Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz

Kaum jemand weiß, was zu tun ist

06:48 Minuten
Das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine.
Die Lage des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja mitten im Kriegsgebiet sorgt nach wiederholtem Beschuss immer wieder für Befürchtungen, es könnte zu einem Unglücksfall kommen. © picture alliance / Xinhua News Agency / Bai Xueqi
Inge Paulini im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 22.09.2022
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Eine Studie zeigt, dass die meisten Deutschen im Fall eines Atomunfalls ratlos sind. Dem will das Bundesamt für Strahlenschutz entgegen steuern, sagt die Präsidentin Inge Paulini und hat einige Ratschläge für den Ernstfall.
In der Ukraine steht das größte AKW Europas Saporischschja zwischen den Fronten und wird nach Einschätzung von Experten zum unkalkulierbaren Risiko.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat diese mögliche atomare Bedrohung zum Anlass genommen, 2000 Personen zu befragen. Daraus ist die Studie „Was denkt Deutschland über Strahlung?“ entstanden, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Große Sorge, aber wenig Wissen

Was die Menschen über Strahlung wissen und wissen wollen, habe man auf diesem Wege erfahren wollen, sagt die Präsidentin des Bundesamtes, Inge Paulini über diese Studie. Daraus ergebt sich, was die Bevölkerung wissen muss, um sich selbst vor Strahlung schützen zu können.
Die Ergebnisse zeigen, so Paulini, dass nur zwei von zehn der Befragten wissen, wie sie sich bei einem möglichen Unfall in einem Atomkraftwerk verhalten sollen. 63 Prozent der Bürger sagten, dass eine mögliche radioaktive Belastung durch einen Unfall in einem AKW sie sehr beunruhige.
Durch Ereignisse wie den Beschuss einer Nuklearanlage in der Ukraine kann das Risiko steigen, sagt Paulini. "Auch deshalb ist es wichtig, dass die Menschen in Deutschland gut Bescheid wissen, was sie im Ernstfall tun müssten."

Ratschläge für den Ernstfall

Das Bundesamt habe immer schon viel informiert, aber die Ergebnisse der Studien seien ein Auftrag, das weiter zu tun, so Paulini. In der Behörde werde die Lage in der Ukraine und deren mögliche Auswirkungen rund um die Uhr beobachtet, bisher bestehe für die Menschen keine Gefahr.
Im Notfall ist es wichtig, sich richtig zu informieren und auf die Mitteilungen der Behörden zu hören, sagt Paulini. Das sei auch deshalb wichtig, weil nicht alle Regionen in gleicher Weise betroffen wären, sollte es einen AKW-Unfall geben.
Im Fall der Ukraine könnte das in Deutschland bedeuten, dass die festgelegten Höchstwerte für Radioaktivität für die Landwirtschaft eventuell überschritten würden. "Dann wäre eine Kontrolle von Futter und Nahrungsmitteln erforderlich", so Paulini. "Gegebenenfalls auch eine Vermarktungssperre für kontaminierte Produkte."
Sollten die Behörden mitteilen, dass es eine radioaktive Wolke in einer Region gebe, sei das Allerwichtigste, Türen und Fenster geschlossen zu halten und zu Hause zu bleiben, sagt die Behördenleiterin.
Viele Leute hätten sich aus Sorge bereits Jodtabletten bestellt. "Unsere Antwort ist: Nein, versorgen sie sich nicht selbst mit Jodtabletten", so Paulini. Es gebe fast 190 Millionen Jodtabletten, die von den Behörden verteilt würden, wenn das nötig werde. Es gehe dabei um ein enges Zeitfenster für die Einnahme.
(gem)

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