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Fazit | Beitrag vom 07.10.2018

Streit um Kirchenfenster in HannoverGottes Werk und Teufels Beitrag

Hanna Kreisel-Liebermann im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Kirchenvorstand Reinhard Scheibe, Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann und Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann (v. li.) mit dem Entwurf für das Lüpertz-Kirchenfenster. (imago stock & people)
Kirchenvorstand Reinhard Scheibe, Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann und Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann (v. li.) mit dem Entwurf für das Lüpertz-Kirchenfenster (imago stock & people)

Ein weiterer Fall von Urheberrechtsstreit mit Künstler-Erben: Altkanzler Gerhard Schröder will der Marktkirche in Hannover ein neues Fenster von seinem Lieblingskünstler Markus Lüpertz schenken - doch der Erbe des Kirchenarchitekten wehrt sich.

Georg Bissen ist der Stiefsohn des Architekten Dieter Oesterlen und hat die Urheberrechte an der baulichen Gestaltung der Kirche – und lässt sich nicht von dem neuen Fenster überzeugen. Nun prüft der Kirchenvorstand, ob er vor Gericht eine Chance gegen den Widerspruch hat.

"Eine Kirche ist kein Museum"

Dazu sagt die Pastorin der Marktkirche in Hannover, Hanna Kreisel-Liebermann, dass ihre Kirche das von Markus Lüpertz gestaltete Fenster gerne hätte, "weil wir meinen, dass es eine Bereicherung an zeitgenössischer Kunst ist in der Marktkirche, und eine Kirche kein Museum ist." Stattdessen könne sie sich immer weiter verändern, solange die Gestalt des Innenraums im Wesentlichen erhalten bleibe. Und "die Gesamtatmosphäre wird nicht verändert", argumentiert Kreisel-Liebermann.

"Das Fenster soll in das Südschiff. Diese Seite schaut genau auf den Marktplatz, wo 1533 die Bürger Hannovers − es waren vor allem Männer, aber sicher auch einige Frauen − für die Reformation gekämpft haben." Außerdem sei das die hellere Seite, weswegen die Helligkeit im Inneren der Kirche nicht wesentlich eingeschränkt würde. Es gäbe sogar noch einen warmen Ton durch dieses farbige Glasfenster, sagt die Pastorin.

Wie würde Dieter Oesterlen entscheiden?

Außerdem sei schon 1961 oder 1962 ein Buntglasfenster oben im Turm eingefügt worden – damals mit der Zustimmung von Dieter Oesterlen. "Für uns ist eben fraglich, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, farbige Fenster einzubauen, ob er das nicht auch gemacht hätte. Vermutlich sehr schlichte und einfache, aber gotische Kirchen hatten immer farbige Fenster", sagt Kreisel-Liebermann.

Hier sind drei der fünf Schmeißliegen zu sehen, an denen sich manche Gemeinde- und Kirchenmitglieder stoßen. (imago stock & people)Hier sind drei der fünf Schmeißliegen zu sehen, an denen sich manche Gemeinde- und Kirchenmitglieder stoßen. (imago stock & people)
Es gebe mehrere Gründe, warum einige Mitglieder der Gemeinde und der Kirche gegen den Einbau der Fenster seien: "Sie stoßen sich an den fünf Schmeißfliegen, die Markus Lüpertz als Symbole des Bösen gewählt hat." Und weil der Name des Teufels im Hebräischen auch "Herr der Fliegen" bedeute. "Das stößt manche ab. Wir sagen, moderne Kunst muss auch immer irritieren."

Wenn man ein Kreuz oder Folterszenen in der Kirche sehe, sei das schließlich auch abstoßend, "wir sind nur daran gewöhnt". Man werde sich beraten und juristische Schritte prüfen, "ob wir eine Chance haben, ob das für uns finanziell machbar wäre", sagt Hanna Kreisel-Liebermann.

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