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Donnerstag, 22.10.2020
 
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Interview | Beitrag vom 18.06.2020

Streit um NS-Denkmal-UmgestaltungSchwierige Suche nach geeigneter Ästhetik

Sebastian Freytag im Gespräch mit Dieter Kassel

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Das "39er-Denkmal" in Düsseldorf zeigt Wehrmachtsoldaten, die in den Krieg ziehen (picture alliance / imageBROKER / Karl F. Schöfmann)
Das "39er-Denkmal" in Düsseldorf zeigt Wehrmachtssoldaten, die in den Krieg ziehen. Nun soll es umgestaltet werden, doch Künstler protestieren. (picture alliance / imageBROKER / Karl F. Schöfmann)

In Düsseldorf soll der Platz um das "39er Denkmal" aus der NS-Zeit neugestaltet werden. Am Siegerentwurf gibt es aber Kritik: Er setze die Bildsprache der Nazis fort. Sebastian Freytag, einer der beteiligten Künstler, stellt sich diesem Vorwurf.

Um die Umgestaltung des Reeser Platzes in Düsseldorf mit seinem Soldatendenkmal aus der Zeit des Nationalsozialismus ist eine heftige Debatte entbrannt. Die Maler Gerhard Richter und Günther Uecker, die Autorin Ingrid Bachér und weitere prominente Künstler richteten ein Schreiben an den Düsseldorfer Stadtrat: "Nicht wieder der Aufguss von gestern", heißt es darin. Sie wenden sich damit gegen den 1. Preis des Wettbewerbs, der eine begehbare Stahlbrücke vorsieht, die das "39er-Denkmal" überragt.

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Der Künstler Sebastian Freytag vom Künstlerkollektiv Ultrastudio, das den Entwurf "Those who have crossed" eingereicht hatte, wehrt sich gegen die Vorwürfe und fordert Sachlichkeit. Bei dem weltweiten Wettbewerb sei es um eine kritische, nicht plakative Kommentierung gegangen, nicht um ein Gegendenkmal.

Ältere Künstlergeneration wollte einen Gegenentwurf

Freytag führt die Kontroverse auch auf die unterschiedlichen Generationen und damit auf einen "Perspektivwandel" zurück: Die "ältere Künstlergeneration" habe ein Gegendenkmal favorisiert, das sich in allen Facetten von dem NS-Denkmal unterscheide.

"Wir haben aber unterdessen gelernt, dass die nationalsozialistische Ästhetik so perfide und vielschichtig ist, dass es uns nicht mehr leicht fällt zu sagen, wir haben eine Form, die wir eindeutig als nationalsozialistisch bezeichnen können - und wir haben die Gegenform", sagt Sebastian Freytag. "Es wäre ja wunderbar, wenn wir Formen finden, die unverbraucht sind und das Gute repräsentieren und das Demokratische. Leider fällt es uns schwer, das so eindeutig voneinander zu trennen. Mit dieser Bürde ist man als Künstler, gerade wenn man im öffentlichen Raum arbeitet, immer beschäftigt. An jeder Stelle haben wir es mit kontaminiertem Material zu tun."

Dadurch falle es schwer, eine eindeutige Position, ein eindeutiges Material zu finden, "mit dem wir moralisch einwandfrei argumentieren können". Freytag betont, dass es diesen Diskurs aber brauche.

(bth)

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