeigt.

    Das Schweigen brechen (AUDIO): "Wenn Menschen nicht über ihre Suizidgedanken sprechen, haben wir keinen Zugang zu ihnen", sagt Dirk Pörschmann, Direktor des Museums für Sepulkralkultur. "Und dann verlieren wir sie häufig." Und wenn Angehörige nicht über den Suizid eines Familienmitglieds sprechen könnten, nehme man ihnen die Möglichkeit, Trauerarbeit zu leisten: "Dann schicken wir sie wieder in die Einsamkeit." Hier zeige sich die Stigmatisierung des Themas, sagt Pörschmann. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, das Schweigen zu brechen.

    Ein Porträt von Dirk Pörschmann, Leiter des Museums für Sepulkralkultur.
    © picture alliance / dpa / Swen Pförtner
    Einige von ihnen, wie etwa der Bildhauer Georg Kolbe (1877 - 1947) oder der Videokünstler Bjørn Melhus (Jahrgang 1966), verarbeiten in ihren Werken eigene Traumata: Beide Künstler verloren ihre Schwestern durch Suizid.
    "Suizid - let's talk about it" wird flankiert von einem Begleitprogramm mit Lesungen, Filmabenden und Diskussionen. Das Sepulkralmuseum widmet sich unter kulturell-künstlerischen Gesichtspunkten ausschließlich den Themen Sterben, Trauern und Gedenken. Die aktuelle Ausstellung ist vom 10. September bis 27. Febuar 2021 zu sehen.

    Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen: Wenn Sie das Gefühl haben, an einer psychischen Krankheit zu leiden oder Suizidgedanken Sie beschäftigen, wenn Sie sich in einer scheinbar ausweglosen Lebenssituation befinden oder das auf einen Ihrer Angehörigen zutrifft, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen bzw. anzubieten. Hilfe bietet unter anderem die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (gebührenfrei) und im Internet unter telefonseelsorge.de.

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